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Junge Geschäftsideen für lohnenden Klimaschutz (16.08.2010)

Mit guten Ideen lässt sich im Kampf gegen den Klimawandel Geld verdienen. Davon sind die Teilnehmer der ersten «Climate-KIC summer school» überzeugt. Einige Dutzend junge Unternehmer aus ganz Europa feierten am vergangenen Freitag (13.08.10)  den erfolgreichen Abschluss eines neuartigen sechswöchigenLehrgangs. Dieser hatte zum Ziel, Hochschulabsolventen darin anzuleiten, innovative Lösungen im Klimaschutz zu entwickeln, die zudem wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig sind.

Anstrengend seien die letzten sechs Wochen gewesen, so der allgemeine Konsens, unter den 46 Teilnehmern der ersten «Climate-KIC summer school» . Von Müdigkeit ist an diesem Donnerstag im studentischen Veranstaltungsraum «StuZ²» im ETH-Chemiegebäude aber trotzdem nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die KIC-Teilnehmer scheinen eher ungeduldig: Endlich wollen sie ihre Geschäftsideen vor den Kollegen und der Jury präsentieren.

KIC Opuni Bild: ETH Zürich / Philippe Hublerlinks: Stephen C. Opuni präsentiert die Geschäftsidee von «DeCo!». Dank biologischer Düngung sollen die CO2-Emissionen in seinem Heimatland Ghana gesenkt werden. (Bild: Philippe Hubler / ETH Zürich)

Sechs Wochen lang hatten sich die Studierenden aus 17 Ländern mit Fragen rund um den Klimawandel beschäftigt.

Zu Beginn waren sie in Paris, wo ihnen Klimawissenschaftler des Paristech in ihren Labors die neusten Klimamodelle präsentierten: «Wir konnten selber mit den Modellen experementieren und ausprobieren wie diese funktionieren. Besser kann man sich nicht in die Klimaproblematik einarbeiten», sagt Erkka Ryyänen aus Finnland.

KIC Cloud Farm Bild: ETH Zürich / Philippe Hubler

rechts: Das Gewinnerteam «Cloud Farm» will die Abwärme von Rechenzentren zum Heizen von Gewächshäusern nutzen. 80‘000 Tonnen CO2 könnten dadurch nach eigenen Berechnungen während fünf Jahren eingespart werden. (Bild: Philippe Hubler / ETH Zürich) 

Nach zwei Wochen reisten die Teilnehmer weiter nach London, wo die ökonomischen Fragen des Klimawandels im Zentrum standen. Die Informationen dazu kamen aus erster Hand: Nicholas Stern, der berühmte Verfasser des Stern-Reports, gab den Teilnehmern eine private Vorlesung. Die vergangenen zwei Wochen verbrachten die Studierenden in Zürich, wo vor allem die Finanzierung von eigenen Geschäftsideen diskutiert wurde. «Es war eine sehr intensive Zeit», erzählt Ryyänen. «Wir haben zum Teil zwölf Stunden pro Tag an unseren Themen gearbeitet und dabei auch enorm viel voneinander gelernt.»

Ideen-Feuerwerk gegen CO2

Im «StuZ²» stellen die Studierenden am vergangenen Donnerstag ihre Geschäftsideen vor, die sie in Gruppen von vier bis sechs Teilnehmern während der letzten drei Wochen ausgearbeitet hatten. Es folgt ein dreistündiges Feuerwerk an Ideen, die alle helfen sollen CO2-Emissionen zu vermindern, die hauptsächlich für den Klimawandel verantwortlich sind. Ein Beispiel ist eine neue Technologie, die Kuhkot zur Elektrizitäts- und Treibstoffproduktion nutzt. Oder elektrisch betriebene Scooter für Zürich, die an Stationen überall in der Stadt ausgeliehen und wieder zurückgegeben werden können. 22 Millionen Euro will «Electric Feel» nach eigenen Berechnungen damit alleine in Zürich pro Jahr umsetzen; dafür könnten die hohen anfänglichen Investitionskosten für die Infrastruktur den Jungunternehmern zum Verhängnis werden.

