Im Heimatland von Biblis A, wo die Atomenergie zu den umstrittensten Themen der Landespolitik gehört, mag man daran nicht so recht glauben. «Die Bekanntgabe des Vorhabens nach Schließung der Wahllokale in NRW zeigt, wie das Unternehmen die Wirkung auf eine Wahl einschätzt und wie schlecht das Gewissen von RWE bei dieser Manipulation des Atomkonsenses ist», schimpft der SPD- Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt auf RWE. «Eon weiß genau, dass diese Meldung das desaströse Abschneiden von CDU und FDP noch verschlimmert hätte», argwöhnt Linken-Fraktionschefin Janine Wissler.
Wie auch immer: Mit dem Kauf des Stromkontingents, das nach Informationen der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag gekostet hat, will RWE die Überlebenszeit von Biblis A verlängern. Eigentlich hätte der Reaktor nach der Vereinbarung zum Atomausstieg schon längst vom Netz gemusst - wenn er denn die ganze Zeit mit voller Leistung gelaufen wäre. Denn das Ende von Deutschlands ältestem noch laufenden Atommeiler - wie auch der anderen Kernkraftwerke - berechnet sich nicht nach dem Alter des Reaktors, sondern nach produzierter Strommenge.
Biblis A war aber zuletzt mehr als ein Jahr lang außer Betrieb und wurde erst Ende März wieder hochgefahren. Die Zeit sei für Verbesserungen an der Sicherheit und für den Austausch der Brennstäbe genutzt worden, heißt es von Unternehmensseite. Seither läuft die Anlage außerdem nur noch mit halber Kraft.
Dahinter dürfte auch das Kalkül stecken, die Abschaltung von Biblis A zu verzögern, bis über eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten entschieden ist. Das räumte RWE nach dem Deal mit Eon denn auch freimütig ein: Man wolle vermeiden, dass Biblis A vom Netz gehen müsse, bevor die politische Entscheidung über die Laufzeiten gefallen sei.
Aus Sicht der Grünen ist dies unverantwortlich, zumal der Reaktor wegen Pannen schon häufiger in der Kritik stand. «Biblis A ist keineswegs sicher und gehört abgeschaltet», forderte die Grünen- Abgeordnete Ursula Hammann.
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