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Vor Rio: Hochrangiges UN-Gremium will 'neues politisches Wirtschaftsmodell' (03.02.2012)

Ein von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon berufenes hochrangiges Beratergremium hat am 30. Januar seine Blaupause für mehr globale Nachhaltigkeit vorgelegt. Ban hatte das „High-level Panel on Global Sustainability“ im Sommer 2010 eingesetzt. Seine 22 Mitglieder sollten unter Vorsitz Bans, der Präsidentin Finnlands, Tarja Halonen, und des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma praktikable Ideen für mehr Nachhaltigkeit ausarbeiten, rechtzeitig zum im Juni in Rio de Janeiro stattfindenden Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung der UN („Rio+20“).

In seinem Bericht fordert das international besetzte Expertengremium eine Neuausrichtung gängiger ökonomischer Praktiken. Die Stärke einer Volkswirtschaft müsse sich künftig an ihrer Nachhaltigkeit messen lassen.

rio+20Das 21. Jahrhundert verlange ein „‚neues politisches Wirtschaftsmodell’ für nachhaltige Entwicklung“, heißt es in dem Papier. Dieses Modell müsse sich an den wissenschaftlich belegten Belastungsgrenzen der Erde ausrichten und in einer „immergrünen Revolution“ münden – die Produktivität mindestens verdoppeln, ohne soziale Schieflagen und Umweltprobleme zu verschärfen. Nachhaltigkeit, heißt es an anderer Stelle des knapp 100-seitigen Berichts, müsse ins Zentrum der globalen Wirtschaft gerückt werden. Dann könne die Politik das Leitbild nicht länger ignorieren.

Insgesamt haben die UN-Berater 56 Empfehlungen an die Politik zusammengetragen: Sie plädieren für eine ökologische Steuerreform und sprechen sich für das Auslaufen ökologisch schädlicher Subventionen bis zum Jahr 2020 aus. Auch sollen Regierungen und öffentliche Institutionen wie Universitäten den Einkauf der von ihnen benötigten Waren in den nächsten zehn Jahren an Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Nach Ansicht der UN-Experten müssen die Regierungen gemeinsam mit der Wirtschaft dafür sorgen, dass Verbrauchern der nachhaltige Konsum leichter fällt, durch Nachhaltigkeitsstandards für Produkte etwa oder durch „Preissignale“.

Die Politik, sagte Südafrikas Präsident Zuma, „hungert nach Ideen, mit denen sie durch diese schwierigen Zeiten navigieren kann“. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung sei zur Bewältigung „multipler Krisen“ wichtiger denn je. Belastbare Indikatoren sollen globale Nachhaltigkeitsfortschritte künftig messen. Auf sie und auf neue Nachhaltigkeitsziele sollen sich die Staats- und Regierungschefs nach dem Willen des Gremiums in Rio verständigen. Die Nachhaltigkeitsziele sollen die UN-Ziele zur Armutsbekämpfung ergänzen. Mehr Gleichheit und weniger Armut unter den Menschen, so Finnlands Präsidentin Halonen, „müssen für die Weltgemeinschaft Prioritäten bleiben“.

Um die mit Nachhaltigkeit befassten UN-Institutionen zu stärken, wirbt das Gremium für eine Aufwertung des UN-Umweltprogramms und die Etablierung eines globalen Rats für nachhaltige Entwicklung. Er soll die Nachhaltigkeitsleistungen der UN-Mitgliedsstaaten systematisch bilanzieren und in einem „konstruktiven Geiste“ auf Erfüllung ihrer Zusagen pochen. An etlichen Stellen des Berichts wird zudem eine größere Rolle für Frauen im Wirtschaftsgeschehen gefordert. Sie gleichberechtigt einzubinden sei wichtig für mehr Nachhaltigkeit, sagte Halonen. Sie und ihre Mitstreiter fordern daneben einen höheren Stellenwert und mehr Aufmerksamkeit für die Wissenschaften. Ihre Erkenntnisse müssten bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.

UN-Generalsekretär Ban kündigte bei der Vorstellung des Berichtes an, Belange der Nachhaltigkeit in seiner zweiten Amtszeit als Top-Priorität behandeln zu wollen. „Wir müssen für die Zukunft einen neuen, nachhaltigeren Kurs einschlagen“, sagte Ban. „Einen, der die Gleichheit unter den Menschen und wirtschaftliches Wachstum fördert und unseren Planeten schützt.“ Neben Halonen und Zuma hatte Ban unter anderem die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland in das Panel berufen, die bereits Mitte der 1980er Jahre einer später nach ihr benannten UN-Kommission vorsaß. Der 1987 von der Brundtland-Kommission veröffentlichte Abschlussbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ prägte das Konzept nachhaltiger Entwicklung.

Weiterführende Informationen und Links finden Sie unter nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© rio+20



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