KIC Liang/Ryyänen Bild: Philippe Hubler / ETH ZürichLinks: Yuelin Liang aus China und Erkka Ryyänen aus Finnland spinnen die Geschäftsidee des Gewinnerprojekts «Cloud Farm» in der Pause weiter. (Bild: Philippe Hubler / ETH Zürich) 

Eine weniger kostenintensive Geschäftsidee verfolgt die Gruppe «DeCo!». Sie will Bauern in Ghana helfen, Chemiedünger für den Ackerbau zu einem Grossteil durch Bio-Dünger zu ersetzen. Damit würden klimaschädliche Methan- und Stickoxid-Emissionen verhindert und gleichzeitig die Erträge der Bauern verbessert, erklärt das Team. «DeCo!» ist auch ein Beispiel dafür, wie sich Geschäftsideen und die neun Gruppen während der Summer School selbständig bildeten: Christoph Schmitz, ein Agrarökonomie-Student aus Deutschland, war vor einiger Zeit selber für ein Projekt in Ghana. Er präsentierte die Idee des Biodüngers vor dem Plenum und der Zufall wollte es, dass ein anderer Student, Stephen C. Opuni, aus Ghana stammt. Neben seinem Know-how in Forstwirtschaft, weiss er auch bestens über Kultur und Verhältnisse vor Ort Bescheid. Hinzu gesellten sich eine Chemikerin, ein Umweltwissenschaftler und eine Klimaingenieurin. «Das Projekt ist in den letzten drei Wochen derart gereift, dass wir «DeCo!» wirklich realisieren wollen», erzählt Katja Halbritter, Masterstudentin an der ETH Zürich. Mit 25‘000 Euro Startkapital für einen ersten Versuchsacker und ein wenig Manpower, ist die Hürde dafür relativ tief.
Gewächshäuser mit Rechenzentren koppeln

Die Studierenden präsentieren ihre Geschäftsideen so überzeugend, dass man kaum an ihrer Umsetzung zweifelt. Die Teams hatten sich umfassend mit Verantwortlichkeiten, noch zu besetzende Vakanzen, Marketing und Finanzierung beschäftigt. Trotzdem spart die siebenköpfige Jury aus Hochschul- und Wirtschaftsvertretern nicht mit kritischen Fragen: Wurden die Overhead-Kosten in die Erfolgsrechung mit einbezogen? Und wem genau gehören die Rechte für die neuartige Technologie, die man gross rausbringen will?

Am Ende gefällt der Jury das Projekt «Cloud Farm» am besten. Die fünfköpfige Gruppe will Abwärme aus Rechenzentren zum Heizen von Gewächshäusern nutzen. Grosse Datenzentren mit hunderten von Computerservern brauchen mittlerweile soviel Strom, wie ein ganzes Dorf; nicht nur für die Rechenleistung selbst, sondern auch zum Herunterkühlen der Server. Da die weltweit nachgefragte Rechenleistung stetig zunimmt und damit auch die produzierte Abwärme, erkannten die Studierenden in der Nutzung dieses «Abfallprodukts» einen wachsenden Markt. 80‘000 Tonnen CO2 könnten durch den reduzierten Energieverbrauch auf Seiten der Gewächshäuser über die nächsten fünf Jahre eingespart werden, hat die Gruppe berechnet. Laut Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich und Mitglied der Jury, hat das Projekt unter anderem wegen dem hohen Potenzial für CO2-Reduktionen gewonnen. Weitere Kriterien der Jury waren die Vollständigkeit des präsentierten Businessplans und die Präsentation selbst. Die Wahl sei enorm schwierig gewesen, so Gruber: «Wir staunten über die Qualität der Präsentationen. Alle Gruppen hatten sich intensiv mit ihrem Thema beschäftigt und man merkte, dass die Studierenden mit vollem Herzblut dabei waren.» Für Gruber gehören insofern alle Teams zu den Gewinnern; auch wenn sie am Ende nicht, wie «Cloud Farm», noch mit einem symbolisches Geschenk ausgezeichnet wurden.
Climate-KIC

Climate-KIC ist eine Initiative des European Institute of Innovation and Technology (EIT). Sie fördert durch Partnerschaften von Industrie, Hochschulen und öffentlichen Stellen Innovationen, die helfen den Klimawandel zu verhindern. Die Initiative wurde im Dezember 2009 gestartet. Auf der akademischen Seite gehören neben der ETH Zürich und dem Imperial College London, ein Konsortium in Paris unter Federführung des IPSL und der ParisTech zusammen mit CEA, ein Konsortium im Raum Berlin unter Leitung des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und der TU Berlin, sowie ein holländisches Konsortium bestehend aus der Universität von Utrecht, der Technischen Hochschule Delft, und der Universität von Wageningen an. Die Summer School fand dieses Jahr zum ersten Mal statt. Bewerben konnten sich alle Bachelor- und Masterstudenten, die an einer europäischen Hochschule eingeschrieben waren.


Quelle: ETH Zürich / PIK Potsdam



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