Brüssel - EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard warnt vor mehr Wetterkapriolen wie Gluthitze oder Regenstürmen. «Die extremen Temperaturen und Niederschläge, die wir derzeit erleben, sind genau das, was Europa vorausgesagt wurde», sagte Hedegaard am Mittwoch in Brüssel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wissenschaftler warnen uns, dass das erst der Anfang sei.»
Das Weltklima ist nach dem aus EU-Sicht enttäuschenden UN- Klimagipfel von Kopenhagen und der Euro-Schuldenkrise von der Agenda gerutscht. Auch die internationale Staatengemeinschaft will über das Thema nur noch im Rahmen der Vereinten Nationen verhandeln. Und dort wird ein ursprünglich vorgesehener Weltklimavertrag auch für den nächsten Gipfel im Dezember in Mexiko nahezu ausgeschlossen.
Hedegaard hofft, die derzeitigen Wetterextreme könnten das Thema zumindest in Europa wieder ins Licht der Öffentlichkeit rücken. «Ich würde normalerweise sagen, dass ein Sommer noch keine Klimapolitik macht, muss aber zugeben, dass während des vergangenen, besonders kalten Winters die Menschen ja auch aus dem Fenster blickten und meinten: "Oh, es ist so kalt, vielleicht gibt es ja gar keine Erderwärmung."»
Die EU muss diesen Herbst entscheiden, ob sie ihre Klimaziele erhöht, um den besonders durch die Fronten zwischen China und den USA festgefahrenen UN-Verhandlungen Schwung zu verleihen. Bislang will die Gemeinschaft der 27 ihr Ziel, bis 2020 den Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß um 20 Prozent zu verringern, nur unter Auflagen auf 30 Prozent erhöhen.
Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und seine britischen und französischen Amtskollegen fordern, diesen Schritt jetzt zu gehen. Vor allem Polen und Italien sind aber dagegen. «Vielleicht riskiert man nicht nur Arbeitsplätze, wenn man ambitioniert ist, sondern auch, wenn man stillsteht», mahnt Hedegaard nun.
Umstritten ist auch das Verhandlungsmandat für die EU. Üblicherweise wird es vor derartigen Konferenzen penibel ausgehandelt. Hedegaard fordert mehr Spielraum für Europas Unterhändler. «Wir brauchen mehr Flexibilität» - auch, um zu verhindern, «dass unsere roten Linien zum Auftakt immer schon veröffentlicht sind», sagte sie der dpa.
Mit Blick auf die anstehenden Budgetverhandlungen für die nächste EU-Finanzperiode fordert die Dänin mehr Anreize statt Strafen für klimafreundliche Politik. «Das ist eine sensible und schwierige Debatte, aber eine, die wir führen müssen.»

