Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Sie sind hier: Home » Politik » Deutschland
Seite empfehlen

Röttgen zündet nur erste Rakete für Atomausstieg (08.02.2010)

Berlin - Norbert Röttgen (CDU) spreizt die Finger, wägt die Worte, baut Szenarien wie zur Energie- und speziell zur Atomenergie sorgfältig auf. Ausgehend von den Klimazielen entwickelt der 44- jährige Bundesumweltminister üblicherweise seine Energiepolitik: Abbau der so gefährlichen Treibhausgase in Deutschland um 40 Prozent bis 2020 auf der Basis von 1990 und um 80 bis 95 Prozent in 2050. So auch jetzt in Zeitungsinterviews. Überraschend klar werden ließ er jetzt die nach seiner Meinung nur kurze Verlängerungsphase für die Atomkraft. Dazu Fachleute der Koalition auf dpa-Anfrage: «Sie können davon ausgehen, Röttgen weiß, was er sagt und tut.»

Norbert Röttgen Bild: dpaDen ersten Aufschlag machte er im Bonner «General-Anzeiger» (Freitag): «In dem Augenblick, in dem wir 40 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Deutschland haben, gibt es keine Notwendigkeit mehr für Kernenergie.» Als Zielmarke nannte er einen Ökostrom-Anteil im Jahr 2020 von 30 Prozent nach 16 Prozent in 2009. «Die Laufzeit von Kernkraftwerken ist am Ende das Ergebnis von erneuerbaren Energien. Wir haben derzeit einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 16 Prozent, bei der Kernkraft sind es 23 Prozent.» Richtig: 16 plus 23 ergibt fast 40 Prozent.

Fachleute hatten sich den schrittweisen Atomausstieg zwar in etwa so vorgestellt. Bislang hatte die schwarz-gelbe Koalition jedoch gemauert und keinerlei Jahreszahlen genannt, die der Minister jetzt noch einmal in der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag) wiederholte. Die Bundesregierung rudert nun etwas zurück. Nach der Erarbeitung des gesamten Energiekonzepts unter der Federführung von Röttgen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bis in den Sommer hinein und nach Befragung von Fachleuten werde erst im Herbst entschieden, so der Regierungssprecher. Mit Rückendeckung des CDU-Präsidiums stellte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter ihren Vertrauten und «Querdenker».

Auch Merkel hatte vor einiger Zeit eingeräumt, dass die Bürger Akzeptanzprobleme mit der Kernenergie haben, was repräsentative Umfragen über Jahre bestätigten. So jetzt auch Röttgen. Umso besser, wenn die Kernenergie-Brücke «bis ins Zeitalter erneuerbarer Energien» damit nur noch wenige Jahre jenseits des bisher geltenden Schlussjahres 2022 beschritten werden müsste. Diesen Eindruck erweckt Röttgen. Er bleibt hier allerdings unscharf. Würde er sich soliden Zahlen der Ökoenergie-Branche anschließen, die von einem Anteil der Erneuerbaren wie Wind, Sonne und Co. von bereits 47 Prozent in 2020 ausgeht, wäre gar keine Verlängerung der Atommeiler erforderlich.

Hätte sich Röttgen dem laut angeschlossen, hätte er einen lauten Aufschrei des Wirtschaftsflügels der Union und der FDP gehört. So kam es immerhin zu Warnschüssen auch von Seiten der CDU: Fraktionsvize Michael Fuchs hämmerte dagegen, sichere Kernkraftwerke könnten auch 60 Jahre laufen. «Volkswirtschaftlich bedeutet es einen enormen Schaden, gut funktionierende Kernkraftwerke abzuschalten, die weder durch "Vogelschredderanlagen" (Windkraft) noch durch "Subventionsgräber" (Solarzellen) ersetzbar sind.» Klar ist: Fuchs gefällt die ganze Richtung des Umweltministers nicht. Er entwickelt den neuen Energiemix nicht aus dem Koalitionsvertrag, sondern aus der Wirtschaftlichkeit abgeschriebener Atomanlagen für die Konzerne.

