Die DIW-Energieexpertin hat verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Strompreisen durchgerechnet. Das Ergebnis: Nur bei einem konstant niedrigen Strompreis von 5 Cent/kwh könnten die Energiekonzerne die Zusatzabgabe nicht mehr bezahlen – denn dann bliebe nach Abzug der Brennelementesteuer nur ein Nettogewinn von etwa 1,6 Milliarden Euro. Claudia Kemfert hält dieses Szenario aber für unwahrscheinlich: „Es ist eher mit steigenden statt sinkenden Strompreisen an der Börse zu rechnen. Im vergangenen Jahr war aufgrund der Wirtschaftskrise der Großhandelsstrompreis niedrig. Da die Wirtschaft jedoch wieder an Schwung gewinnt, steigt auch der Großhandelspreis.“
Abgaben machen Kernkraft wirtschaftlich unattraktiv
Denkbar wäre dann sogar ein Strompreis von 7 Cent/kwh, die Zusatzeinnahmen der Energiekonzerne würden sich damit auf 7,2 Milliarden Euro im Jahr erhöhen. „Angesichts solcher Zusatzgewinne ist es verständlich, dass der Staat auch ein großes Stück vom Kuchen abbekommen möchte“, sagt Claudia Kemfert.
Die Einnahmen aus der Zusatzabgabe sollten für die Sanierung bestehender Atommülllager und den Umbau des Energiesystems eingesetzt werden. „Der Staat muss sich aber klarmachen, dass Brennelementesteuer und Zusatzabgabe den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken deutlich unattraktiver machen“, so Kemfert weiter. Das gelte besonders für die drei großen Energieversorger E.ON, EnBW und RWE, die zusammen mehr als 90 Prozent des Atomstroms in Deutschland produzieren.
Zahlen und Hintergründe zu den drei berechneten Szenarien und Energieversorgern in Deutschland

