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Neues Kraftwerk in Neurath: Braunkohle noch hoffähig? (16.08.2012)

Neurath/Grevenbroich - Windräder drehen sich im Wind, aus Kühltürmen steigt Wasserdampf und durch Hochspannungsleitungen brummt der Strom: Die Gegend von Neurath bei Grevenbroich im Rheinland steckt voller Energie. Es ist das Revier des Essener Energieriesen RWE, der hier und an mehreren Nachbarorten Braunkohle verstromt.

Und es ist ein besonderer Tag für den frisch gebackenen Vorstandschef Peter Terium: Gemeinsam mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) drückt der Manager den grünen Knopf. Ein riesiges neues Kraftwerk mit dem Namen BoA 2&3 geht symbolisch an den Start.

Bild: RWEDie Anlage ist mit 2,6 Milliarden Euro eine der größten Einzelinvestitionen von RWE. Die andere steht noch bevor: Rund drei Milliarden Euro hat RWE für den Bau des Windparks Innogy Nordsee I projektiert. Auch im Braunkohlerevier Neurath ist die Energiewelt von morgen zu schnuppern: Zahlreiche Windräder von RWE schmücken Höhen, Wiesen und Felder - aber vor der Kraftwerkskulisse wirken sie eher wie winzige Spielzeuge. Hier hat schließlich die Kohle das Sagen.

Mit dem 2011 vollzogenen Ausstieg aus der Kernenergie, hat die scharf kritisierte Kohleverstromung eine Renaissance erfahren. Die Befürworter wittern ihre Chance - war die Kohle wegen des hohen Ausstoßes klimaschädlicher Treibhausgase doch zuvor erheblich in die Kritik geraten. Die großen Erzeuger wie RWE und Vattenfall arbeiten seit längerem an effizienteren Anlagen. Auch die CO2-Abscheidung und anschließende Verpressung in tiefere Erdregionen (CCS-Technologie) wird erprobt, stößt in der Bevölkerung aber auf breite Skepsis.

Da nun durch den Wegfall aller Atommeiler bis 2022 Energie fehlt, die dauerhaft und anders als Strom aus Wind und Sonne ohne die Kapriolen des Wetters bereitgestellt werden kann, ist die Braunkohle unter den Energiequellen wieder stärker in den Fokus gerückt. Darüber hinaus werden über Jahre Energiespeicher fehlen. Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland gut 3 Prozent mehr Braunkohle verstromt. Und im Strommix entfällt auf die Kohle (Braunkohle und Steinkohle) noch bei weitem der größte Anteil, nämlich gut 40 Prozent. Mehr als 20 Kohlekraftwerke sind bis zum Jahr 2020 geplant oder befinden sich in Bau. Altanlagen sollen dann Zug um Zug stillgelegt werden.

Mit modernen Kohlekraftwerken wie die jetzt ans Netz gegangene Anlage von RWE können die Energiemanager vor allem mit Flexibilität punkten. Anders als alte Kohlekraftwerke ist BoA 2&3 laut RWE in der Lage, ähnlich wie ein Gaskraftwerk auf den Strombedarf flexibel zu reagieren. Jeder Block, betonen die Macher, könne innerhalb von 15 Minuten um gut 500 Megawatt heruntergefahren werden. Dies entspreche der Leistung von mehr als 400 Windkraftanlagen. Und Terium will Pläne von RWE für neue und noch effizientere Kraftwerke vorantreiben.

Für Klimaschützer ist und war Braunkohle unterdessen ein rotes Tuch: 16 Millionen Tonnen CO2 werde das neue RWE-Kraftwerk in Neurath in die Atmosphäre blasen. Mit 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid seien die Braunkohlekraftwerke des Unternehmens schon heute das größte Hindernis zur Umsetzung des NRW-Klimaschutzgesetzes, sagte BUND-Geschäftsführer Dirk Jansen.


Von Peter Lessmann, dpa

© Bild: RWE



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