Um die Weltöffentlichkeit zu beruhigen, nahm der zuständige Minister Goshi Hosono am Wochenende erneut Journalisten in die Atomruine mit. Der Beckenboden sei verstärkt worden, versicherte er den Reportern. Laut dem Betreiber Tepco würde das Becken einem Beben der gleichen Stärke wie am 11. März 2001 standhalten, was viele Japaner aber bezweifeln. Derweil übte der damalige Premier Naoto Kan Kritik am Verhalten der Tepco-Führung in den dramatischen ersten Stunden der Katastrophe.
Der Verbindungsmann von Tepco bei der Regierung habe damals ein Aussetzen der Kühlung der Reaktoren mit Meerwasser angeordnet, gab Kan am Montag vor einer unabhängigen Untersuchungskommission des Parlaments zu Protokoll. Der damalige Manager des AKW Fukushima Daiichi, Masao Yoshida, hatte sich jedoch vor Ort über die Anweisung seines Kollegen hinweggesetzt und die Kühlung mit Meerwasser fortgesetzt. Kan warf Tepco zudem vor, ihn damals nicht ausreichend informiert zu haben. In dem AKW kam es in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 in drei Reaktoren zu Kernschmelzen. Die Umwelt wurde verstrahlt, Zehntausende von Menschen mussten fliehen.
Inzwischen hat die Regierung die Anlage für sicher erklärt, was Kritiker jedoch bezweifeln. So warnte der frühere Botschafter in der Schweiz, Mitsuhei Murata, kürzlich vor dem Parlament in Tokio eindringlich vor den Gefahren durch das Abklingbecken im Reaktor 4. Ein weiterer Unfall könne eine globale Katastrophe auslösen, wurde Murata zitiert. Reaktor 4 war zu Wartungsarbeiten heruntergefahren, als eine Wasserstoffexplosion in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 Teile der Außenwände des Reaktorgebäudes zerstörte.
Um das Abklingbecken zu schützen, installieren die Aufräumtrupps eine Plane darüber. Tepco erwägt, zu Testzwecken zwei unbenutzte Brennstäbe herauszuholen. Sollte alles glatt verlaufen, sollen alle Brennstäbe vom kommenden Jahr an aus dem Abklingbecken entfernt werden. Laut Regierung kann frühestens in zehn Jahren damit begonnen worden, die Reaktoren 1 bis 4 in der Atomruine zu entkernen. Der vollständige Rückbau des AKWs dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern.
Regierungsverantwortliche warfen Tepco erneut vor, damals beabsichtigt zu haben, das havarierte AKW sich selbst überlassen zu wollen. Bei der Diskussion der möglichen Folgen war die Regierung damals zu einem Szenario für den schlimmsten Fall gekommen, bei dem selbst die Evakuierung Tokios erwogen wurde. Nur dem Druck des damaligen Premiers Kan hat es Japan zu verdanken, dass es nicht so weit kam. Er war in die Zentrale von Tepco gestürmt und hatte die Konzernführung angebrüllt, ein Aufgeben des AKW komme nicht infrage.
Derweil arbeitet Japan an einer neuen Energiepolitik. Ein Beratungsgremium der Regierung entwarf am Montag fünf Optionen, die von einem kompletten Ausstieg aus der Atomkraft bis zu einem Ausbau der Atomkraft reichen.
Eine Entscheidung der Regierung über die neue Energiepolitik wird in diesem Sommer erwartet. Als Folge der Fukushima-Katastrophe muss Japan derzeit komplett ohne Atomstrom auskommen. Alle Reaktoren sind zu Wartungsarbeiten und Stresstests abgeschaltet. Gegen ein Wideranfahren regt sich starker Widerstand in der Bevölkerung.
Regierungschef Yoshihiko Noda signalisierte am Montag, in Kürze zu entscheiden, ob zunächst zwei Reaktoren im AKW Oi in der Provinz Fukui nach bestandenem Stresstest weiter hochgefahren werden - angesichts des Widerstands im Volk eine heikle Aufgabe.

