Paris - Probleme mit der ukrainischen Trägerrakete verhindern den Start des neuen europäischen Eisforschungssatelliten CryoSat-2. Der eigentlich für den kommenden Donnerstag geplante Beginn der Mission musste kurzfristig abgesagt werden. Ein neues Startdatum gebe es noch nicht, teilte die die Europäische Weltraumorganisation ESA am Freitag in Paris mit. Verantwortlich für die neuerliche Verzögerung ist nach ESA-Angaben die für die Trägerrakete zuständige ukrainische Firma Yuzhnoye. Sie stellte fest, dass die eingeplante Treibstoffreserve für einen der Raketenmotoren eventuell nicht ausreicht.
Wissenschaftler aus aller Welt warten bereits seit langem sehnsüchtig auf den Start der Mission und die für die Klimaforschung wichtigen Daten. Der rund 700 Kilogramm schwere Satellit soll die Fläche und die Dicke der Eismassen an den Polen vermessen. Die Veränderung des Eises in Grönland und der Antarktis wirkt sich enorm auf das Weltklima aus.
CryoSat-2 wird in einem stark geneigten Orbit fliegen, der Längengrade von 88 Grad Nord und Süd erreicht, um eine ausreichende Abdeckung der Polarregionen zu garantieren. Aus einer Höhe von wenig mehr als 700 km wird CryoSat die Dicke des Meereises und Variationen in der Dicke der Landeismassen exakt vermessen.
Diese Daten werden dringend von den Wissenschaftlern gebraucht, um genauer zu verstehen, wie sich die Eismassen der Erde im Zuge des Klimawandels verändern. Seit mehr als 15 Jahren vermessen die ESA-Satelliten ERS und Envisat bereits die Ausdehnung des Eises. Das reicht aber nicht. Um abschätzen zu können, wie der Klimawandel die empfindlichen Polarregionen beeinflusst, ist es notwendig, zusätzlich die Dicke des Eises zu bestimmen und Veränderungen festzustellen.
Die Geschichte der CryoSat-Mission war bislang von Rückschlägen geprägt. Im Jahr 2005 war der Vorgängersatellit CryoSat-1 kurz nach dem Start unweit des Nordpols ins Meer gestürzt. CryoSat-2 sollte eigentlich bereits im vergangenen Jahr starten. Begrenzte Kapazitäten am Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan machten diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Der von Astrium in Friedrichshafen gebaute Satellit soll mit seinem Radarsystem für mindestens drei Jahre Daten aus dem All auf die Erde schicken.
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