Beteiligte Unternehmen wären unter anderem der französische Netzbetreiber RTE, EDF, Alstom und der Kabelspezialist Nexans. Der Siemens- Konzern, der auch einer der Initiatoren von Desertec ist, hat ebenfalls bestätigt, sich an dem neuen Projekt beteiligen zu wollen. Angaben der Initiatoren zufolge wird Transgreen nicht in Konkurrenz zum Desertec-Projekt stehen.
Desertec ist vorwiegend auf die Energieerzeugung fokussiert und Transgreen auf die Stromübertragung. Die Desertec Initiative (DII), die im vergangenen Sommer gegründet wurde, ist ein sehr ehrgeiziges Infrastrukturprojekt: Ziel ist der Bau großer solarthermischer Kraftwerke in Nord-Afrika und dem Nahen Osten, die bis 2050 mindestens 15 % des europäischen Strombedarfs decken sollen. Das Investitionsvolumen wird auf 400 Milliarden Euro geschätzt. Der deutsch-dominierten Industrie-Initiative gehören 17 Unternehmen aus 8 Ländern an, darunter zum Beispiel die amerikanische First Solar, die italienische Enel und die französische Saint-Gobain. "Die Frage der Stromübertragung von Nordafrika zu den europäischen Märkten ist natürlich ein Schlüsselelement des Desertec-Projekts", sagte Desertec-Vorstandschef Paul van Son. Mit Hilfe von Transgreen könnten die Engpässe beim Transport der erneuerbaren Energien überbrückt werden.
Ähnlich wie bei Desertec gilt die Finanzierung des Transgreen-Projekts als eine Kernfrage: seinen Initiatoren zufolge müssten die beteiligten Unternehmen jährlich einen Beitrag von rund 150.000 Euro leisten, um Machbarkeitsstudien finanzieren zu können. Im Rahmen dieser Studien soll der optimale Verlauf einer Unterseeleitung untersucht werden, damit das Projekt rentabel wird. Bisher ist der afrikanische Kontinent nur über eine Doppel-Leitung mit Europa verbunden: das Kabel überbrückt die Meerenge von Gibraltar und verfügt über eine Transportkapazität von 1.400 MW. Bis 2020 will Transgreen neue Hochspannungsleitungen unter dem Mittelmeer einsetzen: denkbar sind Verbindungen zwischen Spanien und Algerien, Ägypten und Griechenland, Italien und Lybien. Die Kosten pro Linie werden auf bis zu 800 Millionen Euro geschätzt, wobei das teuerste die Transformation des Solarstroms für eine Einspeisung in die europäischen Netze sei. Christian Stoffaes, französischer Ökonom und Co-Präsident des deutsch-französischen Sachverständigenrates, soll Geschäftsführer von Transgreen werden. André Merlin, Aufsichtsratschef von RTE, soll Aufsichtsratschef von Transgreen werden. Er will 10 bis 15 Industrieunternehmen für das Vorhaben gewinnen. Bereits Ende 2010 sollen mit den Arbeiten begonnen werden.
[1] Der im Rahmen der "Union für das Mittelmeer" (UfM) von Staatspräsident Nicolas Sarkozy am 13. Juli 2008 gestartete "Mittelmeer-Solarplan" zielt darauf ab, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben und die Energieeffizienz in der Region zu verstärken. Zu diesem Zweck sind zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten (insbesondere Solarstrom) in den Mittelmeerländern geplant, mit einer Gesamtleistung von 20 GW im Jahr 2020. Ein Teil (5 GW) des erzeugten Stroms ist für den Export nach Europa bestimmt.
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