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Akzeptanz-Studie: Bürger sind für Energieeffizienz und Offshore-Windanlagen (05.07.2012)

Stiftung Mercator und Universität Stuttgart legen Studie zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Energietechnologien und klimaverträglichen Energiemixen vor. Demnach favorisieren die Bürger  Offshore-Winenergie, vor allem aber Energieeffizienzmaßnahmen. Das ist um so erstaunlicher, als Experten seit langem beklagen, dass sowohl privaten Haushalten aber Unternehmen Effizienzmaßnahmen selbst dann nicht umsetzen, wenn sie das leicht könnten und stark davon profitieren könnten. 

Wie das Energiesystem in Zukunft in Deutschland gestaltet werden soll, ist noch offen und wird derzeit intensiv diskutiert. Wie sich die Bürger Deutschlands entscheiden würden, wenn sie zwischen den möglichen technologischen Optionen eine Auswahl treffen müssten, zeigt jetzt eine aktuelle Studie: Die befragten Bürger sprechen sich in erster Linie für energieeffiziente Lösungen aus, dicht gefolgt von den Erneuerbaren Energien. Die beliebtesten erneuerbaren Technologien sind Offshore-Windanlagen. Auffallend ist die relativ schlechte Platzierung von Biomassekraftwerken. Das gaben die Stiftung Mercator und die Universität Stuttgart heute in Berlin bekannt.

Grafik: ZIRN/Uni Stuttgart/Stiftung MercatorAuf der Skala der Akzeptanz folgen nach den Erneuerbaren Energien die Gaskraftwerke. Sie führen die Liste der fossilen Kraftwerkstechnologien deutlich an. Die geringste Akzeptanz weisen Kernkraft und die traditionellen Kohlekraftwerke auf.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Energiemixen. Energiemixe mit dem höchsten Anteil an Erneuerbaren werden eindeutig präferiert. Bürger sind dabei aber offenbar zu Kompromissen bereit. Dirk Scheer, Projektleiter an der Universität Stuttgart, fasst dies folgendermaßen zusammen: „Bei einem klar erkennbaren und ambitionierten Umbau des Strommixes in Richtung Erneuerbare Energien waren viele Befragte bereit, als Übergang auch ungeliebte Technologien wie die Kernenergie oder die CCS-Technologie in geringen Anteilen im Energiemix zu akzeptieren.“

„Die Stiftung Mercator setzt sich für die Reduktion des CO2-Ausstoßes in Deutschland ein. Voraussetzung für diese Reduktion ist eine drastische Veränderung von Energienachfrage und Energieerzeugung. Ohne dass die Bevölkerung die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz mitträgt, wird das nicht klappen“, so Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „Umso wichtiger ist es deshalb, vorab zu erforschen, welche Maßnahmen in welcher Kombination bei den Menschen auf Zustimmung und welche auf Ablehnung stoßen und aus welchen Gründen dies erfolgt. Deshalb haben wir dieses Forschungsprojekt gefördert.“ Die Stiftung Mercator hat für die Studie 360.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Studie zeigt über die Frage der Akzeptanz hinaus, wie komplex und vielfältig die Gründe für die jeweilige Einstellung sind. Die Bewertungsdimensionen zu einzelnen Technologien umfassen eine Bandbreite von Argumenten, angefangen bei Vertrauen in Institutionen über volkswirtschaftliche und individuell ökonomische Aspekte sowie Fragen zu Umwelt, Gesundheit und Soziales bis hin zur technischen Machbarkeit, Akzeptanz im unmittelbaren Umfeld und der Einschätzung eines möglichen Schadens. Für Ortwin Renn, Professor an der Universität Stuttgart, „erstrecken sich die Einstellungsmuster dabei auf eine heterogene Mischung von leistungs-, konsum-, natur- und lebensqualitätsbezogenen Werten. Technologieentwickler und Entscheidungsträger müssen diese Bewertungsdimensionen im Blick behalten und Argumente liefern – eine alleinige Fokussierung auf Aspekte der technischen Machbarkeit greift zu kurz.“

Zu Studie und Methodik

Die Studie des Interdisziplinären Forschungsschwerpunktes Risiko und nachhaltige Technikentwicklung an der Universität Stuttgart (ZIRN) unter der Leitung von Ortwin Renn und Dirk Scheer erforschte die gesellschaftliche Akzeptanz klimaverträglicher Energiemixe. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde untersucht, wie verschiedene Energietechnologien und deren Kombinationen im direkten Vergleich ihrer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wahrgenommen und bewertet werden. Die Teilnehmer der Studie wurden zunächst umfassend über die einzelnen Stromtechnologien informiert und tauschten sich dann in kleinen Diskussionsrunden über ihre Präferenzen und Einstellungen aus. Die Methode erlaubt zwar keine repräsentativen Ergebnisse, hat aber den Vorteil, dass Bewertungs- und Begründungszusammenhänge in einer großen Breite und Tiefe erfasst werden können. Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung für energiepolitische Entscheidungsprozesse im Hinblick auf die Kommunikation, technische Ausgestaltung und Einführungsdynamik CO2-reduzierender Maßnahmen im Stromsektor.

Im Rahmen von fünfzehn deutschlandweit durchgeführten Fokusgruppen, an denen 130 Bürger teilnahmen, wurden Präferenzen, Einstellungen sowie Bedenken und Befürchtungen zu einzelnen Technologieoptionen im Stromsektor im Kontext vergleichbarer Alternativen erhoben und ausgewertet. Zum einen wurden zwölf Stromerzeugungstechnologien bewertet, darunter Kohle- und Gaskraftwerke inklusive der CO2-armen Technologieoption Carbon Capture & Storage (CCS), die Atomenergie sowie das Portfolio der Erneuerbaren Energien. Zum anderen wurden von den Bürgern sieben zukünftige klimaverträgliche Energiemixe bewertet, die unterschiedliche klimaschutzstrategische Schwerpunkte (fossil, nuklear, erneuerbar) aufwiesen.

Eine Zusammenfassung der Studie "Gesellschaftliche Akzeptanz klimaverträglicher Energiemixe und Energietechnologien als vierseitigen PDF-Download erhalten sie auf stiftung-mercator.de


Quelle: Stiftung Mercator / zü

© Grafik: ZIRN/Uni Stuttgart/Stiftung Mercator



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