Zum Abschluss eines dreitägigen Vorbereitungstreffens auf die große UN-Klimakonferenz im Dezember sagte der Potsdamer Physiker Hans Joachim Schellnhuber am Donnerstag: «Es finden sich einfach keine Entwarnungslampen mehr. Die Botschaft der Wissenschaft ist so eindeutig, dass es für die Politik keine Ausrede mehr gibt.»
Aus den Ergebnissen des Treffens mit 2000 Wissenschaftlern soll bis Juni ein 30-Seiten-Papier über den aktuellen Stand der Klimaforschung erstellt werden - als Entscheidungsgrundlage für die Politiker auf der UN- Klimakonferenz.
Zuvor hatten Fachwissenschaftler erklärt, dass der Meeresspiegel global bis zum Jahr 2050 um einen Meter oder mehr ansteigen könnte. Dies bedeutet eine Verdoppelung der vor zwei Jahren vom UN-Klimarat geschätzten Anhebung. Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagte weiter, er sehe trotz der Wirtschaftskrise eine breit gewachsene Bereitschaft in der Politik zum Handeln: «Der ganze Skeptikerkram ist weg.»
Der britische Ökonom Lord Nicholas Stern erklärte, sein 2006 mit düsteren Prognosen weltweit beachteter Klimawandel-Report habe sich durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse noch als «zu optimistisch» erwiesen. Man müsse jetzt der Welt «nicht nur die Folgen von zwei Grad Erwärmung erklären, sondern laut und deutlich sagen, was fünf Grad bedeuten». Zu den Folgen würden unter anderem mehr als eine Milliarde Klimaflüchtlinge gehören. Dennoch sei er mit Blick auf die Kopenhagener UN-Klimakonferenz im Dezember optimistischer als vor zwei Jahren: «Die Wissenschaftler arbeiten gut, nachhaltige Technologien entwickeln sich rasant, und wir bekommen immer mehr Selbstverpflichtungen von Staaten.»

