Außerdem forderten sie bessere Rahmenbedingungen für Wagniskapitalgeber und verlangten von Bund und Ländern mehr soziale Chancengleichheit beim Zugang zur Bildung. Der von der Bundesregierung 2007 eingesetzte Expertenrat übergab am Mittwoch sein drittes Gutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Der Vorsitzende der Kommission, der Münchner Ökonom Dietmar Harhoff, sagte, die Vorreiterrolle Deutschlands bei hochwertigen Technologien lasse sich nur bewahren, wenn in der Automobilindustrie, der chemischen Industrie, der Elektrotechnik und im Maschinenbau auch weiter hohe Summen investiert würden. Die Kommission machte am Beispiel der Entwicklung elektrisch betriebener Automobile deutlich, wie die Bundesrepublik gegenwärtig gegenüber Ländern wie Japan, Korea und China ins Hintertreffen gerate. Besonders bei Fahrzeugbatterien und der Leistungselektronik sei Deutschland nicht gut aufgestellt.
Die Bundesregierung hatte mit dem zweiten Konjunkturpaket noch vor der Bundestagswahl 500 Millionen Euro speziell für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zur Verfügung gestellt. Die Experten forderten nun eine stärkere Kooperation von Forschung und Wirtschaft. Die Bundesregierung sollte Versuchsprojekte stärker konzentrieren und auch enge Kooperationen mit europäischen Partnern initiieren. Kritisiert wurde auch der Abbau von Lehrstühlen für Elektrotechnik. Der Physiker und Photovoltaikexperte Joachim Luther regte Versuche an, in bestimmten Stadtkernen nur noch umweltfreundliche Elektroautos zuzulassen.
Die Gutachter setzen sich zugleich für eine bessere Studienförderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten ein. 70 Prozent der Hochbegabtenstipendien gingen derzeit an Studierende aus Akademikerfamilien. Auch die von der Koalition geplanten «Zukunftskonten a 150 Euro», die ab Geburt eines Kindes Bildungssparen anregen sollen, «nutzen tendenziell eher besser Verdienenden». Als «nicht zielführend» wird auch das geplante Betreuungsgeld bezeichnet, dass ab 2013 diejenigen Eltern erhalten sollen, die ihr Kind nicht in den Kindergarten schicken.

