Das hat einen Grund: Ihre Kapitalgeber drängen immer öfter darauf. Noch allerdings scheint nicht jede Beteiligungsgesellschaft fit für den Wandel. Eine „grüne“ Investmentstrategie kann nur jede Zweite vorweisen. Auch bei der Erfolgsmessung hapert es noch.
So glauben zwar 94 Prozent der von PwC befragten Private-Equity-Firmen, dass sich mit nachhaltigen Investments Gewinne erzielen lassen. Werte, die sie durch nachhaltige Investments geschaffen haben, können allerdings nur 40 Prozent messen. Das liegt unter anderem an fehlenden Kennzahlen zur Nachhaltigkeitsleistung, die über klassische betriebswirtschaftliche Messgrößen hinausgehen. Viele Private-Equity-Firmen, sagt PwC-Experte Malcolm Preston, hielten Nachhaltigkeit noch für eine „unpräzise Wissenschaft“, die sich erst entwickeln müsse. „Ihre Investoren dürften nicht so geduldig sein.“
PwC rät Kapitalbeteiligungsgesellschaften deswegen, ihre Nachhaltigkeitsexpertise rasch auszubauen und bei der Erfolgsmessung nachzulegen. Das empfiehlt auch das US-amerikanische Investor Responsibility Research Center Institute (IRRC). Unternehmen und Investoren, heißt es in einer neuen Studie der Denkfabrik, nähmen Nachhaltigkeit zwar zunehmend ernst. Auch bestehe unter ihnen weitgehend Einigkeit, welche Nachhaltigkeitsaspekte für Unternehmen besonders wichtig seien. Beide Seiten hätten sich aber noch nicht auf gemeinsam getragene Kennzahlen zur Erfolgsmessung verständigen können.
Das Problem ist laut IRRC weniger, dass die Unternehmen keine Daten zur ihrer Nachhaltigkeitsleistung erheben. Das machten sie schon oft, wenngleich sie nicht alle verfügbaren Daten veröffentlichten. Schwerer wiege das Fehlen einer klaren Linie bei der Berichterstattung. Vergleiche würden Investoren durch wechselnde Kennzahlen erschwert. Den Unternehmen entstände Mehraufwand, da sie Anfragen von Geldgebern nicht standardisiert beantworten können. Einige Unternehmen klagen der Studie zufolge schon über einen „Umfrage-Burnout“. Sie hätten zum Teil Vollzeitstellen schaffen müssen, um die Anfrageflut bewältigen zu können.
Erschwerend kommt hinzu, dass von Unternehmen erhobene Nachhaltigkeitskennzahlen eher Risiken darstellen, als die Chancen nachhaltigen Wirtschaftens darzustellen. Das könne den Blick auf neue Geschäftsmöglichkeiten versperren. Unternehmen und Investoren sollten nach Einschätzung des IRRC deswegen klarer machen, was sie voneinander erwarten. „Von einer konsistenten Berichterstattung auf Basis weniger Indikatoren könnten beide Seiten profitieren“, heißt es in der Studie dazu.
Der Druck auf die Unternehmen, nachvollziehbar über die eigene Nachhaltigkeitsleistung zu berichten, wächst jedenfalls: 88 Prozent der Private-Equity-Firmen gaben gegenüber PwC an, dass sie mit einer weiter steigenden Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeitsbelange seitens ihrer Investoren rechnen. Mitunter bekommen Unternehmen diese Aufmerksamkeit auch direkt zu spüren: Eine Reihe großer Investoren, darunter die Staatsfonds Neuseelands oder Norwegens, hat erst Mitte März 29 Konzerne öffentlich kritisiert, weil sie nicht genug Ehrgeiz bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung zeigen.
Die Gescholtenen, darunter das deutsche Pharma- und Chemieunternehmen Merck sowie der französische Luxusgüterkonzern LVMH, sind Mitglieder des Global Compacts, einer Unternehmensinitiative der Vereinten Nationen, und haben sich in diesem Zuge zu bestimmten Nachhaltigkeitszielen und der Berichterstattung darüber verpflichtet – sind dem aber nicht nachgekommen. Gavin Power vom Global Compact sagt, eine nachhaltige Unternehmensführung werde von immer mehr Investoren als Voraussetzung für langfristigen Geschäftserfolg bewertet. „Unternehmen, die Investoren anziehen wollen, müssen das verstehen.“
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