Dass die Zeit der großen Visionen in der Sonnenallee von Bitterfeld-Wolfen, dem Firmensitz von Q-Cells, vorbei ist, war eigentlich schon vor einem Jahr klar. Das erfolgsverwöhnte Unternehmen war vom massiven Preisverfall auf dem Solarmarkt kalt erwischt worden und schrieb rote Zahlen. Vor allem die aggressive Konkurrenz aus China machte Q-Cells schwer zu schaffen. Binnen weniger Wochen kippte der komplette Markt. Konnten die Sachsen-Anhalter vorher gar nicht genug produzieren, wurden sie auf einmal ihre Zellen nicht mehr los. Doch vor den Aktionären konnte Milner damals die Probleme noch mit einer fulminanten Ansprache wegreden. Am Ende erhielt er begeisterten Applaus.
Anders Mehrheitsaktionär Marcel Brennigmeijer mit seiner Investmentfirma Good Energies: Er erkannte eine existenzbedrohende Krise für Q-Cells und stellte auf Notfallplan um. Er selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz - ein ungewöhnlicher Schritt für den C&A-Erben, der bei seinen Beteiligungen normalerweise im Hintergrund bleibt. Zugleich holte er die Restrukturierungsberatungsgesellschaft Alvarez & Marsal mit ihrem Geschäftsführer Cen ins Haus, der damit de facto die Macht bei Q-Cells übernahm. Finanzvorstand Hartmut Schüning
musste gleich gehen.
Milner blieb nur noch formell an der Spitze. An der Börse war er nach mehreren Prognosesenkungen ohnehin längst der Buhmann. Analysten nannten ihn ganz offen einen Lügner und Träumer. Das Vertrauen war verspielt. Im März trat er schließlich zurück. Cen übernahm nach dem Finanzressort auch den Vorstandsvorsitz in Personalunion.
Dass Q-Cells inzwischen wieder auf einem guten Weg ist, will Cen den Aktionären nun beweisen. Nach dem dramatischen Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro 2009 will die TecDax-Gesellschaft
bereits in diesem Jahr wieder operativ einen Gewinn erzielen. Dafür waren harte Einschnitte nötig. 500 Mitarbeiter mussten schon Ende 2009 gehen, vier alte Produktionslinien für Zellen am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen wurden geschlossen. Dafür nahm es Q-Cells sogar in Kauf, gezahlte Subventionen von fast 50 Millionen Euro in Sachsen-Anhalt zurückzahlen zu müssen. Von unrentablen Engagements in neue Technologien trennt sich Cen derzeit.
Parallel fährt das Unternehmen aber in Malaysia eine neues Zellenwerk hoch. Zudem treibt Cen den Wandel vom reinen Solarzellen-Hersteller zum Anbieter von kompletten Photovoltaik-Lösungen voran. Er will so das Risiko stärker verteilen. Seit wenigen Wochen vermarktet das Unternehmen eigene kristalline Solarmodule. Die lässt Q-Cells fremd produzieren - und zwar ebenfalls in Malaysia.
Derweil stellt sich Q-Cells nach langsam wieder auf Normalbetrieb ein. Mit der ThyssenKrupp-Managerin Marion Helmes kommt zum ersten Juli eine neue Finanzchefin. Aufsichtsratschef Brennigmeijer will sich vom früheren MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung ablösen lassen. Auch einige Analysten äußerten sich zuletzt wieder optimisticher zu Q-Cells. Unklar ist noch, wie es an der Spitze der Unternehmens weitergeht. Cens Vertrag als Vorstandsvorsitzender läuft noch bis Ende Dezember. Bis dahin will der Sanierer seine Aufgabe abgeschlossen und Q-Cells wieder in eine sichere Zukunft geführt haben.

