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Studie: Konsequenzen der Energiewende (26.06.2012)

Die HypoVereinsbank hat gemeinsam mit dem HWWI-Institut eine neue Studie zu den Konsequenzen der Energiewende erstellt. Im Mittelpunkt stehen die Schwierigkeiten, die beschlossene Energiewende im geplanten Zeitrahmen wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen.

Nach Einschätzung der Hypovereinsbank kostet die Energiewende rund 335 Milliarden Euro. Finger zum Fragezeichen Bild: pixelio / Gerd AltmannGrundsätzlich sei aber ausreichend Kapital zur Finanzierung der Energiewende verfügbar.

"Es geht aber um die Frage, welche Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Finanzierung erforderlich sind. In Kernbereichen der Energiewende ist derzeit eine Projektfinanzierung häufig nur sehr eingeschränkt möglich, da derzeit Einnahmen sowie Ausgaben nicht ausreichend abgeschätzt und damit der Cash Flow der Projekte schwierig kalkuliert werden kann", so Lutz Diederichs, Vorstand der HypoVereinsbank Corporate & Investment Banking.

In den genannten Beispielen sind nach Ansicht der HypoVereinsbank Maßnahmen zur Absicherung des Cash Flow erforderlich, um im Zeitplan der Energiewende über die Projektfinanzierung ausreichende Mittel bereitstellen zu können. Das gilt für 50 Prozent des Investitionsvolumens der Energiewende.

Zusätzlich begrenzt und verteuert Basel III die Finanzierung der für die Energiewende typischen langfristigen, großvolumigen und mit starken Unsicherheiten behafteten Investitionen. Die Banken werden deshalb neben ihrer klassischen Rolle als Kreditfinanzierer zunehmend als Intermediär zwischen Projektsponsoren und Finanzinvestoren agieren.

Professor Dr. Michael Bräuninger, Studienleiter des HWWI-Instituts: "Für die Energiewende fehlt noch ein Masterplan mit einer engen Vernetzung der zentralen und regionalen Strategien, der Angebots- mit der Nachfrageseite, der konventionellen Energien mit den Erneuerbaren Energien, sowie der privaten und der staatlichen Leistungen. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert ferner eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Derzeit bestehen erhebliche Diskrepanzen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und den Realitäten der Energiewende."

Die wichtigsten Studienergebnisse in Thesenform:

1. Aktive Nachfragesteuerung ist kaum möglich
In den Szenarien zur Energiewende wird mit einem Rückgang der Stromnachfrage um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 und um 25 Prozent bis zum Jahr 2050 gerechnet. Diese Annahmen sind sehr optimistisch. Mit einer deutlichen Abnahme der Nachfrage ist nur bei starken Preissteigerungen zu rechnen. Dies würde für Private und Unternehmen eine erhebliche Belastung darstellen und in der Industrie Standortverlagerungen provozieren.

2. Der Ausbau des Stromangebots ist deutlich im Verzug
Heute sind knapp ein Prozent der für 2030 geplanten Offshore Windenergie realisiert. Damit ist der kommunizierte Zeitplan stark gefährdet. Die Folge können erhebliche Mehrkosten für Brückenlösungen, etwa konventionelle Kraftwerke als Kernkraftersatz, und für zusätzliche Gaskraftwerke zur Vermeidung von Blackouts sein. Unklar ist, ob sich diese Investitionen bei einem Einspeisevorrang Erneuerbarer Energien lohnen.

3. Deutschland wird zehn Prozent seines Stroms importieren
Wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter so langsam erfolgt, wird Deutschland von einem Stromexporteur zu einem Importeur. Dann werden ausländische statt heimische Kern- und Kohlekraftwerke genutzt.

4. Der Ausbau der Netze wird zu einem zentralen Engpass
Der Ausbau der Netze und der Erneuerbaren Energien ist stärker zu synchronisieren. Es wurden erst etwas mehr als ein Zehntel der geplanten Neubautrassen fertiggestellt. Der Netzbedarf wird aber noch steigen.

5. Ausreichende Speicherkapazitäten sind noch nicht in Sicht
Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende sind deutlich mehr Energiespeicher erforderlich. Die Ausbaukapazitäten der Pumpspeicherkraftwerke sind äußerst begrenzt. Deshalb sind erhebliche Anstrengungen in Forschung und Entwicklung von neuen Technologien notwendig. Damit dies geschieht, müssten hier finanzielle Anreize gesetzt werden.

6. Smart Grid wird erst mittelfristig Angebot und Nachfrage substanziell puffern können
Smart Grids sind notwendig, um Schwankungen auf der Angebotsseite durch Anpassungen auf der Nachfrageseite auszugleichen. Bei der privaten Nachfrage wird dies nur mittelfristig möglich sein. Im Gegensatz dazu können energieintensive Unternehmen bereits heute ihren Energieverbrauch steuern und sich damit ein neues Geschäftsmodell erschließen.

7. Gewinner und Verlierer der Energiewende
Gewinner sind Unternehmen die von Investitionen in neue Anlagen und in die Netzinfrastruktur profitieren. Dazu gehören Anlagenbauer und auch Unternehmen der Bauwirtschaft und des Handwerks. Insbesondere kleinere Energieversorger können von der Förderung der Erneuerbaren Energien profitieren. Zu den potentiellen Verlierern zählt die energieintensive Industrie. Es ist deshalb eine – zumindest partielle - Freistellung dieser Industrie von Kostenbelastungen zu erwarten, was Mehrbelastungen für andere Branchen und insbesondere privaten Haushalte bedeutet.

8. Kosten erfordern eine konsequentere Umsteuerung der Mittel
Von den Kosten der Energiewende bis zum Jahr 2030 entfallen 250 Milliarden Euro auf die Förderung der Erneuerbaren Energien und 85 Milliarden auf zusätzliche Investitionen. Gemessen an den Steuerungseffekten sind die Kosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu hoch. Eine wesentlich konsequentere Umsteuerung der Mittel ist erforderlich.

Die Studie ist über die Internet-Seite der Hypovereinsbank verfügbar.


Quelle: Hypovereinsbank / Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI)

© Finger zum Fragezeichen Bild: pixelio / Gerd Altmann



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