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Versicherungswirtschaft erwartet mehr extreme Stürme und Überschwemmungen (24.05.2011)

Bild: Pixelio/gdDie Deutschen müssen sich in den kommenden Jahrzehnten auf immer häufiger und heftiger auftretende Wetterextreme einstellen. Das ist das Ergebnis einer Klimastudie, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit führenden Klimaforschern des Potsdam- Instituts für Klimafolgenforschung, der Freien Universität Berlin und der Universität Köln heute (24.05.11) in Berlin präsentierte.

Künftig treten Hochwasser, wie sie Deutschland heute im Durchschnitt alle 50 Jahre erlebt, alle 25 Jahre ein. Die Sturmschäden nehmen bis zum Jahr 2100 um mehr als 50 Prozent zu.

Extremstürme alle 10 Jahre

Einzelne, extreme Unwetter werden in Zukunft öfter auftreten und deutlich größere Schäden an Gebäuden verursachen als heute. Ein besonders schadenträchtiges Sturmereignis von einer Intensität, wie wir es heute alle 50 Jahre erleben, kann zukünftig alle 10 Jahre eintreten. Für die Versicherer bedeutet das, dass sie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts allein für Extremstürme alle 10 Jahre 7 bis 8 Milliarden Euro zahlen müssen – das wäre eine Verdreifachung der Schadensumme gegenüber heutigen, extremen Sturmereignissen. Zum Vergleich: Für „Kyrill“ zahlten die deutschen Versicherer 2007 ihren Kunden „nur“ 2,4 Milliarden Euro.

Hochwasser – Verdreifachung der Schäden ist möglich

Die größten Risiken liegen auch in Zukunft an den Ufern der großen Flüsse Deutschlands und in den Folgen von Starkregen. Obwohl die Ergebnisse mit großen Unsicherheiten behaftet sind, lassen sich klar Tendenzen ablesen. Im Durchschnitt aller Berechnungen steigt die Zahl der Schäden durch Flussüberschwemmungen und Sturzfluten bis Ende des Jahrhunderts auf mehr als das Doppelte der heutigen Schäden, auch eine Verdreifachung ist möglich. Das gilt im Fall der Flussüberschwemmungen für alle untersuchten Flussläufe an Rhein, Elbe, Weser, Ems und Donau.

Winterstürme im Westen

In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Teilen von Niedersachsen werden die Sturmschäden am stärksten zunehmen. Besonders die Winterstürme werden hier doppelt so viel Schaden anrichten. Großflächige Sturmereignisse, wie sie der Westen Deutschlands in den letzten Jahren durch Stürme wie „Jeanette“, „Lothar“ und „Kyrill“ erlebte, werden bis zum Jahr 2100 deutlich häufiger wüten.

Heftige Sommergewitter im Osten

Infolge des Klimawandels werden die Schäden durch sommerliche Unwetter besonders in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts steigen. Der Osten bekommt das in Form von Sommergewittern mit Starkniederschlägen und Hagelschlag zu spüren. Von 2011 bis 2040 steigen in den Sommermonaten die Schäden um mehr als 25 Prozent, zwischen 2041 und 2070 sind es sogar 60 Prozent.

Klimawandel bleibt versicherbar

„Die Folgen des weltweiten Klimawandels hinterlassen auch in Deutschland ihre Spuren“, fasst GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen die Forschungsergebnisse zusammen. „Die gute Nachricht ist, dass der Klimawandel in Deutschland versicherbar bleibt.“ In anderen Regionen der Erde sieht das anders aus. Auch wenn die Forschungsergebnisse mit Schwankungsbreiten behaftet sind, alarmieren die Zahlen. „Je größer der CO2- Ausstoß, desto schneller wird der Klimawandel in Zukunft voranschreiten und umso extremer werden die Unwetter in Deutschland“, so Hoenen. Alle gesellschaftlichen Gruppen sind daher verstärkt gefordert, aktiv die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Treibhausgas-Emissionen nachhaltig zu senken, Daneben müssen wir uns an die bereits unvermeidbaren Veränderungen anpassen.

Forderungen der Versicherer

Dazu haben die deutschen Versicherer einen Forderungskatalog aufgestellt, der u. a. folgende Punkte enthält:

1. Überschwemmungsgefährdete Regionen dürfen nicht als Bauland ausgewiesen werden. Städte und Kommunen müssen in ihrer Flächennutzungsplanung die vorhandenen Risikogebiete berücksichtigen.

2. Entwässerungssysteme müssen für künftige Starkregenereignisse ausgelegt werden.

3. Bauplaner und Architekten müssen Dachkonstruktionen an zukünftigen Sturmereignissen ausrichten. Gebäudeöffnungen müssen vor Starkregen und Oberflächenwasser sicher sein.

4. Privathaushalte sollten neben einem umfassenden Versicherungsschutz auch die Eigenvorsorge stärker betreiben: Schutzmaßnahmen wie Rückstauventil, Rückstauklappen, Hebeanlagen oder Dachverstärkungen werden immer wichtiger.

5. Die Versicherungswirtschaft muss frühzeitig in technologische Entwicklung einbezogen werden. Nur so kann ein umfassender Versicherungsschutz für neue Technologien sichergestellt werden.

Zur Studie: Die Klimastudie der deutschen Versicherungswirtschaft entstand in dreijähriger Forschungsarbeit zwischen der deutschen Versicherungswirtschaft und führenden Klimaforschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der Freien Universität Berlin und der Universität Köln.

Es wurden die wetterbedingten Schäden der letzten Jahrzehnte mit unterschiedlichen Klimamodellen verknüpft und dabei erstmals konkrete Schadenszenarien für die Zukunft ermittelt. Hauptaugenmerk lag auf den in Deutschland am häufigsten auftretenden Naturkatastrophen: Sturm und Hagel sowie Hochwasser. Die deutschen Versicherer sind somit in der Lage, konkrete Schadenszenarien von heute bis zum Jahr 2100 für Deutschland zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen, Grafiken und Präsentationen finden Sie unter gdv.de


Quelle: GDV

© Bild: Pixelio/gd



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