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VCD kritisiert Entwurf für Verbrauchskennzeichnung PKW: 'Mogelpackung' (26.08.2010)

Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert den Verordnungsentwurf der Bundesregierung für eine Pkw-Verbrauchskennzeichnung scharf. Zwar seien anschauliche Effizienzklassen für Pkw, die sich wie etwa bei Kühlschränken an einer Farbskala und Buchstaben orientieren und wie sie der VCD seit 2003 fordert, zu begrüßen. Das geplante Label sei in der ausgehandelten Form jedoch eine Mogelpackung, die schwere Fahrzeuge bevorzuge und nicht der Effizienz diene.

Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand: „Das CO2-Label muss ein Instrument sein, das Verbraucher einfach und verständlich über die Effizienz von Neufahrzeugen informiert und zu verbrauchsärmeren Autos führen soll. Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf dient jedoch mehr den Verkaufsinteressen der deutschen Autoindustrie, die ihre schweren Spritschlucker absetzen will, und weniger der Verbraucherinformation und dem Klimaschutz. Der Grund: Basis für die Ermittlung der Effizienzklassen ist der CO2-Ausstoß bezogen auf das Fahrzeuggewicht.”

Effizienz- und CO2-Label für PKW Grafik: UBAEs sei zwar durchaus möglich, die Größe und die Nutzungsmöglichkeiten eines Pkw bei der Einstufung zu berücksichtigen, doch das Fahrzeuggewicht sei hierfür ein denkbar ungeeigneter Parameter. Hier würden schwere Fahrzeuge extrem bevorzugt und vor allem neuen schweren Nobelkarossen ein grünes Mäntelchen umgehängt.

Wie der VCD errechnet hat, würde etwa der geländegängige Porsche Cayenne Hybrid mit 380 PS, einer Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h, einem CO2-Ausstoß von 193 g/km und einem Fahrzeuggewicht von 2,3 Tonnen in die Effizienzklasse B eingestuft. Moderne Kleinwagen wie der Toyota Aygo oder der Peugeot 107 mit einem Verbrauch von 4,5 Liter Benzin und einem CO2-Ausstoß von 106 g/km bekämen hingegen ein D. Um ein A zu erhalten, müsste der Spritverbrauch dieser Modelle auf unter 3,5 Liter sinken.

Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsreferent: „Mit dem Vorschlag der Bundesregierung wird Verbrauchern ein falsches Signal vermittelt: Schwere Autos dürfen deutlich mehr verbrauchen als Pkw, die gewichtsoptimiert sind. Das ist ökologisch nicht sinnvoll. Für das Klima ist es wichtig, dass absolut weniger CO2 ausgestoßen wird.

Nach wie vor bleibt die Bundesregierung beim Thema Klimaschutz gerade im Verkehrsbereich vieles schuldig. Hat man bei der Verwässerung der EU-CO2-Grenzwertregelung noch mit der Krise argumentiert, so gibt es jetzt keine Ausrede mehr, die heimische Industrie beschützen zu wollen. Denn die Absatzzahlen und Gewinne deutscher Autohersteller erreichen inzwischen wieder Rekordniveau.”

Der VCD fordert ein ambitioniertes Vorgehen. Nur wirklich effiziente und richtungsweisende Fahrzeuge dürften ein A erhalten. Jetzt schon ein A+ und A++ einzuführen, wie es die Bundesregierung anstrebt, sei widersinnig und verwirrend.

Die Einteilung von Elektroautos in die automatisch beste Effizienzklasse lehnt der VCD ebenfalls ab. Verbrauchern werde damit suggeriert, Elektroautos wären besonders effizient. Diese seien jedoch nicht per se ›Nullemissionsautos‹: Im Praxistest stießen reine Elektroautos je nach Stromherkunft durchaus genauso viel, wenn nicht sogar mehr CO2 aus als sparsame Pkw mit Verbrennungsmotor.

Zusammen mit anderen Umweltverbänden legte der VCD im Mai ein eigenes Modell vor, das sich an der Ende 2008 beschlossenen EU-Regulierung zur Verringerung der CO2-Emissionen von Neuwagen orientiert. Diese sieht vor, ab 2012 den durchschnittlichen CO2-Ausstoß aller in der EU zugelassenen Fahrzeuge auf 130 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Nach dem Modell der Umweltverbände können Fahrzeuge nur dann ein ›A‹ erhalten, wenn sie ihren spezifischen Referenzwert um mehr als 25 Prozent unterschreiten und nicht mehr als 100 g CO2/km ausstoßen.

Das Hintergrundpapier zur Verbrauchskennzeichnung für Pkw mit dem Modell der Umweltverbände finden Sie zum Download unter www.vcd.org/co2-label.html. Dort hat der VCD für ausgewählte Pkw auch zwei Tabellen mit den entsprechenden Verbrauchskennzeichnungen auf Grundlage des Bundesregierungsvorschlages und des Umweltverbändemodells online gestellt.


Quelle: VCD



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