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EU legt Fahrplan für ein CO2-armes Europa bis 2050 vor (08.03.2011)

Bild: Pixelio/geraltDie Europäische Kommission hat heute einen Fahrplan für die Umgestaltung der Europäischen Union in eine wettbewerbsfähige CO2-arme Wirtschaft bis 2050 angenommen. Dieser Fahrplan beschreibt den kostengünstigsten Weg zur Verwirklichung des EU-Ziels, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80-95 % gegenüber 1990 zu reduzieren.

Basierend auf einer Kosten-Wirksamkeits-Analyse weist der Fahrplan den Weg für sektorbezogene Politiken, nationale und regionale CO2-Reduzierungsstrategien und langfristige Investitionen. Die EU muss jetzt damit anfangen, langfristige Strategien zu entwickeln, und der Fahrplan gibt Hinweise, wie der Übergang besonders kostengünstig bewerkstelligt werden kann. Die Europäische Kommission hat auch deshalb die Initiative ergriffen, weil es für die EU mit zahlreichen Vorteile verbunden sein wird, im weltweiten Übergang zu einer CO2-armen und ressourcenschonenden Wirtschaft die Führung zu übernehmen.

Die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard erklärte hierzu: „Wir müssen jetzt den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft einleiten. Je länger wir damit warten, desto höher werden die Kosten sein. Angesichts immer weiter ansteigender Ölpreise gibt Europa jedes Jahr mehr für Energie aus und wird immer anfälliger für Preisschocks.

Es wird sich also auszahlen, den Übergang schon jetzt zu beginnen. Und das Gute daran ist: Wir brauchen nicht erst auf technologische Durchbrüche zu warten. Die CO2-arme Wirtschaft kann allein durch die Weiterentwicklung bewährter Technologien erreicht werden, die es bereits heute gibt. Alle Wirtschaftszweige, einschließlich Landwirtschaft, Baugewerbe und Verkehr, müssen zu diesem Übergang beitragen.

Unser Fahrplan beschreibt den kostengünstigsten Weg für die EU in eine CO2-arme Zukunft und steckt damit einen klaren und verlässlichen Rahmen für Unternehmen und Regierungen ab, innerhalb dessen sie ihre Strategien zur Verringerung des CO2-Ausstoßes und ihre langfristigen Investitionen vorbereiten können.

Schwerpunkt auf EU-internen Maßnahmen

Der Europäische Rat hat das Ziel gebilligt, als langfristigen Beitrag Europas zur Vermeidung des gefährlichen Klimawandels die Treibhausgasemissionen der EU bis 2050 um 80-95 % gegenüber 1990 zu reduzieren.

Der Fahrplan zeichnet einen kostengünstigen Weg zur Erreichung dieses Ziels vor und empfiehlt, dass Europa dieses Ziel weitgehend durch EU-interne Maßnahmen erreichen sollte, da bis Mitte des Jahrhunderts für den Ausgleich von EU-Emissionen wesentlich weniger internationale Gutschriften aus Klimaschutzprojekten in Drittländern verfügbar sein werden als heute. Bis 2050 sollte die EU daher allein durch EU-interne Maßnahmen die Emissionen um 80 % gegenüber 1990 reduzieren. Durch die Verwendung von Gutschriften würden dann Emissionsminderungen erreicht, die über 80 % hinausgehen.

Nach den umfassenden ökonomischen Modellrechnungen, die dem Fahrplan zugrunde liegen, müssen die Emissionen bis 2030 um etwa 40 % und bis 2040 um etwa 60 % gegenüber 1990 verringert werden, wenn eine EU-interne Reduzierung von 80 % bis 2050 verwirklicht werden soll. Alle Sektoren werden einen Beitrag leisten müssen. Eine Weiterführung der derzeitigen Maßnahmen wird voraussichtlich zu EU-internen Emissionsminderungen um 30 % bis 2030 und um 40 % bis 2050 führen.

Kraftstoffeinsparungen

Der Aufbau einer CO2-armen EU-Wirtschaft wird in den nächsten 40 Jahren zusätzlich zu den derzeitigen Investitionen von 19 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weitere jährliche Investitionen in Höhe von 1,5 % des EU-BIP (das sind 270 Milliarden Euro) erfordern. Diese Erhöhung wäre eigentlich eine Rückkehr der EU zum Investitionsniveau vor der Wirtschaftskrise. Durch niedrigere Ausgaben für Öl- und Gasimporte werden diese zusätzlichen Investitionen zu einem großen Teil oder gar vollständig wieder zurückgewonnen. Diese Einsparungen werden auf jährlich 175 bis 320 Milliarden Euro geschätzt.

