Normalerweise sei es in der Mitte des antarktischen Winters etwa 20 Grad Celsius wärmer als jetzt. Der Kälterekord sei aber keine Erscheinung des Klimawandels, sondern ein regionales Wetterphänomen. Seit dem Bau der ersten Neumayer-Station des AWI vor 29 Jahren wurden nur zehnmal ähnlich niedrige Temperaturen in der Antarktis gemessen.
«Erstmals sind wir jetzt unter die -50-Grad-Grenze gerutscht,» so König-Langlo. Der Kälterekord ist Ergebnis einer besonderen Wetterlage. «Ursache war das anhaltend wolkenfreie und windarme Wetter, das in der Region sehr selten ist», so König-Langlo. Unmittelbar über der Eis- und Schneedecke bildet sich dann extrem kalte Luft, während die Temperaturen nur 100 Meter darüber um 20 Grad höher sind: «Da reicht eine Windböe aus, um das Phänomen zu beenden.» Ähnlich wie die Hitze in Norddeutschland erschwert die Kälte in der Antarktis das Arbeiten erheblich. «Motoren lassen sich dann kaum noch betreiben», so König-Langlo.
Allerdings ist die deutsche Neumayer-Station an der Küste der Antarktis noch verhältnismäßig gut dran. Der Kältepol der Erde wird seit rund 30 Jahren an der russischen Antarktis-Station Vostock gemessen. Im Landesinneren auf 3000 Metern Höhe fallen die Temperaturen bis etwa -90 Grad Celsius.

