"Der Gesetzentwurf ist ein Anschlag auf Arten- und Klimaschutz und würde den Umweltschutz um Jahrzehnte zurückwerfen", unterstreicht WWF Lateinamerika-Referent Roberto Maldonado.
Das staatliche brasilianische Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IPEA), das dem brasilianischen Präsidialamt unterstellt ist, rechnet mit einem Verlust von bis zu 76,5 Millionen Hektar Wald - eine Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien, falls das Gesetz tatsächlich kommt. Geplant sind schwächere Rodungsauflagen für Grundbesitzer und eine Amnestie für illegale Abholzungen. "Das Gesetz ist ein Geschenk an die Agroindustrie, die kurzsichtig nur an das nächste Geschäftsjahr denkt, nicht aber an die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Kahlschlags", so Maldonado.
Falls das brasilianische Unterhaus den Gesetzentwurf gegen den Rat der nationalen Wissenschaftsakademie und gegen den Willen des brasilianischen Volkes annimmt, hat Präsidentin Dilma Rousseff die Möglichkeit, ein Veto gegen die Entscheidung einzulegen. Der WWF appelliert an die brasilianische Präsidentin von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen und das Gesetz auf keinen Fall zu unterzeichnen. "Es wäre absurd, die Welt im Juni zur Nachhaltigkeitskonferenz Rio +20 einzuladen und gleichzeitig auf Druck der Agrarlobby die Axt an einen der größten Naturschätze der Erde anzulegen", so Roberto Maldonado.
Die Lockerung des Gesetzes hätte weitreichende Folgen über die Grenzen Brasiliens hinaus. Die Abholzung für Rinderweiden oder Sojaplantagen würde das Weltklima mit bis zu bis zu 28 Milliarden Tonnen Kohlendioxid belasten. Das entspreche etwa dem Treibhausgasausstoß Deutschlands in 30 Jahren.

