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Grün gewinnt Wahl in NRW: KKW-Laufzeiten - wackelt der Ausstieg aus dem Ausstieg? (09.05.2010)

Grünes Traumergebnis in NRW: Auch die Bundespartei jubelt. Sie sieht den Anfang vom Ende der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Gibt es in Düsseldorf jetzt ein rot-grünes Comeback, könnte dies vor allem in der Atompolitik weitreichende Folgen haben.

Berlin  - So fühlt sich Macht an. Claudia Roth kann sich kaum bremsen: «Das ist ein knallgrüner Abend», ruft die Parteichefin im hellgrünen Blazer, als in der Berliner Parteizentrale auf der Großbildleinwand die ersten Zahlen flimmern.

Mit einem zweistelligen Ergebnis hatten sie fest gerechnet. Doch etwa 12,5 Prozent, wie die ersten Hochrechnungen sagen, wären das beste grüne Ergebnis bei einer NRW-Landtagswahl überhaupt.

«Wir haben unser Ergebnis verdoppelt. Das ist sensationell», freut sich Roth zusammen mit den 150 Anhängern in Berlin-Mitte. Und dann legt sie nach. «Es gibt noch eine verdammt gute Nachricht: Schwarz-Gelb ist abgewählt.»

CDU-Kanzlerin Angela Merkel und ihr FDP-Partner Guido Westerwelle sollten sich warm anziehen. Beide hätten die Quittung für die Fehler in der Finanzkrise und die gescheiterte Klimapolitik bekommen, sagt Roth.

Doch noch sitzen die Grünen nicht auf der NRW-Regierungsbank. Die Sozialdemokraten haben Optionen. Es könnte eine große Koalition mit SPD-Wahlsiegerin Hannelore Kraft an der Spitze geben - die Grünen wären außen vor.

Doch damit rechnet bei den Grünen an diesem Abend kaum jemand. Die Gespräche mit der SPD werden jedoch nicht einfach. Viele Grüne haben die Demütigungen durch die Genossen nicht vergessen, die sie in den zehn gemeinsamen Düsseldorfer Jahren einstecken mussten.

Sollte es aber wieder klappen, könnte das Bündnis gerade in der Atomfrage der Bundesregierung das Leben schwer machen. In NRW sitzen die beiden größten deutschen Stromkonzerne Eon und RWE, die mit Atom und Kohle schöne Gewinne einfahren.

Die Grünen-Umweltexpertin Bärbel Höhn macht am Sonntagabend sofort klar, dass man gemeinsam mit der SPD voll auf Öko-Strom setzen will. Für Union und FDP dürfte es deutlich komplizierter werden, gegen das größte Bundesland ein Ja für Atom durchzuboxen.

Die Energiekonzerne sind offensichtlich zum Kampf bereit: Um kurz nach 18.00 Uhr veröffentlichten Eon und RWE fast gleichlautende Pressemitteilungen über den Tausch von Atom-Laufzeiten, damit der RWE-Meiler Biblis der Abschaltung entgehen kann. Das dürften viele Grüne als gezielte Provokation auffassen.


Von Tim Braune, dpa



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