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Der Herd als Prestigeobjekt - Vernetztes Haus bleibt Vision (29.08.2012)

Berlin - Vorbei ist die Zeit, in der Herde, Waschmaschinen oder Geschirrspüler nur nützliche Haushaltshilfen waren. Mit edlen Fassaden, buntem Licht oder einfach nur elegantem Design sind sie längst Objekte der Begierde. «Das sind Prestigeobjekte, die man gerne auch den Gästen vorführt», sagt Siemens-Hausgeräte-Geschäftsführer Roland Hagenbucher.

Energiesparen allein verkauft sich nicht mehr. Geräte müssen jetzt «grün und sexy» sein, meinen die Hausgerätehersteller auf der Elektronikmesse IFA. Sie setzten auf Design und Effizienz.

Bild: KlimAktiv / ZügelZum Trocknen braucht der Geschirrspüler bald überhaupt keinen Strom mehr. Induktionskochfeldern ist egal, wo der Topf steht. Und die «partyfähige Spülmaschine» benötigt mit blauer Innenraumbeleuchtung gerade 20 Minuten Spülzeit. «Da kann ihnen beim Feiern nur noch der Wein ausgehen, an Gläsern mangelt es nie», kommentiert Hagenbucher.

Je mehr Wohnzimmer und Küche in den Wohnungen zusammenwachsen, desto salonfähiger müssen auch die Hausgeräte sein. Abgesehen vom Äußeren ist bei der «Weißen Ware» auf der IFA diesmal aber wenig bahnbrechend neu. Für den nächsten großen Schritt - den zum «vernetzten Haus» - scheint es vielen großen Herstellern wie Bosch, Siemens und Miele noch zu früh.

«Wir wissen nicht, ob das für die Kunden überhaupt schon Relevanz hat», sagt Miele-Vertriebsleiter Christian Gerwens. Auch Hagenbucher muss zugeben: «Die vernetzte Welt ist noch Zukunftsmusik.»

Dennoch geraten die Hersteller schon einmal ins Schwärmen: Ein sprechender Kühlschrank soll verraten, ob alle Zutaten fürs Fitness-Frühstück da sind. Von unterwegs kann sich Mami versichern, dass die Kinder die Milchschnitte nicht aufgegessen haben - weil sie ein Foto ihres Kühlschrankinneren geschickt bekommt. Rezeptvorschläge macht das Gerät auch gleich. Die Vision: Hausgeräte sollen mitdenken und sich von überall per Smartphone steuern lassen.

Die Hersteller stehen in den Starlöchern. «Miele könnten bereits jetzt alle Geräte vernetzen», sagt Gerwens. Auch Siemens will in zwei Jahren intelligente Kühlschränke und Waschmaschinen auf den Markt bringen.

Doch auch jetzt wittert die Branche bereits gute Geschäfte. Mehr als 40 Prozent der Hausgeräte in Deutschland sind älter als zehn Jahre und müssen bald ausgetauscht werden. Dafür setzen die Hersteller vor allem auf das wachsende Umweltbewusstsein ihrer Kunden. Trockner und Geschirrspüler, die sich den Strom direkt von den Solarzellen auf dem Hausdach holen, stehen kurz vor der Marktreife. Und bald soll die Waschmaschine dank Verbindung zur Wettervorhersage genau wissen, wann Wind- und Sonnenstrom ins Netz kommen.

Doch egal wie intelligent die Haushaltsgeräte noch werden, einen Traum wollen die Hersteller ihren Kunden erstmal nicht erfüllen: Einkaufen, kochen und die Spülmaschine ausräumen müssen sie auch in Zukunft selbst.


Von Theresa Münch, dpa

© Bild: KlimAktiv / Zügel



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