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Nachhaltige Geldanlagen: Mangelnde Transparenz schreckt Anleger ab (09.05.2012)

„Grüne“ Geldanlagen haben im Moment einen schweren Stand. Die Anlagekriterien einiger Nachhaltigkeitsfonds sind jüngst in die Kritik geraten. Deutsche Großanleger setzen seltener auf Nachhaltigkeit als noch vor einem Jahr.

Und das Volumen nachhaltig angelegter Fonds war im deutschsprachigen Raum zuletzt rückläufig: Zum Ende des ersten Quartals 2012 waren laut Sustainable Business Institute noch 34 Milliarden Euro in öffentlich handelbaren Nachhaltigkeitsfonds angelegt – vier Milliarden weniger als Ende 2011. Mehr Transparenz und bessere Beratungen könnten den Trend nach Einschätzung von Marktkennern drehen.

Bild: Pixelio/claudia35„Nachhaltige Anlagestrategien haben durchaus ein gutes Fundament in der deutschen Investorenlandschaft“, sagt Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Doch bei vielen Großanlegern herrsche noch Unklarheit darüber, wie sie Nachhaltigkeit in ihre Investments einbinden könnten. Das hat Schäfer gerade in einer Umfrage für die Investmentgesellschaft Union Investment herausgefunden, in der über 200 Großanleger wie Banken, Stiftungen oder Versicherungen zu verschiedenen Aspekten nachhaltiger Kapitalanlagen befragt wurden.

Von denen gaben zwar knapp 50 Prozent an, Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Im Vorjahr aber hatten sich noch 64 Prozent entsprechend geäußert. Ein Grund für den Rückgang sind mangelnde Informationen: Der Anteil derjenigen, die sich in Sachen Nachhaltigkeit gut oder sehr gut informiert fühlt, sank von 57 auf 40 Prozent. Auch Privatanleger haben mit diesem Informationsdefizit zu kämpfen. Diejenigen, die ihr Geld noch nicht nachhaltig angelegt haben, begründeten das in einer zweiten Umfrage von Union Investment mit fehlendem Geld (48 Prozent) und der mangelnden Transparenz öko-sozialer Anlagen (32 Prozent).

Zur mangelnden Transparenz bei trägt der Umstand, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht geschützt ist. Die Anbieter können ihre Anlagekriterien deswegen selbst festlegen – wodurch in einige Nachhaltigkeitsfonds offenbar auch Unternehmen rutschen, die nicht wirklich nachhaltig sind. Das zeigt eine neue, im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen durchgeführte Studie. Die zehn darin untersuchten Nachhaltigkeitsfonds hatten in über 700 Unternehmen investiert, darunter auch in solche, die ihr Geld mit Rüstungsgütern oder Atomenergie verdienen. Aufgrund fehlender Mindeststandards, heißt es in der Studie, bleibe Anlegern, die ihr Geld nachhaltig investieren wollten, „nichts anderes übrig, als jeden Fonds selbst genau anzuschauen“. Und das sei sehr zeitaufwändig.

Dass die Fondsanbieter aufgrund fehlender Mindeststandards eigenen Vorgaben folgen, ist nach Einschätzung des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zwar erst dann ein Problem, wenn sie ihre eigenen Vorgaben nicht einhalten. Aber auch das FNG weist in einer Stellungnahme zu der Studie darauf hin, dass es Ziel sein müsse, „Anlegern Informationen zu nachhaltigen Fonds transparent, verständlich und kompakt zur Verfügung zu stellen“. Viele Mitglieder des FNG befürworten die Entwicklung von Mindeststandards. Auch Bündnis 90/Die Grünen machen sich dafür stark. Verbrauchern sei es nicht zuzumuten, sich über jedes Unternehmen, in das ein Nachhaltigkeitsfonds investiere, selbst schlau zu machen, so die Bündnisgrünen.

Das können offenbar nicht mal Investmentprofis leisten. Laut Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment, ist unter Großanlegern „in der Beurteilung nachhaltiger Investmentstrategien eine gewisse Verunsicherung eingetreten“. Bessere Beratungen könnten das ändern. Union Investment-Geschäftsführer Giovanni Gay meint, dass diese auch mehr Privatanleger für nachhaltige Geldanlagen erwärmen könnten. Deswegen sollten „in der Kundenberatung neben den klassischen Kriterien einer Geldanlage wie Sicherheit, Rendite und Liquidität auch ökologische und soziale Aspekte angesprochen werden“, so Gay. Die Anleger bekämen so einen besseren Überblick über das Angebot, was wiederum das Vertrauen in nachhaltige Kapitalanlagen stärken.

Eine Orientierung, welche Themen und Prozesse unternehmerische Chancen und Risiken in der Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit beleuchtet werden sollten, bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex DNK, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Oktober 2011 verabschiedet und zur freiwilligen Anwendung empfohlen hat. Der Kodex soll zu einer stärkeren Nachhaltigkeitsorientierung der Kapitalmärkte beitragen und macht die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen mit Hilfe standardisierter Informationen mess- und vergleichbar.

Das deutsche Investoren-Netzwerk der Prinzipien für Verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (Principles for Responsible Investments, UN PRI) empfiehlt seinen Unterzeichnern neuerdings die Anwendung des Nachhaltigkeitskodex bei Anlageentscheidungen und der Dokumentation über die Erfüllung der Prinzipien im eigenen Kerngeschäft.

Weiterführende Informationen und Links erhalten Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für nachhaltige Entwicklung

© Bild: Pixelio/claudia35



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