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Schweiz: Treibhausgasausstoß 2008 angestiegen (20.04.2010)

Bild: Pixelio/wrwBern - Die Schweiz hat 2008 1,6 Millionen Tonnen mehr Treibhausgase ausgestoßen als im Vorjahr. Der Ausstoß ist unter anderem wegen des kalten Winters und dem Tanktourismus auf insgesamt 53,2 Millionen Tonnen angestiegen und liegt damit 0,5 Prozent über dem Wert von 1990. Dies zeigt das neuste Treibhausgasinventar der Schweiz, welches am 15. April 2010 an die UNO übermittelt wurde.

Das Treibhausgasinventar ist das wichtigste Element, um zu überprüfen, ob die Schweiz ihre Vorgaben zur Verminderung des Treibhausgasausstosses gemäss Kyoto-Protokoll erreichen kann. Die Schweiz hat sich darin verpflichtet, zwischen 2008 und 2012 den Ausstoss der wichtigsten Treibhausgase gegenüber 1990 um 8 Prozent zu senken. Massgebend ist der Mittelwert über die fünfjährige Periode.

Mit dem Treibhausgasinventar des Jahres 2008 liegen nun die Daten für das erste der fünf Verpflichtungsjahre vor. Der Treibhausgasausstoss betrug 2008 53,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente und lag damit 0,5 Prozent über dem Wert von 1990 oder 4,6 Mio. Tonnen über dem Zielwert des Kyoto-Protokolls von 48,6 Mio. Tonnen.

Diese Entwicklung hatte sich bereits letztes Jahr abgezeichnet. Deshalb wurde die CO2-Abgabe auf Brennstoffen gemäss Vorgabe des Parlaments auf 1. Januar 2010 von 12 Franken auf 36 Franken pro Tonne CO2 erhöht. Zudem hatte das Parlament im Sommer 2009 entschieden, einen Teil dieser CO2-Abgabe in ein Programm für klimafreundliche Gebäude zu investieren.

Die Gründe für den Anstieg im Jahr 2008

Wie der Vergleich der Treibhausgasemissionen zwischen den Jahren 2008 und 2007 zeigt, ist der Ausstoss aus Brennstoffen um 4 Prozent angestiegen. Er ist auf die kühlen Temperaturen der Wintermonate im Jahr 2008 zurückzuführen. Die Treibstoffemissionen (Benzin und Diesel) haben im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent zugenommen. Gründe dafür dürften in erster Linie der im 2008 noch starke Euro gewesen sein, der den Tanktourismus in die Schweiz deutlich verstärkt hat. Für einen Teil der Zunahme dürfte auch die damals noch gute Konjunktur und damit einhergehend die grössere Transportleistung verantwortlich sein.

Leicht zugenommen haben auch die Emissionen aus der Landwirtschaft. Dies ist ein Abbild der in den letzten Jahren wieder leicht angestiegenen Rindviehbestände. Zwischen 1990 und 2004 waren diese um fast 17 Prozent zurückgegangen. Leicht zugenommen haben auch die Emissionen aus dem Abfallsektor, nachdem diese im Vorjahr noch zurückgegangen waren.

Treibhausgasinventar als Gradmesser für Kyoto-Protokoll

Nebst dem Ausstoss von Treibhausgasen kann in der internationalen Klimabuchhaltung gemäss Kyoto-Protokoll auch die Senkenleistung des Waldes (2008: 0.8 Mio. t) und der Zukauf von ausländischen Emissionszertifikate, letzteres bis spätestens zur definitiven Abrechnung 2015 (ca. 2.2 Mio. t) berücksichtigt werden. Gemäss dieser Rechnung liegt der massgebende Emissionswert 2008 noch 1,6 Mio. Tonnen (3 %) über der Kyoto-Vorgabe für die Jahre 2008-2012. In den 4 Jahren 2009-2012 müssen deshalb die Emissionen zurückgehen, damit die Schweiz ihr Ziel erreichen kann. Aus folgenden Gründen ist dies zu erwarten:

- Am 1. Januar 2010 ist die CO2-Abgabe auf Brennstoffen angehoben worden, weil die Brennstoff-Emissionen 2008 über der in der CO2-Verordnung festgelegten Schwelle lagen. Der erhöhte Preis wird den Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Energien beschleunigen und den Verbrauch der fossilen Energien senken.
- Anfang 2010 wurde das Gebäudeprogramm gestartet, das während 10 Jahren insgesamt 2 Milliarden Franken in den Gebäudepark leitet, um den fossilen Energieverbrauch und somit die CO2-Emissionen im Gebäudesektor zu reduzieren.
- Die Temperaturen der Wintermonate waren im Jahr 2009 wieder deutlich höher als im Jahr 2008. Sie lagen in etwa wieder bei den Werten des Jahres 2007. Der Brennstoffverbrauch dürfte 2009 deshalb tiefer liegen als 2008.
- Der Euro ist stark gesunken, was das Betanken in der Schweiz weniger attraktiv macht.
- Die Wirtschaftskrise wird 2009 zu einer Reduktion des Energieverbrauchs und damit der CO2-Emissionen führen.

Die im Dezember 2009 publizierte Schätzung des BAFU (s. Medienmitteilung vom 14.12.2009), wonach das Kyoto-Ziel knapp erreicht werden kann, ist nach wie vor aktuell. Die Zunahme der CO2-Emissionen wegen der kühlen Temperaturen im 2008 wurde bereits in der damaligen Schätzung berücksichtigt. Die Beurteilung der Kyoto-Zielerreichung wird im Spätsommer 2010 aufdatiert, wenn die energetischen CO2-Emissionen des Jahres 2009 vorliegen und der Effekt der Wirtschaftskrise auf die Emissionen besser abgeschätzt werden kann.


Quelle: BAFU Bundesamt für Umwelt



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