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Energiemanagement in energieintensiven Betrieben – eine Erfolgsstory (09.07.2012)

Energiemanagement hat in Georgsmarienhütte ein Logo. Grafik: GMHDie Georgsmarienhütte GmbH in der Nähe von Osnabrück produziert Stahl und hat einen enormen Energiehunger. Man benötigt rund 750 Gigawattstunden GWh Strom und 400 GWh Erdgas pro Jahr. Voraussetzung für eine Befreiung von der EEG-Umlage als energieintensives Unternehmen war die Einführung eines zertifizierten Energiemanagements. Reimund Laermann ist dafür verantwortlich und der zupackende Energiemanager berichtet gerne über seine Erfahrungen und seine beachtliche Erfolgsbilanz.

Allzu viel versprach man sich wohl nicht vom neuen Energiemanagement, energieintensive Unternehmen verwenden schließlich schon immer viel Energie darauf, Energie zu sparen. Umso erstaunlicher ist die Bilanz: 44 Mio. Kilowattstunden hat man 2010/2011 gespart und Laermann ist sichtlich stolz auf dieses Ergebnis. Schließlich sichert das Unternehmen damit seine Wettbewerbsfähigkeit und über 1300 Arbeitsplätze in dem Traditionsunternehmen, das zur GMH-Gruppe gehört.

Reimund Laermann, Leiter Energiemanagement Bild: Georgsmarienhütte GmbHGleich zu Beginn des Projektes hat man den Energiemanager von bisherigen Alltagsaufgaben befreit, so dass er sich voll auf sein neues Tätigkeitsfeld konzentrieren konnte und er gibt unumwunden zu, dass er unterschätzt hat, wie sehr er vorher seine Aufmerksamkeit teilen musste. Außerdem verfügt er von der Organisationsstruktur her über einen kurzen Draht zur Geschäftsleitung, weil man dann schneller Probleme bearbeiten und Entscheidungen treffen könne.

Laermann ist im Unternehmen verwurzelt, er arbeitet seit mehr als 33 Jahren in der Georgsmarienhütte. „Ich kenne alle Abläufe und alle Produktionsteile und das ist ein großer Vorteil“, betont er. Aber auch dass er gelernter Elektriker sei, habe im die Arbeit erleichtert, erzählt er. Denn ein Anzugträger, da ist er sich sicher, hätte es bei den Kollegen schwerer gehabt.

Dann berichtet Laermann, wie er vorgegangen ist. Natürlich habe man alle Produktionsabläufe unter die Lupe genommen, um Einsparpotentiale aufzudecken. Detaillierte Messwerte zum Energieverbrauch erhält Laermann, der ehemalige Elektriker, auf unkonventionellem Weg: er nutzt freie Potentiale der vorhandenen Telefonanlage, weil diese natürlich in alle Bereiche des Betriebes verzweigt ist. Alle benötigten Daten stehen damit jedem Mitarbeiter für seinen eigenen Bereich über einen Webbrowser zur Verfügung.

Und Messwerte sind wichtig, betont der Energiemanager. Nicht nur, um selbst einen Überblick zu bekommen und den Mitarbeitern einen Einblick geben zu können in den Bereich, den diese zu verantworten haben, sondern auch als Grundlage für Mitarbeiter-Schulung und –Einbindung. Das, erzählt Laermann, sei ein wesentlicher Schlüssel für sein Arbeiten gewesen, denn „ohne Mitarbeiter kannst Du das vergessen.“ Also organisierte er Arbeitskreise, etablierte Energiepaten, entwarf ein eigenes Energiesiegel für Einsparerfolge, organisierte Workshops und intensivierte das Ideenmanagement. „Die Ideen der Mitarbeiter sind sehr wertvoll“, erzählt Laermann. Allerdings, so warnt er, bleibt die Motivation, nur dann erhalten, wenn man sich die Zeit nimmt und mit den Leuten redet. „Die müssen auch wissen, warum eine eingereichte Idee letztlich nicht umgesetzt wird, sonst demotiviert das.“

Der Energiemanager bleibt aber bei aller Wertschätzung für seine Kollegen realistisch. „Dass alle Mitarbeiter mitziehen, werden wir wohl nicht erleben“, sagt er. „Zwanzig Prozent ziehen mit, zwanzig Prozent werde ich wohl nie kriegen und um die restlichen sechzig Prozent kämpf ich“, beschreibt der Osnabrücker lächelnd seine Bemühungen.

Nicht zuletzt deshalb sind manche Abläufe heute anders organisiert. Wenn ein Ofen auf Störung geht, fahren die Ventilatoren automatisch mit runter. „Früher blieben die öfters mal auch über Stunden an, weil man sie ja gleich wieder brauchen könnte“, berichtet Laermann. Aber auch vergleichsweise kleine Maßnahmen sind inzwischen umgesetzt. Der Einsatz einer energiearmen Beleuchtung verbunden mit einer intelligenten Steuerung gestaltet heute die Lichtverhältnisse angenehmer bei geringeren Kosten.

Bedingt durch das Energiemanagement gerieten auch ressourcensparende Maßnahmen verstärkt ins Blickfeld. So braucht der Betrieb heute beispielsweise 30 Prozent weniger Druckluft.

Dann wird der Osnabrücker sehr ernst. Denn dass energieintensive Betriebe wegen ihrer Befreiung von der EEG-Umlage in der Öffentlichkeit in der Kritik stehen, lässt ihn offensichtlich nicht kalt. Und darum erklärt er, wie wichtig die Befreiung für das Stahlunternehmen ist. "Die EEG-Umlage würde für uns 20 Mio. Euro ausmachen." Und das würde je nach Geschäftslage den Gewinn des Unternehmens auffressen oder gar das Ergebnis ins Minus treiben. "Und ein Nullsummen- oder ein Minusgeschäft, das hält auf Dauer kein Betrieb aus", macht er deutlich.

Laermann wäre aber nicht Laermann, wenn er nicht schon längst analysiert hätte, welche weiteren Vorteile durch das Energiemanagement in seiner heutigen Form entstanden sind. Ein Energiemanagement erhöht die Akzeptanz von Energiesparmaßnahmen. Er könne heute den Mitarbeitern anhand der Messwerte zeigen, wo Energie sinnlos verbraucht wird und was man dagegen tun kann. Außerdem hat er die Erfahrung gemacht, dass sich in der Industrie ein Wandel vollzieht. „Immer mehr Kunden verlangen das inzwischen.“

Aber auch ihn selbst ließen die Erfahrungen mit dem Energiemanagement nicht unverändert. Früher habe er sehr skeptisch reagiert, wenn einer zu viel messen wollte, berichtet er mit spitzbübischem Grinsen. Heute sei er vom Gegenteil überzeugt und erklärt dies an einem anschaulichen Bild: „Energie sparen ohne Managementsystem ist wie Fahren ohne Tacho und Tankanzeige.“


© Energiemanagement hat in Georgsmarienhütte ein Logo. Grafik: GMH

© Reimund Laermann, Leiter Energiemanagement Bild: Georgsmarienhütte GmbH



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