Enormer Rohstoffverbrauch im Verkehr
Für die Produktion eines einzigen Autos mit 1,5 Tonnen Masse werden 70 Tonnen Rohstoffe, wie Metalle, Energie aber auch Wasser benötigt. Der Materialverbrauch für Pkw in Österreich hat sich seit den 1960er Jahren verzwanzigfacht. Knapp sieben Millionen Tonnen Eisen, Aluminium, Kunststoffe und andere Materialien stecken in Österreichs Pkw-Flotte. Allein für den Straßenbau werden 60.000 Tonnen Bitumen verwendet sowie etwa die Hälfte der jährlich verbrauchten Menge an Erdöl-basierten Kunststoffen.
Ölabhängigkeit heizt das Klima an
Österreichs Verkehr ist zu 91 Prozent abhängig von Erdöl. Während im Jahr 1970 der Verkehr nur 34 Prozent von Österreichs Erdölbedarf benötigte, waren es im Jahr 2010 bereits 75 Prozent. „Das Erdöl wird immer umkämpfter und teurer. Diese wertvolle Ressource in Verbrennungsmotoren zu verheizen, ist eine Verschwendung, die auch das Klima stark belastet. Der Verkehr verursacht durch den enormen Einsatz von Erdöl 27 Prozent der Treibhausgasemissionen in Österreich und ist damit das Sorgenkind des Klimaschutzes. Bis zum Jahr 2050 müssen die CO2-Emissionen des Verkehrs um 76 reduziert werden, um die EU-Klimaschutzziele zu erreichen“, weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf den hohen Aufholbedarf in Österreich hin.
„Seit dem ersten Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro hat sich im Verkehrsbereich in punkto nachhaltiger Umgang mit Ressourcen wenig getan. Anlässlich der Rio+20-Konferenz im Juni 2012 gilt es endlich konkrete Maßnahmen umzusetzen. Wir müssen unsere Mobilitätsmuster komplett überdenken. Vorschnelle Lösungen führen zu neuen Problemen“, warnt Rasmussen.
Ressource Land ist begehrt
Das Ersetzen fossiler Energie durch Agro-Kraftstoffe führt zu Engpässen bei der Ressource Land. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von zehn Prozent erneuerbare Transportenergie zu erreichen. Der Fokus der EU-Mitgliedstaaten liegt auf der Beimischung von Agro-Kraftstoffen was zu negativen Auswirkungen beim Flächenverbrauch führt. Bis zum Jahr 2010 hatten Unternehmen aus den EU-Staaten bereits mindestens fünf Millionen Hektar für die Produktion von Agro-Kraftstoffen im Ausland akquiriert, das entspricht etwa der Fläche von Dänemark. Weltweit erfolgt rund ein Drittel der exterritorialen Landnahmen für die Produktion von Agro-Kraftstoffen.
Gesamt-Treibhaus-Bilanz von Bahn und Bus vorbildlich Der einzige Weg zu Nachhaltigkeit im Verkehr ist nicht nur Effizienz sondern Reduktion des tatsächlichen Energieverbrauchs. Die Gesamt-Treibhausgasbilanz, die nicht nur den Betrieb sondern auch die Produktion und die Entsorgung berücksichtigt, zeigt welche Verkehrsmittel schon jetzt am energie- und ressourceneffizientesten sind. Während ein mittelgroßer Benzin-Pkw pro Personenkilometer rund 233 Gramm CO2-Äquivalente emittiert, sind es beim E-Auto 96 Gramm. Die Emissionen pro Personenkilometer von S-Bahnen und Straßenbahnen (46 Gramm) betragen hingegen nur etwa 20 Prozent im Vergleich zum Benzin-Pkw. Bei den Zügen der ÖBB sind es 17 Gramm CO2-Äquivalente pro Personenkilometer, das sind nur sieben Prozent im Vergleich zum Benzin-Pkw.
Klimaschutz mit Mehrfachnutzen
Viele Maßnahmen, die das Klima schützen und die natürlichen Ressourcen schonen, haben weitere Nutzen. Sie reduzieren die Kosten von Verkehr und Infrastruktur insgesamt, haben gesundheitliche Vorteile für die Bevölkerung und erhöhen die Lebensqualität. Investitionen in die energieeffizienten und erdölunabhängigen Mobilitätsformen Öffentlicher Verkehr, Radfahren und Gehen sind ökonomisch sinnvoll. Jeder Euro, den die öffentliche Hand für den Öffentlichen Verkehr ausgibt, bringt fünf Euro Nutzen. Negative volkswirtschaftliche Effekte wie Umwelt- und Unfallkosten sind im Öffentlichen Verkehr geringer als in Straßenverkehr. „Würden alle EU-Bürgerinnen und EU-Bürger täglich fünf Kilometer mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zurücklegen, könnte das EU-Klimaschutzziel bereits zur Hälfte erfüllt werden. Und der Besuch im Fitnessstudio, um Bewegung zu machen, könnte entfallen!“ verweist Rasmussen auf einen weiteren positiven Nebeneffekt des Klimaschutzes.
Prioritäten in der Verkehrs- und Steuerpolitik ändern „Nur auf ein einziges Verkehrsmittel zu setzen, macht eine Gesellschaft sehr krisenanfällig. Wenn das Erdöl knapp wird, geraten jene, die vom Auto abhängig sind, in die Kostenfalle. Daher ist es auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit erforderlich, dass der Öffentliche Verkehr sowie andere ressourcenschonende Verkehrsmittel unsere Mobilität gewährleisten können“ drängt VCÖ-Experte Markus Gansterer auf eine Neuausrichtung der Verkehrs- und Steuerpolitik.
Die VCÖ-Studie "Klimaschutz, Rohstoffkrise und Verkehr" ist beim VCÖ erhältlich. Ein Factsheet findet sich auf vcoe.at
VCÖ: Materialverbrauch von Pkw hat sich in Österreich verzwanzigfacht
(Verbrauch für den Pkw-Bestand in Österreich in Millionen Tonnen im Jahr 2011)
Eisen: 3,6 Millionen Tonnen
Kunststoff: 1,0 Millionen Tonnen
Aluminium: 0,7 Millionen Tonnen
Elastomere: 1, 0 Millionen Tonnen
Nichteisen-Metalle: 0,4 Millionen Tonnen
Quelle: VCÖ 2012
VCÖ: Verkehr in Österreich verbraucht 75 Prozent des Erdölbedarfs
(Endenergieverbrauch von Erdöl in Österreich in Terrajoule im Jahr 2010)
Verkehr: 330.000
Industrie: 28.000
Landwirtschaft: 10.400
Haushalte/Dienstleistungen: 69.600
Gesamt: 438.000
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2012
VCÖ: Österreichs Verkehr ist zu 91 Prozent von Erdöl abhängig, die Bahn nur zu 25 Prozent
(Energieaufbringung in Prozent)
Verkehr gesamt
Erdölprodukte: 91 Prozent
Agro-Kraftstoffe: 6 Prozent
Strom: 3 Prozent
Bahn
Erdölprodukte: 25 Prozent
Agro-Kraftstoffe: 1 Prozent
Strom: 74 Prozent
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2012

