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Wuppertal Institut glaubt an Jugendrevolte für Umweltschutz vor 2052 (08.05.2012)

Bild: Pixelio/Christian PohlWuppertal/Rotterdam - Der Report «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome hatte in seiner Kernaussage über die Endlichkeit der Rohstoffe zwar recht. Viele Entwicklungen - wie die nach 1972 entdeckten Rohstoffmengen - sah er jedoch nicht voraus.

Auch der neue Report «2052» beachte einige Themen zu wenig, sagte der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Prof. Uwe Schneidewind, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Insbesondere fließe der Meinungsumschwung der Jugend nicht genügend ein.

Wo sehen Sie Hauptunterschiede zwischen dem Report «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome von 1972 und dem neuen Report «2052»?

Schneidewind: «Die möglichen Grenzen des Wachstums spielten 1972 noch keinerlei Rolle in der Gesellschaft. Bestimmend war das Gefühl, mit technologischer und planerischer Kompetenz kann die Menschheit alles bewältigen. Und da war das Buch ein gewaltiger Weckruf, der deutlich machte, eventuell geht es nicht so linear weiter. Der Report "2052" hat bei weitem nicht mehr diese Weckruffunktion. Vieles ist bekannt.»

Welche Vorhersagen des Berichts «Die Grenzen des Wachstums» sind eingetroffen, welche nicht?

Schneidewind: «Die Fokussierung auf Rohstoffe war ökonomisch viel zu naiv gedacht. Seit einigen Jahren wissen wir sehr deutlich: Die eigentlichen Begrenzungen sind die Aufnahmefähigkeiten in der Atmosphäre, die Artenvielfalt und andere Faktoren. Die Studie 1972 hat gezeigt, es gibt die Grenzen des Wachstums, hat dies aber am falschen Gegenstand, den Rohstoffen, illustriert.»

Übersieht der Report «2052» vielleicht auch etwas?

Schneidewind: «Das Klimaproblem werden wir auch 2052 noch haben. Aber einige Faktoren hat auch der Report "2052" völlig unterschätzt, wie die Bewegung von unten - den erheblichen Wertewechsel der gerade stattfindet vom rein ökonomischen zum nachhaltigen Denken. Diese Variablen wurden zwar erwähnt, aber nicht in die Rechenmodelle aufgenommen. Die Jugend wird es sich nicht mehr gefallen lassen, dass eine so enge ökonomische Logik wie bislang das Handeln unserer Regierungen weiter bestimmt. Wir werden erstaunt sein, welche Kraft das entfalten kann, ähnlich wie wir überrascht waren von der nordafrikanischen Demokratiebewegung, die keiner vorausgesagt hat.»

Warum glauben Sie, dass die Jugend ein Umdenken herbeiführt?

Schneidewind: «Die Eliten der jungen Generation wachsen mit einer Selbstverständlichkeit global auf. Ein engagierter 20-Jähriger hat die ganze Welt gesehen, hat internationale Freunde auf Facebook und lebt das Gefühl "ich bin ein Teil dieses blauen Planeten" sehr viel intensiver als ältere Menschen. Das Umdenken wird natürlich erst in kleineren, besonders privilegierten Gruppen passieren, aber die sind letztlich tonangebend.»

Wird es eine Revolution für Nachhaltigkeit geben wie die für Demokratie 1848 oder einen gesellschaftlichen Umschwung wie 1968?

Schneidewind: «Ich glaube, dass eine grundsätzlich neue Wertorientierung greifen kann. Vielleicht ist es dann eher mit 1968 und den Folgejahren zu vergleichen, dass man sich eben befreit aus der verkrusteten Verengung des Denkens, nur den eigenen nationalen Wohlstand im Zentrum zu haben. Und so, wie wir erschreckt vor dem engen Wertekanon unserer Großeltern in den 1950er und 1960er Jahren stehen, wäre die Hoffnung, dass die Jugend in 20 Jahren zurückschaut und sich dann fragt: "Wie eng haben denn damals unsere Großväter Wirtschaftspolitik und nationale Politik betrieben?"»

Gibt es schon Wirtschaftsmodelle, die Umweltschäden einberechnen?

Schneidewind: «Ja, aber es ist noch nicht der Mut da, ein alternatives Wohlstandsmaß als einen Leitindikator zu etablieren. Es gibt zum Beispiel bereits den Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI), der in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern ermittelt wurde. Da sieht man, wie Bundesländer, die vermeintlich ökonomisch gar nicht so erfolgreich waren, sehr viel höheren Wohlstand erzeugt haben als andere. Wenn man so einen Indikator als Leitbild der Landes- und Bundespolitik machen könnte, würde das die Umorientierung erheblich erleichtern. Ich hoffe, dass da der Report "2052" etwas bewirkt.»


Interview: Simone Humml, dpa

© Bild: Pixelio/Christian Pohl



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