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Klimaziel britischer Regierungsbehörden – Vorbild für Deutschland? (24.06.2010)

Großbritannien Bild: wikipedia_vaughan_leiberum_CCRegierungsbehörden in Großbritannien sollen nach dem Willen des neuen britischen Premierministers David Cameron ihren CO2-Ausstoß binnen eines Jahres um durchschnittlich zehn Prozent senken. Diese Vorgabe machte der Vorsitzende der britischen Konservativen wenige Tage nach seinem Amtsantritt als Premier Mitte Mai. Er wolle die „grünste Regierung aller Zeiten“ stellen, sagte Cameron, und erwarte dafür „richtigen Einsatz“.
Über Fortschritte sollen neben einem Regierungsgremium auch die Bürgerinnen und Bürger wachen, weswegen die Ministerien den Stromverbrauch ihrer Hauptquartiere künftig in Echtzeit im Internet veröffentlichen sollen. Von der britischen Nachhaltigkeitskommission gab es für diesen „exzellenten ersten Schritt“ viel Lob. Taugt er zum Vorbild für Deutschland? Umweltschützer sind skeptisch.

Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse bei der Nichtregierungsorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) in Berlin, misst dem britischen Vorstoß nur begrenzte Vorbildqualität zu. Zwar befürwortet er, dass Regierungen mit gutem Beispiel voran gehen und sich für ihren eigenen Geschäftsbereich CO2-Ziele setzen. Ankündigungen wie die Camerons seien jedoch nur von Nutzen, wenn sie in ein Gesamtpaket eingebunden würden, das auch Unternehmen und Haushalten Ziele und Umsetzungspläne vorgebe. Andernfalls, sagt Rosenkranz, entstehe „schnell der Verdacht der Ersatzhandlung“. Der promovierte Werkstoffwissenschaftler und Diplom-Ingenieur lobt in diesem Kontext die Pläne der hessischen Landesregierung, die ihre gesamte Verwaltung bis zum Jahr 2030 auf CO2-Neutralität trimmen will. Die Landesregierung, sagt Rosenkranz, habe einen Wettbewerb unter den Landesbehörden angestoßen, von dem das Klima profitieren könne.

Die neuen britischen CO2-Vorgaben hält Rosenkranz dagegen für bescheiden: „Ein Minus von zehn Prozent ist schon durch Senken der Raumtemperatur um zwei Grad machbar“, sagt er. Das bestätigt der Energieberater Detlef Broghammer vom Fachverband Deutsches Energieberater-Netzwerk DEN aus Frankfurt am Main. Ambitioniert an der britischen Zielvorgabe, sagt der Verfahrenstechniker, sei zwar der Zeitraum, in dem sie umgesetzt werden solle. Dauerhafter Erfolg erfordere jedoch ein Energiekonzept für jedes einzelne Gebäude. Und für die Entwicklung solcher Konzepte sei ein Jahr Zeit „sehr knapp bemessen“.

Auch Klaus Müschen, Abteilungsleiter Klimaschutz und Energie beim Dessauer Umweltbundesamt, sagt, „nennenswerte CO2-Einsparungen“ setzten umfassende energetische Gebäudesanierungen voraus. Solche bräuchten „ausreichend Vorlauf für die sachgerechte Planung und Durchführung“. Kurzfristige Aktionen, so Müschen mit Blick auf die britischen Pläne, seien zwar „medial wirkungsvoll, aber dem Klimaschutz nur dann zuträglich, wenn sie in kontinuierliches Handeln mündeten. Der UBA-Experte bezweifelt zudem, dass die von der Regierung Cameron geplante Veröffentlichung des aktuellen Energieverbrauchs der Ministerien der Öffentlichkeit wirklich von Nutzen sein kann. Durch Verbrauchsschwankungen, die regelmäßig auftreten, würden für sie mehr Fragen aufgeworfen als geklärt, so Müschen.

Die deutsche Bundesregierung sieht der UBA-Experte demgegenüber insgesamt gut aufgestellt beim Klimaschutz in den eigenen Reihen. So habe sie sich bereits vor zehn Jahren dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen in ihrem Geschäftsbereich zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Seit 2007 habe sie außerdem fast eine halbe Milliarde Euro für die Sanierung von Bundesgebäuden bereitgestellt und die Absicht, diese Investitionen zu verstetigen. „Weitere Verpflichtungen erscheinen deswegen zunächst nicht erforderlich“, sagt Müschen. Er verweist auf das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, das Ende des Jahres über Wirkungen der deutschen Selbstverpflichtungen berichten will.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung



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