Experten der Koalition räumen ein, dass diesem ersten Testlauf von Röttgen in Bälde weitere folgen werden. Und immer in Abstimmung mit der Kanzlerin, auch wenn Ministerinterviews - laut Regierungssprecher Ulrich Wilhelm - üblicherweise nicht mit ihr abgestimmt werden. Weitsichtig hat Röttgen wie die Kanzlerin die nächste Bundestagswahl 2013 und einen alternativen Regierungspartner im Auge: Die Grünen. Deren Fraktionsvize Bärbel Höhn ließ sich jetzt zur Milde hinreißen: «Röttgens neue Nachdenklichkeit in der Atompolitik ist bemerkenswert, vorausgesetzt, es steckt mehr als Wahltaktik dahinter.»


Von Wolfgang Bunse, dpa


Aktuelle Markdaten und Börsenkurse

Climate Change News by Climate Ark

02.09.2010

«Süddeutsche»: Umweltministerium rügt Atomgutachten

UN erwarten erste Geldmittel für Klimaschutz

Klimawandel begünstigt Hurrikan-Entstehung

Koalition will Atomfrage am Sonntag abräumen

Klimawandel: Durchschnittstemperaturen steigen, mehr heiße Tage

Es fehlt ein faires und grünes Handy : Germanwatch fordert mehr Nachhaltigkeit

Ökodesign-Richtlinie: 'Top Runner'-Prinzip ist Leitbild

Autoexperten: Industrie könnte viel klimafreundlichere Pkw bauen

01.09.2010

Mark-E steigt in Windkraftnutzung ein

Studie: Versorger suchen Partner für Smart Energy

Verbände: Erhöhung der Energiesteuer für energieintensive Betriebe ist Fehlentscheidung

Greenpeace setzt Klimaforschung in der Arktis fort

dena: Ausbau europäischer Stromnetze für Erneuerbare Energien dringend notwendig

EIB: First carbon credits from wind farms in Estonia and Lithuania

Umweltminister: Die Zukunft liegt in klimafreundlicher Entwicklung

Längere Laufzeiten bringen keine Vorteile für den Klimaschutz

31.08.2010

Phoenix Solar AG realisiert 2,2 Megawatt Solarpark in der Slowakei

EEX-Transparenzplattform liefert Daten zu kleinen EEG-Anlagen

Russland will erstes JI-Track-2-Verfahren bewilligen lassen

2G Bio-Energietechnik AG erzielt Rekord-Auftragseingang mit KWK-Anlagen

Merkel will schnelle Atom-Entscheidung

Entwicklung von Megastädten lässt Elektroautomarkt einen Gang zulegen

Kraftwerksmesse Power Plant Technology richtet sich neu aus

30.08.2010

Klimaforscher: Wetterextreme werden zunehmen

Regierung uneins über Atomlaufzeiten

Kontrollorgan empfiehlt Klimarat IPCC grundlegende Reform

BDI: Wirtschaft hält Klimaschutzzusagen ein

Merkel: Atom-Gewinnabschöpfung für Ökoenergien

29.08.2010

Gutachter für bis zu 20 Jahre längere AKW-Laufzeiten / Merkel: 10 bis 15 Jahre vernünftig

Röttgen kritisiert Kürzung bei Gebäudesanierung

75-Watt-Glühbirnen werden aus Europa verbannt

27.08.2010

Merkel dringt auf massiven Stromnetzausbau

Atom-Debatte: DIW gegen freiwilligen Beitrag

NABU zu CCS: Bei CO2-Deponierung Mensch und Natur schützen

Die wichtigsten Niedrig-Energie-Szenarien - ein Vergleich

Energiemodelle sind in Ministerien eingetroffen

Schwächelnde BlueNext trennt sich von CEO Serge Harry

Fußabdruck von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos besser als erwartet

Forscher: LED-Lampen lassen Stromverbrauch nicht sinken

26.08.2010

VCD kritisiert Entwurf für Verbrauchskennzeichnung PKW: 'Mogelpackung'

Merkel will Zusatzbelastung für Atomwirtschaft

Gutachten voraussichtlich mit niedrigeren Ökostrom-Zielen

Sarkozy will für G20 eigenständiges Sekretariat und mehr Klimapolitik

Smart Grid, Smart Meter - Smarte Energiekunden?

Energiemanagement von Gebäuden mit Hilfe der Wettervorhersage

Wissenschaftler: Geo-Engineering kann den Anstieg der Meere nicht verhindern

EU-Kommission plant Neuregelung für HFC-23-Minderungsprojekte