Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Seite empfehlen

Energiedebatte lässt Wüstenstrom-Projekt außen vor (05.09.2010)

Schattendasein für den Sonnenstrom aus der Wüste: Das milliardenschwere Desertec-Projekt kommt in der aktuellen Energiedebatte nicht vor. Dabei arbeiten die Initiatoren weiter intensiv an dem Projekt und wünschen sich mehr Unterstützung.

München - Es ist still geworden um den Strom aus der Wüste. Vor knapp einem Jahr unter großem Presserummel von deutschen Großkonzernen auf den Weg gebracht, führt das ehrgeizige Desertec- Projekt mittlerweile ein Schattendasein.

Strommasten Quelle: pixelio Autor: pkirchhoffWährend sich Politiker aller Parteien die Köpfe heißdiskutieren über längere Laufzeiten für Kernkraftwerke und Brennelementesteuer, ist von den Solarkraftwerken in der Sahara im Energiekonzept der Bundesregierung nach bisherigen Informationen nicht einmal mehr die Rede. Die Initiatoren beklagen bereits mangelnde Unterstützung aus der deutschen Politik. Dabei hatte sich nicht nur die Industrie, sondern auch die Bundesregierung anfangs hinter die Wüstenstrom-Pläne gestellt und sie sogar in den Koalitionsvertrag als Option für die langfristige Energieversorgung aufgenommen, sagt der Niederländer Paul van Son.

Seit vergangenen November leitet er die mit der Umsetzung betraute Projektgesellschaft Dii GmbH in München. In vielen Ländern der Welt werde das Projekt als visionär geschätzt, sagt van Son. Niemand würde verstehen, wenn das Thema ausgerechnet in Deutschland jetzt in den Hintergrund geriete. «Unsere Pläne sind für die Bundesregierung eine hochinteressante Option zur Erreichung ihrer Klimaziele und auch für die Technologieführerschaft der deutschen und europäischen Industrie von großer Bedeutung.»

In einem Brief hatte sich das Industriekonsortium deshalb kürzlich bei Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und mehreren Ministerien beschwert - bisher ohne nennenswerte Reaktion aus Berlin. Zu einem Teil dürfte die Zurückhaltung daran liegen, dass bisher noch kein Bagger angerollt, noch kein Spatenstich gemacht ist. Denn das Szenario klingt eigentlich verlockend: Solarthermische Kraftwerke, Photovoltaik- und Windkraftanlagen mit bisher ungekannter Kapazität in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens könnten nicht nur die Menschen in der Region mit Strom versorgen, sondern bis zum Jahr 2050 über ein geeignetes Leitungsnetz auch 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.

Van Son weiß, dass die Pläne möglichst rasch umgesetzt werden müssen, um Unterstützer und potenzielle Investoren bei der Stange zu halten. «Wenn wir uns ins Studierzimmer zurückziehen, werden wir nicht ernst genommen.» Greifbar werden soll Desertec deshalb mit einem ersten Projekt in Marokko. Der Standort gilt als besonders geeignet, weil das nordafrikanische Land bereits über Leitungen mit Europa verbunden ist und auch selber einen ehrgeizigen Solarplan verfolgt. Der erste Strom aus Marokko könnte ab etwa 2015 auch nach Europa fließen. Im Kreis der beteiligten Unternehmen werden die Vorbereitungen durchaus als konkret eingestuft. Im Hintergrund werde intensiv an Kalkulationen gearbeitet, heißt es beim Elektrokonzern Siemens, der mit seinen Lösungen etwa beim Netzausbau zum Zuge kommen könnte.

Auch der Energieversorger RWE lobt die Zusammenarbeit. «Wir sind auf einem sehr guten Weg», sagt ein Konzernsprecher. Bis es so weit ist, sind allerdings noch komplexe Abstimmungen zu bewältigen. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen sondieren van Son und sein Team vor allem die Marktchancen für den zu erzeugenden Strom. Sie sprechen mit Herstellern über Möglichkeiten zur Kostensenkung, mit der EU-Kommission, Regierungen und Stromnetzbetreibern über den nötigen Netzausbau.

