"Damit stößt ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf der gleichen Strecke. Die Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen ließen sich leicht vermeiden, aber aus Profitgier verweigern die deutschen Reeder bislang die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Abgastechnik wie etwa Rußpartikelfilter."
Stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt verleiht der NABU den "Dinosaurier des Jahres 2011" an Michael Thamm, Präsident AIDA Cruises, und Richard J. Vogel, Vorsitzender TUI Cruises. Denn durch Umstellung von Schweröl auf schwefelarmen Schiffsdiesel und eine geringere Fahrtgeschwindigkeit würden sich Schwefeldioxid und Feinstaub um bis zu 90 Prozent reduzieren, und der Ausstoß von klimaschädlichen Rußpartikeln um mehr als 40 Prozent, so der NABU in seiner Begründung.
"AIDA und TUI übertrumpfen sich mit aufwendigster Unterhaltung an Bord, nichts ist zu teuer für Restaurants, Wellness und Casinos - aber für einen Rußpartikelfilter ist angeblich kein Geld da.. Das ist Heuchelei!", kritisiert NABU-Präsident Tschimpke. "Es ist völlig unverständlich, wie die Veranstalter von Kreuzfahrten derart mutwillig ihr größtes Kapital, nämlich eine intakte Natur aufs Spiel setzen."
Mit der Kampagne "Mir stinkt's! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!", will der NABU Kreuzfahrt-Kunden aufklären und die Reeder zur Einhaltung von Umweltstandards verpflichten. Tatsächlich beweisen etliche Studien die verheerenden Auswirkungen der dreckigen Schiffsabgase: Sie sind verantwortlich für rund 50.000 vorzeitige Todesfälle allein in Europa, sie überdüngen Meere und versauern Böden und nicht zuletzt tragen sie auch erheblich zum bedrohlichen Klimawandel bei: Die schwarzen Rußpartikel aus den Schornsteinen lagern sich auf dem Eis der Arktis ab und beschleunigen das Abschmelzen. "
"Auch die Politik versagt, indem sie Schiffen auf hoher See einen Schadstoffausstoß erlaubt, der x-tausendfach über den Grenzwerten liegt, die Pkw und Lastwagen an Land einhalten müssen", kritisiert Tschimpke. "Aber die Reeder müssen nicht auf Vorgaben warten - sie könnten heute schon der massiven Umweltzerstörung endlich ein Ende bereiten." Mit der Verleihung des Dinosauriers an AIDA und TUI Cruises hofft der NABU, den überfälligen Sinneswandel zu beschleunigen.
Aida-Präsident Michael Thamm regierte mit einem Brief an Tschimpke. «Aida Cruises nimmt qualifizierte Kritik sehr ernst und stellt sich der Diskussion», heißt es darin. Umweltschutz habe bei der Rostocker Reederei Priorität, dies sei im jährlichen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens überprüfbar. Demnach haben sich im Jahr 2010 der Ausstoß von Schwefeloxide um 5,9 Prozent, CO2-Emissionen um 2,8 sowie Stickoxid und Feinstaub um 2,9 Prozent verringert.
Tui Cruises mit Sitz in Hamburg stellte fest, in seine beiden Schiffe seien effiziente Antriebssysteme eingebaut worden. An einer Rußfilter-Lösung werde «mit Hochdruck» gearbeitet. In den Häfen wolle das Unternehmen mittelfristig auf Strom von Land zurückgreifen, um dort keine Abgase mehr auszustoßen.
Laut Umweltministerium setzt sich die Bundesregierung für eine Minderung der Emissionen von Seeschiffen ein. So sei Deutschland der Hauptinitiator der von der Internationalen Seeschifffahrts- Organisation (IMO) 2008 beschlossenen Grenzwerte. Diese sähen eine deutliche Minderung des Schwefelgehaltes in Schiffskraftstoffen vor. Dadurch gingen die Schwefeldioxidemissionen aus dem Schiffsverkehr in der Nord- und Ostsee sowie im Ärmelkanal schätzungsweise um mehr als 90 % und die Partikelemissionen um mehr als 75 % zurück.

