Denn die schnelle und deutliche Kürzung lässt manche Firmen um ihre Wettbewerbsposition bangen. Deshalb dürfte das Thema auch bei der weltgrößten Branchenmesse Intersolar in München (9. bis 11. Juni) in der kommenden Woche für reichlich Diskussionsstoff sorgen.
Die Novelle sieht vor, dass die garantierte Einspeisevergütung, die Betreiber von Solarstromanlagen bekommen, für Anlagen, die nach dem 1. Juli installiert werden, um 11 bis 16 Prozent fällt. Für Anlagen auf Ackerflächen soll es gar nichts mehr geben. Längst nicht jedes Unternehmen ist deshalb aber tief besorgt. Selbst Deutschlands bekanntester Solarunternehmer, Solarworld-Chef Frank Asbeck, ist nicht unzufrieden. Als wichtigsten Erfolg bezeichnet er, dass die geförderte Menge der neu installierten Leistung nicht wie in anderen Ländern begrenzt wird. Während einerseits die Senkung der Einspeisevergütung ansteht, soll künftig der Eigenverbrauch von selbstproduziertem Solarstrom stärker gefördert werden. Dies soll die Einschnitte zum Teil wieder kompensieren - eine Regelung, für die sich Asbeck immer stark gemacht hat. So arbeitet Solarworld an Produkten, mit denen sich der Sonnenstrom auch speichern lässt.
Auch Stephan Werthschulte, Energiefachmann bei der Beratungsgesellschaft Accenture, pflichtet Asbeck bei. Werthschulte hält die Auswirkungen der Förderkürzung auf die Installation von Kleinanlagen für gering. Die Nachfrage in Deutschland sei relativ stabil, daran ändere auch die Förderkürzung nichts. «Eine Rolle spielt der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Autarkie bei der Energieversorgung gepaart mit einer Portion Frust über ausgebliebene Strompreissenkungen», sagt er.
Die im Sommer anstehende Förderkürzung kommt zusätzlich zu ohnehin im EEG vorgesehenen jährlichen Absenkungen der Subventionierung. Die Notwendigkeit dieses Schrittes hatten zuletzt selbst Vertreter der Branche eingeräumt. Im vergangenen Jahr waren die Preise für Solarmodule so stark gefallen, dass Betreibern von Solaranlagen angesichts der praktisch stabilen Fördersätze Traum- Renditen winkten. Die Zahl neu installierter Anlagen nahm massiv zu, Ende 2009 konnten die Unternehmen die Nachfrage gar nicht mehr befriedigen. Die Folge aber sind laut Verbraucherschützern höhere Rechnungen für jeden Stromkunden, denn auf sie werden die Kosten für die Förderung umgelegt.
Um zu große Einschnitte zu verhindern, warnte die Branche vor einem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen. Unterstützung erhielt sie von den Bundesländern mit einer großen Solarindustrie. Die Branche befürchtet, dass die Kürzungspläne vor allem der Konkurrenz aus China in die Hände spielt, die derzeit massiv aufholt. Dank günstiger Kredite der Staatsbanken haben die dortigen Unternehmen reichlich Kapital zur Verfügung. Auch ist die Qualität der Chinesen laut Werthschulte nicht so schlecht, wie manch europäischer Hersteller annehme. Unverhoffte Entlastung für deutsche Firmen kommt derweil von der Euro-Schwäche: Dadurch verteuern sich derzeit ausländische Module in Deutschland, was besonders die Konkurrenz aus China trifft.
Aber auch ohne diesen Effekt gibt es vor allem beim Blick auf Auslandsmärkte durchaus Zuversicht in der Branche. «Global wird die Photovoltaik in den nächsten Jahren dramatisch weiter wachsen im hohen zweistelligen Prozentbereich», sagt der Chef des Photovoltaik- Unternehmens Phoenix Solar, Andreas Hänel. In vielen Ländern, die die Branche bisher noch wenig auf dem Radar hatte, gebe es vielversprechende Programme. Der deutsche Markt erlebe derzeit zwar eine gewisse Unsicherheit, einen Einbruch fürchtet Hänel aber auch nach den geplanten Förderkürzungen für Solarstrom nicht. Auch 2011 können die Anbieter nach seiner Einschätzung noch auf eine in etwa stabile Entwicklung hoffen.

