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Sierra Club: Ölpest bringt Amerikanern saubere Energie näher (21.06.2010)

Washington - Wird Amerika durch die schwere Ölpest umweltbewusster und eher bereit für den Umstieg auf saubere Energien? David Willett, Sprecher des Sierra Club - mit 1,3 Millionen Mitgliedern größte und älteste Umweltschutzorganisation der USA - meint vorsichtig: ja.

Wird die Ölpest im Golf von Mexiko Auswirkungen auf das Umweltbewusstsein der Amerikaner haben?
Willett: «Wir beobachten eine Veränderung. Aber wir wissen auch um die Geschichte. Nach früheren Ölkatastrophen - wie nach der Havarie der Exxon Valdez 1989 - gab es eine unmittelbare Reaktion, aber mit der Zeit hat Amerika vergessen. Am Ende hat der unersättliche Hunger nach Öl gesiegt. Das haben wir noch deutlich im Gedächtnis. Es gibt jetzt viele Umfragen, die weniger Unterstützung für die Ölförderung im Meer zeigen. Sie zeigen aber keine dramatische Verringerung.»

ölverschmutztes Wasser im Golf von Mexiko Quelle: dpaWie umweltbewusst sind die Amerikaner im internationalen Vergleich?
Willett: «Die Amerikaner achten schon sehr auf die Umwelt. Aber Öffentlichkeit und Politik sind entkoppelt. Wenn man die Amerikaner fragt, ob sie grüne Energien und eine saubere Umwelt wollen, sagen sie «ja». Aber der politische Wille ist nicht da. Die Amerikaner erwarten, dass sich die Politik darum kümmert. Aber die Politiker stehen unter dem Druck etablierter Industrien, die etwa ihren Wahlkampf finanzieren.

Es gibt in den USA den Wunsch nach einer sauberen Umwelt, aber es gibt auch den Gegendruck der Industrie. Die mächtigste Lobby hat dabei wahrscheinlich die Kohle. Als voriges Jahr das Repräsentantenhaus seinen Entwurf eines Energiegesetzes verabschiedete, bekam die Kohleindustrie den größten Ausgleich zugesprochen. Öl bekommt viel, aber nicht so viel wie Kohle. Die Kohle ist der größte Gegner einer Wende zu sauberen Energien.»

Wird die Ölpest die Verabschiedung von Präsident Barack Obamas Energie- und Klimagesetz vorantreiben, das derzeit im Senat festhängt?
Willett: «Es ist sehr wahrscheinlich, dass es ein Gesetz geben wird. Was darin stehen wird, muss man sehen. Wenn weiter Öl aus dem Bohrloch strömt, wird sich der Druck auf den Kongress erhöhen. Im Fernsehen wird dann auf einer Bildschirmhälfte zu sehen sein, wie der Kongress debattiert, auf der anderen, wie weiter das Öl herausschießt. Die Amerikaner verstehen den Zusammenhang zwischen der Ölpest und der Notwendigkeit, sich sauberen Energien zuzuwenden.»


Interview: Frank Brandmaier, dpa


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