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Dramatische Wasserknappheit in Südostasien (18.03.2010)

Bangkok/Singapur - Der Wasserstand des Mekong, eines der längsten Flüsse der Welt, ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

ausgetrocknetes Flussbett Bild:Pixelio/ooripperooDer Fluss ist eine wichtige Mobilitätsader Südostasiens, doch von Februar an musste der Schiffsverkehr stellenweise eingestellt werden. Von Südchina bis zu den Philippinen, von Vietnam bis Singapur hat es in der trockeneren Jahreszeit, in der jeder Tropfen zählt, so wenig geregnet wie seit langem nicht. Die Monsun-Saison ist noch mindestens zwei Monate hin. Und nun warnen Experten auch noch, dass der ersehnte Regen wegen des Wetterphänomens «El Niño» wahrscheinlich später kommt als sonst. Viele Länder müssen bereits Wasser rationieren.

Der mehr als 4300 Kilometer lange Mekong ist Lebenslinie für 60 Millionen Menschen. Er fließt vom Hochplateau Tibets durch China, Birma, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam ins Südchinesische Meer. Die Millionen Menschen entlang der Ufer sind auf das Wasser für ihre Felder und das Fischen angewiesen.

Ob der Klimawandel für die Dürre verantwortlich ist, weiß niemand. «Die Kälteperiode in Südchina hat länger gedauert als sonst, deshalb ist die Eisschmelze, die den Mekong mit Wasser füllt, verzögert», sagt Smith Dharmasaroja, Direktor der Stiftung für Katastrophenwarnung in Thailand. Er schließt nicht aus, dass China das Problem mit seinen Stauseen am oberen Mekong verschärft. China weist das zurück. «Die Veränderung des Wasserpegels auf dem Mekong hat nichts mit unseren Aktivitäten zu tun», sagt Diplomat Chen Dehai in Bangkok. Die Staudämme würden nur zur Stromerzeugung genutzt, das Wasser werde nicht zur Bewässerung der Felder abgezogen.

Tatsache ist, dass China im Südwesten selbst die schlimmste Dürre seit 60 Jahren erlebt. Millionen Menschen leiden unter Wassermangel, vier Millionen Hektar Anbaufläche können nicht mehr ausreichend bewässert werden, berichtete die Staatspresse. In Yunnan fließe der Mekong nur mit halber Kraft, verglichen mit Februar und März in anderen Jahren. Die wilden Elefanten an der Grenze zu Birma seien auf ihrer Suche nach Wasser in die Wälder geflüchtet.

Dutzende Hektar Wald sind in China schon verbrannt. Vietnams Waldschutzbehörde schätzt, dass in diesem Jahr mit 1600 Hektar schon mehr Wald abgebrannt ist als in den vergangenen beiden Jahren zusammen. «So eine lange Trockenperiode ist ungewöhnlich», sagt der Sprecher der Waldschutzbehörde, Do Thanh Hai. «Die Trockenheit und hohen Temperaturen kommen auch noch zu einer Zeit, in der Bauern ohnehin Felder abbrennen, um sie für die nächste Saison vorzubereiten - ein zusätzliches Waldbrandrisiko.» Auch im Norden von Laos und Thailand brennt es, die Rauchschwaden reichen bis Chiang Mai.

Im Januar war der Wasserpegel am Roten Fluss in Hanoi so tief wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. In Vientiane, der Hauptstadt von Laos direkt am Mekong, wird das Trinkwasser knapp. Die bei Touristen beliebte Flusskreuzfahrt nach Luang Prabang musste gestrichen werden. In Nordmalaysia steht das Wasser in den Stauseen alarmierend niedrig. Die Reisbauern rechnen mit erheblichen Ernteausfällen, weil sie die Pflanzen nicht genügend wässern können.

In Singapur fielen im Februar 6,3 Millimeter Regen, so wenig wie
nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 140 Jahren. Die Philippinen fürchten mehr als 100 Millionen Dollar Verluste, weil Vieh verendet und Felder verdörren. In der südlichen Region von Mindanao fällt der Strom aus, weil die Wasserkraftwerke nicht mehr mit voller Kraft arbeiten können.

«Es gibt die Theorie, das in den letzten Monaten mehr Feuchtigkeit in der Äquatorzone war, was bedeuten würde, dass die weiter nördlich gelegenen Zonen weniger Regen bekamen», sagt Anond Snidvongsa, Direktor des START-Umweltzentrums für Südostasien in Bangkok. Warum dem so ist, weiß man nicht. «El Niño» dürfte die Probleme der Region noch verschlimmern. Das Wetterphänomen taucht alle paar Jahre auf und führt zu einer Wassererwärmung im Pazifik. Das beeinflusst das Wetter weltweit. «Es wird weniger Regen geben, nicht nur in Thailand, sondern auch in Indonesien und Australien», sagt Smith.


Quelle: dpa


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