Deshalb wird bei der UN-Konferenz für ein neues globales Klima-Abkommen in Bonn auch über Waldschutz und Anreize zur Reduzierung der Entwaldung verhandelt. Einig sind sich alle Parteien, dass es künftig keinen wirkungsvollen Klimaschutz ohne besseren Schutz der Wälder, vor allem der Tropenwälder, geben kann.
Strittig ist allerdings, mit welchen Mechanismen künftig Entwaldung vermieden werden kann und wie der Erhalt der Wälder berechnet und vergütet werden soll. Die Umweltorganisation Greenpeace warnte vor der Option einer Anrechnung von Wäldern in Form von Verschmutzungsrechten.
Nach einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen neuen Studie und Modellrechnung, die am Montag auf der Bonner UN-Konferenz vorgelegt wurde, würde eine Einbeziehung von Wäldern in den Verschmutzungsrechte-Handel den neuen weltweiten Kohlenstoff-Markt mit dem Emissionshandel in der bisherigen Form - Verursacher werden zur Kasse gebeten - zusammenbrechen lassen.
Die CO2-Preise würden sofort massiv verfallen, erklärte Greenpeace-Delegationsleiter Martin Kaiser zu dem von neuseeländischen Wissenschaftlern erstellten Report. Die Industriestaaten hätten dann keine Anreize mehr, die nationalen Treibhausgas-Emissionen tatsächlich zu reduzieren und könnten etwa weiter alte Kohlekraftwerke mit hohem CO2-Ausstoß betreiben. Die Zertifikate zum Verschmutzen könnten sie international billig erwerben und sich damit von eigenen Verpflichtungen «freikaufen».
Der CO2-Preis würde laut Studie bei Einbeziehung von Waldzertifikaten um 75 Prozent einbrechen. Auch unter Annahme eines relativ niedrigen Preises für Verschmutzungsrechte aus Wäldern, würde der Preis immer noch um etwa 60 Prozent fallen. In jedem Fall würde die Anrechnung von Verschmutzungsrechten für den Bestand und Erhalt von Wäldern die Investitionen in klimafreundliche Technologien sowohl in Industrieländern wie auch in Entwicklungsländern deutlich reduzieren, warnte Greenpeace. Damit könnten wichtige Investitionen in klimafreundliche erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Wasser ökonomisch nicht mehr sinnvoll sein und ausbleiben.
Statt Waldzertifikate einzubeziehen, müsste der Emissionshandel daher auch künftig auf den Ausstoß von CO2 beim fossilen Brennstoffen konzentriert werden. Für den Erhalt von Wäldern, vor allem Tropenwäldern, wollen Entwicklungsländer von den Industrieländern Gegenleistungen. Industrieländer wollen kostengünstige Lösungen. Umweltorganisationen haben die Kosten zum Stopp der Entwaldung auf jährlich rund 30 Milliarden Euro beziffert. Verlässliche internationale Finanzinstrumente sind aber noch nicht in Sicht. Diskutiert wird über Fondslösungen - und eben auch über eine Einbeziehung in den Kohlenstoffmarkt. Bis zur Konferenz in Kopenhagen im Dezember, wo das neue Abkommen beschlossen werden soll, dürfte Klimaschutz mit Waldschutz noch ein heißes Thema bleiben.

