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Grüne: Energiewende geht nur mit Finanzbranche (12.08.2010)

Berlin - Der Energieexperte der Grünen, Hans-Josef Fell, hält trotz der zahlreichen regionalen Initiativen eine Energie- und Klimawende nur bei einem Umdenken der Finanzbranche für möglich. Es drehe sich bei dieser Frage alles um Geld, sagte Fell der Deutschen Presse-Agentur.

«Letztlich geht es um die Schaffung eines Wirtschaftssystems, in dem Renditen mit Klimaschutz erwirtschaftet werden und nicht wie heute mit Investitionen in Klimaschädigung.» Schon heute arbeiteten in Deutschland 300 000 Menschen in der Öko-Energie-Branche; in Zukunft könnten es bis zu eine Million sein.

Hans Josef Fell Bild: hans-josef-fell.deFell, der das Erneuerbare-Energien-Gesetz für Deutschland federführend mitausgearbeitet hat, verweist auf ein neues Konzept von ihm, dass er gerade auch im Büro von Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger vorgestellt hat. «Ich halte die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2030 für möglich», betonte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion.

Haupthindernis seien die Gewinninteressen der großen Konzerne, die fast ausschließlich ihre Geschäfte mit der fossilen und atomaren Wirtschaft machten, erklärte Fell zu seinem Konzept. Die weltweite Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2030 koste weniger als die Hälfte der globalen Brennstoffrechnungen, die bis dahin für den Kauf von fossilen und atomaren Brennstoffen anfielen.

In seinem Konzept verweist Fell auf Berechnungen der US-Forscher Mark Z. Jacobsen und Mark A. Delucchi, die die Kosten der Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2030 auf etwa 100 000 Milliarden US- Dollar taxieren. Nach einer Schätzung der Energy Watch Group würden im gleichen Zeitraum aber etwa 200 000 Milliarden US-Dollar für den Kauf von Brennstoffen benötigt.

Einige Länder würden derzeit stärker als Deutschland umsteuern. Fell berichtet von China, wo 70 Fabriken für Windkraftanlagen entstünden. «Eine gigantische Entwicklung.» Angesichts der aktuellen Debatte und der Marktmacht der Konzerne sieht er nur eine Chance, Deutschland und andere führende Länder vom Nutzen der totalen Öko- Energiewende zu überzeugen, wenn die Finanzindustrie grün wird.

Er hält das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad für viel zu hoch. «Schon bei 0,9 Grad Celsius Erderwärmung sind die Klimafolgen dramatisch.» Bereits heute seien die Auswirkungen des Klimawandels deutlich sichtbar, betont Fell und verweist die Brände in Russland und die Überschwemmungen in Pakistan in diesem Sommer. Neben einer drastischen Reduzierung der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen käme es daher auch auf eine Kohlenstoffreinigung der Atmosphäre an, etwa durch eine Aufforstung.


Gespräch: Georg Ismar, dpa



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