Darüber hinaus haben die Investitionen in einen geringeren CO2-Ausstoß - in saubere Technologien, in Infrastrukturen wie „intelligente“ Stromnetze und in Umweltschutz – vielfältige Vorteile. Kraftstoffausgaben fließen weitgehend in Drittländer, während durch diese Investitionen die Wertschöpfung in der EU erfolgt. Solche Investitionen würden nicht nur die Abhängigkeit der EU von Energieimporten vermindern, so dass die EU weniger anfällig für mögliche Ölpreisschocks wäre, sie würden auch neue Quellen für Wachstum stimulieren, bestehende Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen. Die Luftverschmutzung und die damit verbundenen Kosten im Gesundheitswesen würden ebenfalls reduziert, was bis 2050 zu Einsparungen von insgesamt bis zu 88 Milliarden Euro pro Jahr führen könnte.

Ziel für 2020

Die Analyse zeigt auch, dass der kostengünstigste Weg zum Emissionsminderungsziel für 2050 bis 2020 eine Reduzierung um 25 % (statt dem derzeitigen Ziel von 20 %) erfordert, die ausschließlich durch EU-interne Maßnahmen zu erreichen ist. Der Fahrplan macht deutlich, dass diese interne Emissionssenkung um 25 %1 bis 2020 erreicht werden kann, sofern die EU ihr Ziel einer 20-prozentigen Verbesserung der Energieeffizienz verwirklicht, das die Staats- und Regierungschefs auf ihrem Energiegipfel am 4. Februar erneut bekräftigt haben, und alle Maßnahmen des 2009 verabschiedeten „Klima- und Energiepakets“2 für das Jahr 2020 vollständig durchführt.

Zur Verwirklichung des 20%-Energieeffizienzziels könnte es notwendig sein, einige Emissionszertifikate aus der Gesamtmenge der Zertifikate, die von den Mitgliedstaaten ab 2013 im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems versteigert werden sollen, stillzulegen.

Diese Stilllegung würde schrittweise erfolgen und wird nicht die Emissionsrechte betreffen, welche die Unternehmen bereits besitzen. Ohne eine solche Stilllegung von Zertifikaten würden Energieeinsparungen eines Unternehmens aufgrund der relativ niedrigeren Nachfrage nach Zertifikaten eine Schwächung des Zertifikatpreises bewirken. Dies könnte dazu führen, dass ein anderes Unternehmen mehr produziert, mehr Energie verbraucht und damit mehr CO2 ausstößt.

Unterm Strich würde so nur sehr wenig oder keine Energie eingespart. Wegen der gleichbleibenden EHS-Obergrenze würden außerdem auch keine Nettoemissionssenkungen erreicht. Die Stilllegung von Zertifikaten würde diesem Effekt entgegenwirken und damit zu Energieeinsparungen und Emissionsminderungen beitragen.

Die nächsten Schritte

Der Fahrplan hat die Form einer Mitteilung, die an den Rat, das Europäische Parlament und andere EU-Gremien gerichtet ist. Die Kommission fordert die anderen EU-Organe, die Mitgliedstaaten und Interessenvertreter auf, diesem Fahrplan bei der künftigen Erarbeitung von EU- oder nationalen Strategien zur Verwirklichung der CO2-armen Wirtschaft bis 2050 Rechnung zu tragen. Die Kommission hält es für notwendig, als nächsten Schritt zusammen mit den betreffenden Sektoren sektorspezifische Fahrpläne aufzustellen.

Weitere Informationen: Roadmap for moving to a low-carbon economy in 2050

1 :Für internationale Verhandlungen gilt das Angebot der EU, sich unter den passenden Bedingungen für 2020 ein Reduktionsziel von 30 % zu setzen, weiterhin und wird von dieser Mitteilung nicht berührt.

2 :siehe http://ec.europa.eu/clima/policies/package/index_en.htm


Quelle: EU

© Bild: Pixelio/geralt



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