Bis 2012 soll das Geschäftsmodell stehen, das dann als Blaupause auch für weitere Anlagen in anderen nordafrikanischen Ländern angewendet werden kann. Anfangs hatte das gigantische Investitionsvolumen für das Wüstenstrom-Projekt von rund 400 Milliarden Euro auch für Kopfschütteln in der Öffentlichkeit gesorgt. Doch van Son winkt ab: Die Summe sei nur eine grobe Schätzung aus einer Studie, doch verstehe sich Desertec als Netzwerk vieler Solar- und Windkraftwerke mit jeweils mehreren Ausbaustufen in den nächsten Jahrzehnten. Ein Preisschild für alles zum jetzigen Zeitpunkt mache da wenig Sinn, sagt der DII-Chef. Er glaubt fest daran, dass sich Geldgeber für das Projekt finden werden. «Sobald die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen sind, werden sie auch investieren.»


Von Christine Schultze, und Erik Nebel, dpa



GLS Bank


10.02.2012

Tschechien hadert mit Ökostrom-Welle aus Deutschland

Kanadisches Unternehmen sucht in deutschen Meeresschutzgebieten nach Öl

Zukunftsthema 'Urbanisierung' forcieren: Messe 'Urbantec' im Jahresturnus

»Grünes« Energie-Management für Europas Häfen

Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette in Autoindustrie steigern

Deutschland hilft beim Klimaschutz in Westafrika

Sind Kaltwasserkorallen Anpassungskünstler an den Klimawandel?

09.02.2012

'Ausgezeichnete' Klimaanpassung

«AKW-Dinosaurier» Fessenheim bleibt in Betrieb

Großinvestoren zwingen Unternehmen zur Offenlegung von Klimarisiken

Welches Marktdesign braucht die Energiewende?

Energiebranche fürchtet herben Rückschlag bei Energiewende

Gletscher und Eiskappen schmelzen weniger stark als vermutet

Kurth: Versorgungssicherheit mit Strom garantiert - schneller Netzausbau dringend

Umwelthilfe: versprochene Bürgerbeteiligung des Innenministeriums unzureichend

08.02.2012

Strategie soll den Wald für die Zukunft fit machen

Paket zur Gebäudesanierung droht zusammenzuschmelzen - Keine Einigung

Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten bei der Jagd tiefer tauchen

Klimastudien sagen kältere Winter in Europa voraus

Durchbruch beim Abfallgesetz - Entsorgungswirtschaft will klagen

Frankreich braucht «Stromhilfe» aus Deutschland

DIW-Studie: CCS-Technologie ist für die Energiewende gestorben

07.02.2012

Deutschland bleibt auch bei dieser Kälte Stromexporteur - dank Ökostrom

Bosch verschiebt Baustart für Solarfabrik in Malaysia

Verbandsrecherche: 87 Prozent der Energieversorger bieten Energieberatung

Löscher: Siemens wird Gewinner der Energiewende sein

EEX führt CO2-Produkte für Luftfahrtindustrie ein

Klimafolgen besser abschätzen: Forscher vergleichen Simulationen aus aller Welt

Baden-Württemberg bringt Klimaschutzgesetz auf den Weg

06.02.2012

Fällt Klimakatastrophe aus? - Vahrenholt stellt Buch vor

Nordseesturmfluten im Klimawandel

China boykottiert Klimaabgabe für seine Airlines - EU bleibt hart

EEX Handelsergebnisse für Emissionsberechtigungen im Januar

Ökoenergie-Ausbau ersetzt Brennstoffimporte in Milliardenhöhe

Stromnetze trotzen Kälte - Leitungen stabil

05.02.2012

Greenpeace-Chef zum Klimawandel: Die Zeit läuft uns davon