In der Atmosphäre tut sich was
Klimaänderungen sind erdgeschichtlich gesehen eigentlich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich an den heutigen Vorgängen ist aber, dass sie mit natürlichen Ursachen allein nicht erklärbar sind und mit einer geradezu beispiellosen Geschwindigkeit ablaufen.
So lassen sich z. B. in unserer Atmosphäre deutliche Veränderungen bei den Konzentrationswerten so genannter Treibhausgase feststellen. Treibhausgase sind verantwortlich für den Treibhauseffekt, der die globale Jahresmitteltemperatur natürlicherweise auf etwa 14 °C hält und Leben auf der Erde, wie wir es kennen, erst möglich macht. Neben Wasserdampf (60 %) sind vor allem Kohlendioxid/ CO2 (20 %) sowie Methan und Lachgas von Bedeutung. Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (1750) zeigen sich dabei markante Unterschiede:
- Die Konzentration von CO2 ist um 37 % gestiegen und liegt heute mit 385 ppm so hoch wie noch nie in den letzten 800 000 Jahren.
- Die Methan-Konzentration in der Atmosphäre ist um 156% gestiegen, ebenfalls beispiellos im oben genannten Zeitraum.
- Die Lachgas-Konzentration ist um 19 % gestiegen und so hoch wie seit 1 000 Jahren nicht mehr (siehe Abbildung Treibhausgase in der Atmmosphäre).
Es wird wärmer
Dass ein Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen den Treibhauseffekt verstärkt, ist heute unter Wissenschaftlern weitgehend unbestritten. Die weltweiten Beobachtungen und Messungen scheinen dies zu belegen:
- Die globale Jahresmitteltemperatur (gemessen an der Erdoberfläche) ist zwischen 1906 und 2005 um 0,74 °C gestiegen, in den letzten Jahren immer schneller. Sie liegt heute so hoch wie seit 500, wahrscheinlich sogar seit 1 300 Jahren nicht mehr. Auch in den Ozeanen ist eine Temperaturerhöhung feststellbar.
- Die Gebirgsgletscher ziehen sich fast überall zurück, z. T. in dramatischem Ausmaß und mit hoher Geschwindigkeit. Gleiches gilt für die Permafrostböden.
- Die vom Meereis bedeckte Fläche in der Arktis schrumpft.
- Der Meeresspiegel steigt an, seit 1993 allein um 3 mm jährlich.
- In der nördlichen Hemisphäre hat sich der Frühjahrsbeginn immer weiter nach vorne verschoben.
Welche Rolle spielt der Mensch?
Nachdem bereits in den 1970er und -80er Jahren weltweite Messdaten eine Erhöhung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre gezeigt hatten, gründeten die Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) und das Umweltprogramm der UN (UNEP) 1988 den IPCC – den zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimawandel der Vereinten Nationen. Er dokumentiert laufend den aktuellen Wissensstand auf dem Gebiet der Klima- sowie Klimafolgenforschung und gibt in Abständen von 5 bis 6 Jahren umfassende Berichte heraus.
Der letzte IPCC-Bericht von 2007 lässt keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel stattfindet und v. a. durch den Menschen verursacht wird: Seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen, die den natürlichen Treibhauseffekt verstärken und so zu einem Anstieg der Jahresmitteltemperaturen führen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem anthropogenen oder zusätzlichen Treibhauseffekt.
Der Klimawandel legt zu
In seinem Bericht hat der IPCC, ausgehend von verschiedenen Szenarien, die zukünftige Entwicklung des Weltklimas projiziert.
Im günstigsten Fall wird dabei bis 2100 (Bezugswert ist der Mittelwert 1980-99) mit einer weiteren Zunahme der Jahresmitteltemperatur um 1,8 °C gerechnet, im ungünstigsten Fall um 4°C (siehe Abbildung Klimaszenarien). Regional können die Werte allerdings stark differieren.
Neben der Temperaturzunahme werden auch Änderungen in der Niederschlagsverteilung, eine Häufung von Wetterextremen und ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels erwartet. Befürchtet werden u. a. auch ein beschleunigtes Aussterben von Tier- und Pflanzenarten und die Ausbreitung von Krankheitserregern.
Eine kritische Grenze
Niemand kann mit letzter Sicherheit sagen, wie genau sich eine weitere Erwärmung auf einzelne Länder, Ökosysteme oder das Gesamtsystem Erde auswirken wird – und welche Veränderungen möglicherweise irreversibel sein werden. Als maximal tolerierbare Erwärmung bis 2100 gegenüber vorin dus triellem Niveau hat sich in Wissenschaft und Politik in den letzten Jahren ein Wert von 2°C herauskristallisiert. Dieser Wert ist aus der Schwankungsbreite und -geschwindigkeit vergangener Klimaänderungen abgeleitet und be rücksichtigt die für die Weltgemeinschaft gerade noch tragbaren Anpassungskosten.
Weiter so?
Die Industrieländer der Erde, die bis heute am meisten zur Erhöhung der Treibhausgas-Konzentrationen beigetragen haben, werden voraussichtlich weniger stark vom Klimawandel betroffen sein als viele ärmere Staaten – oder sogar Vorteile daraus ziehen können. Diese unterschiedlichen Interessenlagen und Verantwortlichkeiten machen ein gemeinsames Handeln der Weltgemeinschaft nicht einfach, wie die mühsamen Verhand lungen bei Klimakonferenzen deutlich zeigen. Der Klimawandel ist mehrfach als größte Herausforderung unserer Zeit bezeichnet worden. Zweifellos gibt es noch zahlreiche andere Probleme. Viele dieser Probleme, wie wirtschaftliches Ungleichgewicht, Armut oder die Ausbreitung von Krankheiten, werden aber durch den Klimawandel verschärft – oder auch gemildert, wenn es gelingt, staatenübergreifend Lösungen zu finden.
Als Reaktion auf den Klimawandel schlagen Wissenschaftler unter dem Motto „Das Unvermeidbare beherrschen und das Unbeherrschbare vermeiden“ eine Doppelstrategie vor: Zum einen gilt es, sich an die unausweichlichen Folgen des Klimawandels anzupassen. Zum anderen sollen die Emissionen von Treibhausgasen so reduziert werden, dass sich der Klimawandel verlangsamt, seine Folgen abgemildert werden und Zeit für die nötige Anpassung bleibt.

