Der neunte Umweltkontrollbericht stellt der Umweltsituation in Österreich insgesamt ein gutes Zeugnis aus. In den letzten Jahren zeigen sich unter anderem beim Einsatz erneuerbarer Energien, bei der Gewässerreinhaltung, in der Abfallwirtschaft oder im Biolandbau positive Entwicklungen, waren sich Umweltminister Niki Berlakovich und Georg Rebernig, Umweltbundesamt-Geschäftsführer, bei der Pressekonferenz am 30.06.2010 einig.
Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte orten sie insbesondere die weitere Reduktion der Schadstoffbelastung, die Erhaltung der Artenvielfalt und Klimaschutz als die zentralen umweltpolitischen Herausforderungen.
Alle drei Jahre fokussiert das Umweltbundesamt im Umweltkontrollbericht auf die wichtigsten Herausforderungen in den Umweltthemen. Kernstück des Berichts sind Empfehlungen an EntscheidungsträgerInnen in Österreich. Im Zentrum stehen die Veränderungen zum letzten Umweltkontrollbericht, umweltpolitische Zielsetzungen und deren Erreichung.
Herausforderung Klimaschutz
„Klimaschutz ist und bleibt eine Herausforderung. Ziel ist die mittlere globale Erwärmung auf 2°C einzudämmen, dafür müssen wir Perspektiven entwickeln, wie der Weg in eine kohlenstofffreie Gesellschaft gestaltet werden kann“, erklärt Georg Rebernig, Geschäftsführer Umweltbundesamt. „Parallel dazu müssen wir beginnen, uns an geänderte klimatische Bedingungen anzupassen.“
Wichtige Faktoren für die kontinuierliche Reduktion der Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren waren der Einsatz erneuerbarer Energieträger wie Biokraftstoffe im Verkehrssektor und Energie-Effizienzmaßnahmen. Um die Kyoto-Ziele zu erreichen, werden kurzfristig wirksame Maßnahmen wie fiskalische Maßnahmen im Verkehr und die Nutzung zusätzlicher flexibler Mechanismen einzusetzen sein. Für 2020 gilt es laut Umweltkontrollbericht die vorgeschlagenen Maßnahmen aus der Energiestrategie konsequent und rasch umzusetzen.
„Klimaschutz und Energieversorgung gehen dabei Hand in Hand“, so Umweltminister Berlakovich. „Mit dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen profitiert jede und jeder Einzelne durch weniger Treibhausgase und Kosten, aber mehr Energieunabhängigkeit, Wertschöpfung und Wirtschaftsbelebung sowie green jobs. Klimaschutz ist das beste Konjunkturprogramm, das wir derzeit haben, diese Chance müssen wir nutzen. Die Einigung zum Klimaschutzgesetz brachte darüber hinaus einen historischen Durchbruch für den Klimaschutz in Österreich. Damit gibt es jetzt auch mehr Verbindlichkeit mit den Bundesländern, um unsere Klima- und Energieziele zu erreichen“, betonte Umweltminister Niki Berlakovich.
Lebensraum und Nutzung
Insgesamt 27 % des Bundesgebiets sind naturschutzrechtlich geschützt, 16 % davon als Nationalpark, Natura 2000-Gebiet oder Naturschutzgebiet. Positiv für die Biodiversität sind Entwicklungen in der Land- und Forstwirtschaft: der Anteil der biologisch bewirtschafteten Fläche und der laubholzreichen Mischbestände ist in den letzten Jahren gestiegen. Durch die Nutzung der Gewässer hingegen ist der ökologische Zustand von über 60 % des Gewässernetzes beeinträchtigt. Insgesamt ist die Erhaltung der Artenvielfalt in Österreich trotz vielseitiger Arten- und Biotopschutzmaßnahmen, Agrarumweltmaßnahmen und der Einrichtung von Schutzgebieten nicht gesichert.
Weiterer Druck resultiert aus Siedlungs- und Raumstrukturen: täglich werden 11 Hektar für Bau- und Verkehrsflächen verbraucht, 5 Hektar davon versiegelt. „Für die Erhaltung der Vielfalt ist Raum notwendig und nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte, in der Land- und Forstwirtschaft genauso wie in der Wasserwirtschaft und in der Raumplanung“, empfiehlt Georg Rebernig.
Umweltminister Niki Berlakovich setzt sich mit seiner Kampagne ‚vielfaltleben’ massiv für den Erhalt der Artenvielfalt in Österreich ein: „Mit gezielten Maßnahmen und Aktivitäten im Rahmen von ‚vielfaltleben’ werden wir bis Ende 2010 den Lebensraum für über 100 bedrohte Tiere und Pflanzen nachhaltig verbessern. Wir müssen unser Naturerbe wie Kulturgüter schützen. Artenvielfalt sichert unser Überleben und ist ein unverzichtbarer Teil für den Erhalt unserer Lebensqualität, dieses Bewusstsein muss weit über das heurige Internationale Jahr der Artenvielfalt hinaus wirken“, appellierte Umweltminister Niki Berlakovich.
Schadstoffe: Positive Entwicklungen und Handlungsbedarf
Positive Entwicklungen zeigt der Umweltkontrollbericht bei der Schadstoffbelastung: Die Wasserqualität der österreichischen Gewässer ist ausgezeichnet. Hohe Sammel- und Verwertungsquoten insbesondere bei gefährlichen Abfällen stellen sicher, dass Schadstoffe nicht in die Umwelt gelangen.
Handlungsbedarf hingegen gibt es bei bestimmten Luftschadstoffen: Die Grenzwerte für Feinstaub waren in den letzten Jahren an vielen Messstellen überschritten. Um die festgelegte Emissionshöchstmenge für 2010 zu erreichen und die Belastungssituation zu entspannen, ist eine deutliche Reduktion der Stickoxidemissionen erforderlich.
Umweltminister Niki Berlakovich unterstreicht: „Mit einer konsequenten Umweltpolitik ist es uns gelungen, die Schadstoffbelastung in der Luft deutlich zu reduzieren. Schwefeldioxid oder Blei etwa sind in Österreich kein Thema mehr. Die kürzlich erzielte Einigung mit den Bundesländern zum Immissionsschutzgesetz-Luft ist ein umweltpolitischer Meilenstein und bringt eine weitere, nachhaltige Verbesserung der Luftqualität in belasteten Gebieten. Sie ist ein wichtiger Schritt für die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger und schafft zusätzlich den Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie“, so der Minister abschließend.
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