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CryoSat-Start am 8. April: Auf eisiger Mission dem Klimawandel auf der Spur (19.03.2010)

Das globale Klima der Erde wird in erheblichem Maß von seinen noch wenig erforschten polaren Eismassen bestimmt. Wo und wie diese zu- oder abnehmen, soll die am 08. April 2010 beginnende ESA-Satellitenmission CryoSat klären. CryoSat-2 sollte ursprünglich schon am 25. Februar vom Kosmodrom in Baikonur, Kasachstan starten, musste aber aufgrund eines Problems mit dem Treibstofftank der zweiten Stufe der Rakete verschoben werden.

Der Stoff, an dem sich Forscher und Umweltschützer gleichermaßen reiben und erhitzen ist eiskalt: Es sind jene Eismassen, die die nördlichsten und südlichsten Gebiete unseres blauen Planeten bedecken. Ihr Einfluss auf das globale Klima ist unbestritten, aber noch wenig erforscht. Sollten die Eisschilde auf Grönland und am Südpol tatsächlich zusehends abschmelzen, würde das Schmelzwasser die Meeresströmungen verändern – und in dessen Folge das gesamte Weltklima.

Cyrosat Bild: ESAKlimaforscher auf der ganzen Welt fiebern deshalb dem Missionsbeginn des neuen Eisforschungssatelliten gebannt entgegen. Schon einmal wollten die Europäer die Eisdickenmessung aus dem All starten: Vor fünf Jahren, am 8. Oktober 2005, stürzte jedoch CryoSat aufgrund eines Programmierfehlers der russischen Trägerrakete Rockot unmittelbar nach dem Start vom Kosmodrom Plessezk ab und landete zwar in der Arktis, jedoch auf dem Boden des Nordpolarmeeres. Wie bei Wissenschaftssatelliten häufig der Fall, war er nicht versichert. Allein der materielle Schaden lag damals bei fast 140 Millionen Euro.

Dadurch ist wertvolle Zeit verstrichen und die Datennot der Wissenschaftler größer denn je. Die Auswertung von Satellitenbildern hinsichtlich der von Eis bedeckten Flächen stellt Klimaforscher nicht zufrieden. „Für Klimaprognosen zählt nicht die Ausdehnung, sondern die Gesamtbilanz der Eismenge", erläutert Prof. Heinz Miller vom CryoSat-Projektbüro am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Wind könne beispielsweise Eisschollen zusammenschieben, zudem wachse derzeit der Eispanzer der Antarktis vermutlich stärker als das Eis in Grönland schmelze, so Miller, und resümiert: „Es gibt einfach noch keine verlässlichen Zahlen zum Eiszuwachs oder -verlust“.

Der in vier Jahren von einem unter Führung von Astrium (Friedrichshafen) von 31 Unternehmen aus 17 Ländern gebaute zweite Satellit stellt keine Kopie dar. CryoSat wurde für seine Neuauflage konsequent weiter entwickelt, das operative Handling verbessert und essenzielle Komponenten des Radars, dem Hauptforschungsinstrument, redundant ausgelegt. CryoSat-2 wird auf einer polaren Umlaufbahn in 720 Kilometern Höhe die Erde umkreisen und während der auf drei Jahre angelegten Missionsdauer die Dicke des Land- und Meereises mit höchster Präzision vermessen – auf den Zentimeter genau!

CryoSat ist Teil des ESA-Programms „Living Planet“, mit dem die Europäische Weltraumorganisation den globalen Umweltveränderungen auf der Spur ist. Die ESA begann 1991 mit dem Satelliten ERS-1 ein sehr erfolgreiches globales sowie vielseitiges Erkundungsprogramm, dem 1995 der – noch im Betrieb befindliche – Ozonwächter ERS-2 sowie 2002 die fliegende Umwelt-Überwachungsstation Envisat folgten.

Eine Reihe von Earth-Explorer-Spezialsatelliten soll gesicherte Daten über die Prozesse in der Atmosphäre, in den Ozeanen, an den Polen sowie auf dem Festland liefern. Diese Daten sind als wissenschaftliche Grundlage politischer Entscheidungen dringend notwendig. Allein im vergangenen Jahr begannen die ESA-Missionen GOCE zur präzisen Bestimmung des Gravitationsfeldes der Erde sowie SMOS zur globalen Erfassung der Bodenfeuchte und des Salzgehaltes im Meereswasser. In den nächsten Jahren wird die ESA rund 20 Erdbeobachtungssatelliten im Orbit haben, berichtet stolz Volker Liebig, Direktor des Erdbeobachtungsprogramms: „Wir haben im Moment das ambitionierteste Erderkundungsprogramm des Planeten."


Quelle: ESA



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