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Polen stemmt sich gegen künstliche Verteuerung des CO2-Preises (20.04.2012)

Polen wehrt sich mit Händen und Füßen gegen jede politische Maßnahme der EU, die den CO2-Preis im Europäischen Emissionshandelssystems in die Höhe treiben könnte. Aus polnischer Sicht reflektieren die derzeitigen Preisverhältnisse die Fundamentaldaten.

Bei den 2008 festgelegten Zielvorgaben zur Reduktion der Emissionen sei man auf einem guten Weg und das zu einem geringeren Preis als vorgesehen, heißt es in einem Arbeitspapier, in das Dow Jones Einsicht hatte. Die polnische Haltung wird bei dem heutigen Treffen der EU-Umweltminister für Diskussionsstoff sorgen.

Polen, die EU und Deutschland Bild: Pixelio/PfeffiPolen befürchtet, dass Maßnahmen wie die künstliche Verknappung der Zertifikatemenge (Set-aside), ein Mindestpreis oder strengere Reduktionsziele die eigene Energiesicherheit beeinflussen und das Wirtschaftswachtum hemmen könnten. Das Land produziert mehr als 90 Prozent des benötigten Stroms aus Kohle. Ein Wechsel hin zum umweltfreundlicheren Gas brächte Polen jedoch in eine größere Abhängigkeit von Russland, was die Regierung vermeiden will. "Wenn sich Europa erst einmal von der Schuldenkrise erholt hat und wieder wächst, wird auch das EU-ETS sein Gleichgewicht wiederfinden", meinte ein Beamter, der anonym bleiben wollte, zu Dow Jones.

Ein künstliches Anheizen des CO2-Preises untergrabe das im Lissabon Abkommen verankerte Recht Polens, seinen eigenen Energiemix festzulegen. Denn höhere Preise würden das Land dazu zwingen, auf Erdgas umzustellen und seine Importe zu erhöhen. Andere Länder würden von einer Preiserhöhung in der dritten Handelsperiode hingegen profitieren, weil sie so neue Arbeitsplätze schaffen und ihre Rohölimporte verringern könnten. Für Polen würden die Kosten hingegen jeden Gewinn zunichte machen, sagte ein Beamter.

Polen verfügt über große Kohlelager und eine energieintensive Industrielandschaft wie etwa die Metallurgie, die bei einem Preisanstieg die Produktion in die Ukraine oder Russland verlagern könnte. Der aggressivere Einsatz von CO2-armen Technologien würde Polen zwischen 2013 und 2020 jährlich ein Prozent des Bruttosozialproduktes kosten, zitierte der Beamte eine Studie der Weltbank. "Die Klimaschutzpolitik darf nicht auf Kosten des Wachstums gehen", sagte er weiter. Er wies die Behauptung zurück, Polen versuche im Ausstausch gegen Zugeständnisse bei der langfristigen EU-Klimapolitik Finanzmittel für grüne Investitionen im eigenen Energiesektor auszuhandeln. "Sicherheit kann man nicht kompensieren. Die Situation ist für uns so, als würde Frankreich aufgefordert, seinen Atomkraftsektor aufzugeben oder Großbritannien seinen Finanzsektor."


Quelle: djnewsletters.de / Dow Jones TradeNews Emissions / Marynia Kruk, Warschau

© Polen, die EU und Deutschland Bild: Pixelio/Pfeffi



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