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Österreichs CO2-Emissionen gewachsen - Umweltminister fordert neues Denken (18.01.2012)

Niki Berlakovich Bild: BMLFUW / KernDie Ergebnisse der aktuellen Treibhausgas-Inventur des Umweltbundesamts zeigen im Jahr 2010 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Grund wird in einem Anstieg des Wirtschaftswachstums gesehen. Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich hält diese Bilanz für inakzeptabel und fordert entschlossenes Handeln: "Wir brauchen ein CO2-Sparpaket mit dem Klimaschutzgesetz als Basis." 

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 84,6 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente emittiert. Gegenüber 2009 ist eine Erhöhung um 4,9 Mio. Tonnen. Unter Berücksichtigung der flexiblen Mechanismen sowie der Neubewaldung und Entwaldung ergibt sich damit für das dritte Jahr der Verpflichtungsperiode eine Abweichung von 6,2 Mio. Tonnen zum Kyoto-Ziel.

Berlakovich: Schluss mit der Verzögerungstaktik

"Seit 2005 herrschte der positive Trend, dass wir die Treibhausgasemissionen reduzieren konnten, 2010 war der Gegenwind europaweit in Form des Wirtschaftswachstums (aus der Krise heraus) und des erhöhten Heizbedarfs stärker als sonst. Die Werte sind wieder gestiegen. Die Antwort kann nicht sein, das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt zu hemmen, Ökologie und Ökonomie müssen vielmehr Hand in Hand gehen. Wir brauchen ein neues Denken und müssen Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen entkoppeln, etwa mit Hilfe von Energieeffizienz- und -sparmaßnahmen. Wir müssen auch noch mehr green jobs schaffen und den Weg in Richtung der Energieautarkie Österreichs konsequent verfolgen. Dort setze ich einen wesentlichen Schwerpunkt meiner Arbeit. Wir brauchen Klimaschutz und Arbeitsplätze gleichermaßen", betont Umweltminister Nikolaus Berlakovich, der Programme zur thermischen Sanierung, in den Bereichen Photovoltaik, Erneuerbare Energien, E-Mobilität und im Radverkehr als Beispiele nannte.

"Weg mit den Scheuklappen, wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen: Die Treibhausgasbilanz 2010 ist inakzeptabel und macht deutlicht, dass wir nicht nur im finanziellen Bereich ein Sparpaket brauchen sondern auch unbedingt ein CO2-Sparpaket! Dafür haben wir mit dem Beschluss des Klimaschutzgesetzes im Vorjahr die richtige Basis geschaffen, da alle Sektoren verbindliche Ziele zugeordnet bekommen. In einem gemeinsamen Kraftakt müssen wir jetzt dringend ein effektives Paket schnüren und für 2013 bis 2020 konkrete CO2-Reduktionsziele (für 2012 gibt es sie bereits) festlegen. Unsere Arbeitsgruppen, in denen Bund und Länder sitzen, leisten harte Arbeit und müssen für die einzelnen Sektoren konkrete Maßnahmenbündel zusammenstellen. Jetzt sind erstmals alle Bereiche verpflichtet, Schluss mit allen Ausreden und der Verzögerungstaktik", unterstreicht der Umweltminister.

Rebernig: Daten spiegeln Wirtschaftswachstum und kalte Witterung wider

„2010 sehen wir wieder einen Anstieg bei den Treibhausgasemissionen, das Emissionsniveau von 2008 wird aber nicht erreicht. In den aktuellen Daten spiegelt sich insbesondere die steigende Produktion durch das Wirtschaftswachstum und ihre Auswirkung auf Strom- und Verkehrsnachfrage nach dem Ausnahmejahr 2009 wider. Ein zusätzlicher Faktor, der für höhere Emissionen sorgt, ist der kalte Witterung im Jahr 2010,“ zieht Georg Rebernig, Umweltbundesamt-Geschäftsführer, Bilanz. „Zählt man die offenen Verpflichtungen aus den Jahren 2008 bis 2010 zusammen, ergeben sich insgesamt ca. 18,1 Mio Tonnen, die am Ende der Verpflichtungsperiode noch eingelöst werden müssen.“

Die Bilanz im Detail:

Industrie und Energieaufbringung
Die steigende Produktion im Jahr 2010 spiegelt sich in der Treibhausgasbilanz des Sektors Industrie mit einem deutlichen Zuwachs (+ 1,8 Mio Tonnen) von 2009 auf 2010 wider. Der Sektor Industrie ist im Jahr 2010 mit ca. 24,7 Mio Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten der größte Emittent an Treibhausgasen in Österreich.

Im Sektor Energieaufbringung wurde 2010 im Vergleich zu 2009 ca. 1,4 Mio Tonnen Treibhausgase mehr emittiert; in Summe ca. 14,3 Mio Tonnen. Die Inlandsstromnachfrage ist 2010 wieder deutlich gestiegen, der Energieverbrauch ist 2010 auf Höchstniveau, allerdings kann durch den forcierten Einsatz erneuerbarer Energieträger der Anstieg der Treibhausgasemissionen gedämpft werden.

Seit 2005 unterliegt ein Großteil der Anlagen dieser beiden Sektoren dem EU-Emissionshandel; der Beitrag der Emissionshandelsbetriebe zur Kyoto-Zielerreichung wird nicht mehr durch die aktuelle Emissionsentwicklung bestimmt, sondern ist durch den für 2008 bis 2012 relevanten Nationalen Zuteilungsplan festgelegt.

Verkehr
Der Sektor Verkehr ist mit ca. 22,5 Mio Tonnen im Jahr 2010 der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen in Österreich. Mit einem Plus von 60 % wird in diesem Sektor die mit Abstand höchste Zuwachsrate seit 1990 verzeichnet. Im Vergleich zu 2009 sind die Emissionen im Verkehrssektor 2010 um 0,6 Mio Tonnen höher. In diesem Sektor sorgt die steigende Produktion für eine verstärkte Nachfrage nach Gütertransportleistung auf der Straße. Aber auch hier sind die THG-Emissionen in den letzten Jahren weniger stark gestiegen als die Verkehrsleistung. So konnten etwa durch den Einsatz von Biokraftstoffen im Jahr 2010 1,7 Mio Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente eingespart werden.

Raumwärme
Auf den Sektor Raumwärme entfallen 2010 ca. 11,4 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen. Der verstärkte Einsatz von Fernwärme und Erneuerbaren Energieträgern sowie die bessere thermische Qualität der Gebäude führten in den letzten Jahren zu Emissionsminderungen in diesem Sektor. Die kalte Witterung 2010 sorgt allerdings in diesem Sektor für einen deutlichen Anstieg der Emissionen im Vergleich zu 2009.

Abfallwirtschaft, Landwirtschaft, F-Gase
Die THG-Emissionen aus den Sektoren Abfallwirtschaft (ca. 1,8 Mio Tonnen) und Landwirtschaft (ca. 7,4 Mio Tonnen) sind im Vergleich zu 2009 gesunken. Produktionsbedingt werden 2010 wieder mehr F-Gase (ca. 1,6 Mio Tonnen) emittiert. Insgesamt verursachen diese drei Sektoren 2010 weniger als 11 Mio. Tonnen der österreichischen Treibhausgasemissionen.


Quelle: Lebensministerium / zü



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