«Dieser heiße Sommer passt zum Klimawandel, ist aber kein Beweis», betonte Müller-Westermeier. Die gegenwärtige heiße Wetterlage beruhe unter anderem auf einer Strömung in fünf bis sieben Kilometern Höhe, die mal kalte Luft vom Norden und mal warme vom Süden nach Deutschland bringe. «Die Strömung ist derzeit relativ stabil, wie lange sie noch anhält, weiß man aber nicht», erläuterte der Klimatologe.
Aufgrund der Datenverzögerung lasse sich nicht sagen, ob es derzeit global wärmer ist als gewöhnlich. «Insgesamt tauschen sich die Extreme aber meist aus», sagte der Forscher auch mit Blick auf die Ozeanflächen. Die globale Luftzirkulation liege aber oft so, dass die US-Ostküste und Europa ähnliche Wetterextreme hätten.
«Schon der Juni war bei uns und weltweit zu warm, und momentan haben wir es fünf Grad zu warm für Juli», erläuterte der Klimatologe. Wenn es so weitergeht, werde die Temperatur knapp an den Rekordjuli 2006 heranreichen - damals verbanden sich Wetter und Fußball-WM zum Sommermärchen in Deutschland.
Bei weiterem Ausstoß der Treibhausgase könnten die Sommertemperaturen in Deutschland bis Ende des Jahrhunderts im Schnitt um mehr als drei Grad steigen. «Das wäre ungefähr die Differenz zwischen Frankfurt und Mailand. Wir hätten dann in etwa so ein Wetter wie in Norditalien», erläuterte der Forscher. Aber die Temperatur sei nicht alles, wichtiger seien die veränderten Niederschläge.
Es werde vor allem im Winterhalbjahr mehr regnen und im Sommer weniger. Die Tendenz im Winter sei schon messbar. «Wenn es im Sommer wärmer wird und die Pflanzen mehr Wasser brauchen, wird es kritisch bei der Versorgung.» Dann sei Speicherung nötig, wie es auch in südlichen Ländern üblich sei, «dass man im Winter Niederschlag sammelt, damit man im Sommer etwas hat», sagte Müller-Westermeier. «Insgesamt haben wir mit dem Wasser wahrscheinlich eher Probleme als bei der Temperatur.»

