"Für die westeuropäische Stahlindustrie wäre die Pflicht zum Kauf der Emissionsrechte eine Katastrophe", sagte der Chef des größten deutschen Stahlkochers ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). Wenn die hiesigen Stahlproduzenten die daraus entstehenden Kosten tragen müssten, könnten sie nicht mehr mit Lieferanten aus Osteuropa, Amerika und Asien konkurrieren.
Am 21. Januar wollen ThyssenKrupp-Chef Schulz und andere Spitzenvertreter der Stahlindustrie Industriekommissar Günter Verheugen darlegen, dass die beabsichtigte Regelung mehr als 300.000 Arbeitsplätze in der Stahlbranche bedrohe. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, hatte im Gespräch mit der "Welt" (Donnerstag) bereits gesagt, dass bei Umsetzung der EU-Pläne allein in Deutschland "mindestens 50.000 Arbeitsplätze" in Gefahr seien.
Bundesregierung schaltet sich ein
Die neue EU-Direktive sieht nach Ablauf der zweiten Handelsphase für Kohlendioxidemissionen Ende 2012 eine restriktive Zertifikatsregelung vor. Demnach müssen Stromerzeuger von 2013 an sämtliche erforderlichen Zertifikate ersteigern. Für das gesamte produzierende Gewerbe, also auch die energieintensiven Branchen wie Stahl oder Chemie, sieht der Entwurf in seiner bisherigen Fassung vom 20. Dezember bis zum Jahr 2020 einen stufenweisen Übergang zur vollständigen Auktionierung vor. Nach Informationen der "FAZ" hat sich die Bundesregierung nun in einem Positionspapier für den Schutz energieintensiver Industrien vor schwerwiegenden Wettbewerbsverzerrungen ausgesprochen.
Die Stahlwerke im Thyssen-Krupp-Konzern emittieren derzeit rund 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. 80 Prozent davon stammen aus den Hochöfen. "Wenn man unterstellt, dass sich bei den vorgesehenen Versteigerungen von Emissionszertifikaten die Kosten für eine Tonne Kohlendioxid langfristig bei 50 Euro einpendeln könnten, dann müsste die Stahlproduktion von Thyssen-Krupp eine zusätzliche Last von einer Milliarde Euro verkraften. Das wäre für uns existenzbedrohend", versicherte Schulz.
Branchenmodell
Stahlpräsident Ameling sprach sich statt eines sektorübergreifenden Emissionshandels für ein Branchenmodell aus, um die Klimaziele der EU-Kommission zu erreichen. Dabei solle ein Mittelwert der Kohlendioxidemissionen aller europäischer Stahlhersteller gebildet werden. "Wer besser ist als der Durchschnitt, darf CO2-Zertifikate verkaufen, wer schlechter ist, muss zukaufen. Das wäre ein Anreiz für die Stahlproduzenten, in umweltschonendere Anlagen zu investieren."
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