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Sondergutachten Umweltrat: Deutschland muss CO2-Emissionen bis 2020 halbieren (30.08.2009)

Berlin - Deutschland muss seine CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber heute halbieren und schon bis 2030 komplett einstellen, heißt es in einem Sondergutachten des Umweltrats WBGU . «Das Ergebnis ist so überraschend wie bestürzend», sagte der Ratsvorsitzende Hans Joachim Schellnhuber.

Bild: Pixelio/telemarcoDie Kohlendioxid-Emissionen der Industriestaaten müssen nach Expertenmeinung viel radikaler sinken als bisher angenommen, wenn die Erderwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius begrenzt bleiben soll. Zu diesem Ergebnis kommen die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen, berichtete «Der Spiegel».

Deutschland müsse demnach seine CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu heute halbieren und schon bis 2030 komplett einstellen, zitiert das Magazin aus einem Sondergutachten des Umweltrats zum Klima-Gipfel von Kopenhagen im Dezember. «Das Ergebnis ist so überraschend wie bestürzend», sagte der Ratsvorsitzende Hans Joachim Schellnhuber. Bisher plant die Bundesregierung deutlich geringere Reduktionen. Die Zwei-Grad-Begrenzung hatten die G8-Staaten im Juli bei ihrem Gipfel im italienischen L'Aquila beschlossen. 

Der frühere Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer (CDU), warnte davor, in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise auf Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verzichten. «Wenn die Klimakrise jetzt nicht gelöst wird, ist sie nicht mehr beherrschbar», sagte der ehemalige Bundesumweltminister der Zeitung «Das Parlament» (Montag). Im Gegensatz zu früher sei es aber heute allgemein anerkannt, dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gebe. «Und inzwischen muss auch jeder nachweisen, was er dagegen tut.»

Der designierte Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, warnte davor, Kohle vorschnell als Energieträger aufzugeben. Niemand habe etwas gegen Investitionen in regenerative Energien: «Aber es wird fast religiös mittlerweile. Man könne nicht per Beschluss und per Gesinnung aus einer Technologie aussteigen, die langfristig aufgestellt sei.

Der energiepolitischen Diskussion in Deutschland warf Vassiliadis verzerrte Sichtweisen vor: «Viele Dinge stimmen auch einfach nicht.» So sei zum Beispiel die Energieeffizienz von Kohleverstromung nicht schlecht, während die Energieeffizienz mancher noch nicht ausgereifter grüner Technologien katastrophal sei. «Mein Ansatz wäre: Lasst uns für einen Zeitraum, den wir absehen können, die Kohleverstromung erstens weiter verfolgen, die Effizienz steigern. Lasst uns überlegen und daran arbeiten, wie wir das CO2-Problem dieses Energieträgers lösen, weil das ist einer, den wir hier haben», sagte er am Samstag im Deutschlandradio Kultur.


Quelle: dpa


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