Perth in West-Australien machte 2006 den Anfang. Brisbane und Sydney folgten. In zwei Jahren dürften sechs Entsalzungsanlagen zur Trinkwasserversorgung in Betrieb sein. Die Kosten sind enorm. «In Südaustralien ist diese Anlage das größte Investitionsprojekt aller Zeiten», sagt Farinola. 1,8 Milliarden australische Dollar sind veranschlagt - 1,2 Milliarden Euro. Alle Entsalzungsanlagen zusammen kosten mehr als 9 Milliarden Euro.
Die Aufbereitung von Meeres- zu Trinkwasser ist unter Umweltschützern heftig umstritten. «Strom aus der Flasche» nennt das Mark Parnell, ein grüner Abgeordneter im Parlament von Südaustralien, weil der Prozess Unmengen Energie verbraucht. Die Anlage in Adelaide dürfte auf 4,5 Kilowattstunden pro 1000 Liter kommen, sagt Farinola. Der Strom ist nötig, um das Wasser im sogenannten Umkehrosmose- Verfahren unter Hochdruck durch halbdurchlässige Membranen zu pressen. Rückstände, Viren, und Salz bleiben zurück, übrig bleibt Trinkwasser.
Farinola zeigt weit aufs Meer hinaus. «1500 Meter vor der Küste sind die Ansauganlagen. Das Wasser gelangt durch einen Tunnel unter dem Meeresboden in die Anlage.» Der Durchlauf dauert nur eine halbe Stunde, dann ist das Trinkwasser fertig. Der Rest, Wasser mit einem doppelt so hohem Salzgehalt wie vorher, wird zurück 1000 Meter vor der Küste zurück ins Meer gepumpt. Der Frachtkahn auf dem Wasser deponiert gerade Felsbrocken, die die ein, zwei Meter hohen Anlagen am Meeresboden vor Strömungen schützen sollen. Auf Verlangen der Regulierungsbehörde muss die Anlage für Adelaide ihren Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken. «Wir sind 100- prozentig grün», sagt Projektleiter Milind Kumar. Eine Milchmädchenrechnung, meint Stuart White vom «Institut für eine nachhaltige Zukunft» an der Technischen Universität Sydney. Die Anlage ist nämlich an das ganz normale vor allem durch Kohlekraftwerke gespeiste Stromnetz angeschlossen. Die Wasserwerke finanzieren zwar im Umfang ihres Verbrauchs Strom aus erneuerbaren Energien. Doch könnten damit ohne Entsalzungsanlage zehntausende Haushalte versorgt werden, sagt White.
«Die Ironie ist doch, dass diese Anlagen zum Klimawandel beitragen, der die Niederschläge in Australien weiter reduziert - und dass sie damit das Problem verschärfen, das ihren Bau in den Augen der Politiker überhaupt erst nötig gemacht hat», meint James Hitchcock von der Umweltschutzorganisation «Friends of the Earth».
Australien hat zwar viel Potenzial für Wind- und Geothermischer Energie, produziert seine Energie aber zu 80 Prozent mit Kohle. Weil es billiger ist. White und Umweltschutzorganisationen sind überzeugt, dass ein umweltfreundliches Aufbereiten von Regen- und Abwasser einen Großteil des Wasserbedarfs decken würde. Zusätzlich müssten die Australier zum Wassersparen erzogen werden. SA Water ist nicht überzeugt. «Entsalzung ist und bleibt die einzige Klima unabhängige Lösung», sagt Kumar. Den Preis zahlen die Verbraucher. In Adelaide soll sich der Wasserpreis innerhalb von fünf Jahren verdoppeln.

