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Tut Deutschland genug zur Anpassung an den Klimawandel? (12.01.2012)

Bild: Pixelio/PixelmasterXDie Ergebnisse der letzten großen internationalen Klimakonferenz, die im Dezember im südafrikanischen Durban stattfand, haben unter Beobachtern ein geteiltes Echo ausgelöst. Die Denkfabrik Deutsche Bank Research etwa kommt zu dem Schluss, dass es nun immer unwahrscheinlicher werde, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Dadurch würden Anpassungsstrategien noch wichtiger.

Experten sagen, beides – eine deutliche Minderung der CO2-Emissionen und die Anpassung an den Klimawandel – sei nötig. Doch tun Politik und Wirtschaft in Deutschland genug, damit sie die erwarteten Folgen der Erderwärmung nicht überrumpeln?

„Deutsche Unternehmen wählen ihre Standorte heute selten unter dem Gesichtspunkt Klimawandel aus“, sagt Max Schön, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Vorstand der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz. Dabei müssten sie sich zunehmend die Frage stellen, wie das Umfeld ihres Produktionsstandortes etwa 2040 aussehe, wenn der Klimawandel durch veränderte Wasserstände oder häufigere Extremwetterereignisse einen größeren Einfluss auf den Geschäftsalltag haben könnte als es bisher der Fall war.

Es gäbe Ausnahmen, sagt Schön, einzelne Firmen, die schon schlechte Erfahrungen mit Wetterextremen gemacht hätten wie ein großes deutsches Bauunternehmen, dessen thailändischer Bau von der jüngsten Jahrhundertflut überschwemmt wurde. „Da überlegt das Management jetzt genau, wie Standorte künftig beschaffen sein müssen.“ Insgesamt sei die Sensibilität deutscher Unternehmen für den Klimawandel aber noch zu gering und somit auch deren Aufmerksamkeit für Anpassungsstrategien. Gerade börsennotierte Unternehmen täten sich schwer, sie seien von Quartalsergebnissen getrieben. „Da bleibt oft wenig Raum für Investitionen, die sich vielleicht erst in zwanzig oder dreißig Jahren anfangen auszuzahlen.“

In langfristigerer Vorsorge übt sich die Bundesregierung. Sie hat vor drei Jahren eine nationale Anpassungsstrategie an den Klimawandel verabschiedet und diese 2011 mit einem Aktionsplan unterlegt. Im Umweltbundesamt (UBA) unterhält sie außerdem ein „Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung“, kurz KomPass. Mit ihrer Anpassungsstrategie, sagt Harry Lehmann, Leiter des Fachbereichs Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien im UBA, wolle die Bundesregierung, „die Verletzlichkeit von Natur, Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels vermindern und deren Anpassungsfähigkeit erhalten und steigern“. Sie ziele unter anderem darauf, Infrastrukturen widerstandsfähiger zu machen, technische Regeln zur Anlagensicherheit oder klimagerechte Planungsleitsätze für Städte einzuführen.

Erste deutsche Kommunen rüsten sich gegen Extremwetterereignisse. Einige von ihnen hat das UBA im Dezember als Anpassungspioniere ausgezeichnet, darunter die Stadt Arnsberg. Starkregen hatten dort im Sommer 2007 mehrere Ortsteile überflutet, worauf die Stadt mit einem neuen Hochwasserschutzkonzept reagiert hat. „Bei einem erneuten Starkregen im Jahr 2010 konnten dadurch größere Schäden verhindert werden“, sagt UBA-Experte Lehmann. In Wuppertal, wo das Stadtbild durch große Gefälle und steile Straßen geprägt ist, wurde ein Computermodell des Stadtgebiets entwickelt, mit dem der Abfluss lokalen Starkregens simuliert werden kann. Damit, so Lehmann, könne die Kommune gefährdete Gebiete jetzt identifizieren und besser schützen.

Und die Bürgerinnen und Bürger? Wissen sie, dass extreme Wetterlagen in Deutschland zunehmen können und Anpassung nottut? Max Schön glaubt das nicht. Im Küstenland Schleswig-Holstein etwa, das direkt von Sturmfluten bedroht ist, habe eine an Haushalte verteilte Broschüre der Landesregierung zum Selbstschutz (Sturmflut – wat geiht mi dat an?) kaum zu umfassenden Verhaltensänderungen oder gar Baumaßnahmen bei den Haushalten geführt. Ursula Weiß vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz in Bonn glaubt, dass das Thema Anpassung für viele Menschen noch zu weit weg ist. Die Anpassung sei auch eher ein ordnungspolitisches Thema. „Wer Vorsorge vor Ort will, sollte sich dafür im Gemeinderat oder in einer Bürgerinitiative engagieren.“

UBA-Experte Lehmann sieht Nachbesserungsbedarf auf übergeordneten politischen Ebenen. Die Anpassungsstrategie des Bundes, sagt er, sei zwar ein wichtiger Meilenstein. Das Wissen um die Folgen der Erderwärmung sei in Deutschland vorhanden. „Bei regionalen Entscheidungsprozessen wird es aber noch nicht ausreichend berücksichtigt.“ Ratsmitglied Schön sieht das ähnlich und sagt, die Bundesregierung sollte sich deswegen stärker für den Transfer von Klimawissen einsetzen. „Sie muss viel deutlicher sagen, was los ist und Öffentlichkeit und Wirtschaft dazu animieren, zwanzig Jahre in die Zukunft zu denken.“ Gleichzeitig müsse sie national und international auf ehrgeizige CO2-Minderungsziele drängen. Einen Aufschub im Klimaschutz, sagt Lehmann, könne die Welt sich nicht leisten. „Ohne substantielle Reduktion der Treibhausgase wird es nicht gehen.“

Weiterführende Informationen und Links finden Sie unter nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung


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