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Überraschung bei Conergy: Designierter Chef Zitzewitz geht (19.08.2010)

Hamburg - Der designierte Chef des Solarunternehmens Conergy, Andreas von Zitzewitz, verlässt völlig überraschend den Vorstand. Der 50 Jahre alte frühere Infineon-Manager und der Aufsichtsrat hätten sich auf eine sofortige Beendigung der Zusammenarbeit verständigt, teilte die im TecDax notierte Firma am Donnerstag mit.

In der offiziellen Mitteilung hieß es, dass sich beide Seiten im Einvernehmen trennten. Zu den genauen Gründen machte Conergy keine Angaben, in Firmenkreisen war die Rede von unüberbrückbaren Differenzen mit dem Kontrollgremium. Die Aktie verlor nach Bekanntwerden der Nachricht deutlich.

Andreas von Zitzewitz Bild: dpaZitzewitz galt seit mehr als einem Jahr als Kronprinz bei Conergy. Er war im März 2008 zu Conergy gekommen und Anfang 2009 in den Vorstand aufgerückt. Zitzewitz sollte ursprünglich bereits im Juli dieses Jahres den Vorsitz der Gesellschaft vom scheidenden früheren Tchibo-Chef Dieter Ammer übernehmen. Da sich Refinanzierungsverhandlungen mit Banken länger als geplant hinzogen, bat der Aufsichtsrat Ammer jedoch um eine Verlängerung von drei Monaten.

Zitzewitz und das Kontrollgremium sollen sich überworfen haben, als der Manager vor wenigen Wochen plötzlich für den Aufsichtsrat unerfüllbare Forderungen gestellt habe, wie dpa-AFX aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen erfuhr. So habe er etwa sein künftiges Vorstandsteam allein ohne Mitspracherecht des Aufsichtsrates zusammenstellen wollen. Die Forderung hätten zum Teil auch den Prinzipien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) widersprochen.

Conergy war für Zitzewitz eine zweite Chance. Der gebürtige Stuttgarter war als leitender Manager in den Schmiergeldskandal beim Chiphersteller Infineon vor mehr als fünf Jahren verwickelt. Vor Gericht gestand Zitzewitz, Bestechungsgelder angenommen zu haben, und akzeptierte Ende 2006 einen Strafbefehl über ein Jahr Haft auf Bewährung sowie die Zahlung von 100 000 Euro.

Für Conergy kommt die Trennung und die damit verbundene neuerliche Unruhe zur Unzeit. Gerade schien das Unternehmen, das 2007 nur knapp der Pleite entkommen war und seitdem immer wieder um die Existenz kämpfte, wieder in sicheres Fahrwasser gekommen zu sein. Ammer hatte das Ruder bei Conergy in der höchsten Not vor fast drei Jahren übernommen und einen harten Restrukturierungskurs eingeleitet.


Quelle: dpa



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