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Klimaneutraler Tourismus: Nordseeinsel Juist will Blaupause liefern (11.11.2011)

Die internationale Tourismusbranche boomt, bekommt den dadurch steigenden Ausstoß von Klimagasen aber nicht in den Griff: Bleibt alles wie bisher, werden sich die von der Reiseindustrie verursachten CO2-Emissionen in den nächsten 25 Jahren „mindestens verdoppeln“. Das prognostizieren das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer neuen Studie.

Die internationale Tourismusindustrie ist demnach bereits für fünf Prozent der weltweiten Klimagasemissionen verantwortlich, unterliegt global aber kaum gesetzlichen Klimaschutzvorgaben. Freiwillig mehr Klimaschutz wagt die Nordseeinsel Juist. Sie will die erste klimaneutrale Insel Deutschlands werden. Forscher untersuchen gerade, wie das gelingen kann. Große Touristikkonzerne geben Geld – und hoffen auf eine Blaupause für die Zukunft.

Bild: Pixelio/Steffi PelzSpätestens 2030 soll Juist klimaneutral sein. Bis dahin sollen die rund 20.000 Tonnen CO2, die Gewerbe, Handel, Dienstleister, Gäste und Einwohner jährlich ausstoßen, auf null sinken – dank mehr erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz, weniger Verbrauch. „Das schaffen wir nur, wenn alle einen Beitrag leisten“, sagt Thomas Vodde, Marketingleiter von Juist. Inselgemeinde und Kurverwaltung binden Unternehmen vor Ort, Einwohner und Gäste in den Klimaschutz ein: Energieberater helfen beim Energiesparen, besonders klimafreundliche Hotels und Herbergen dürfen sich mit einem Klimasiegel schmücken, Kindern wird beigebracht, wie sie Energie clever nutzen. Zurzeit ruft die Gemeinde Bewohner und Gäste zum Wechsel auf Ökostrom und -gas auf. Sie selbst deckt ihren Energiebedarf regenerativ, kompensiert die restlichen Emissionen und gibt ihren Beschäftigten einen Nachhaltigkeitsleitfaden an die Hand. Autos sind auf Juist tabu.

Unterstützt wird die Insel auf dem Weg in die Klimaneutralität seit Oktober von Futouris, einer Nachhaltigkeitsinitiative der Tourismuswirtschaft aus dem deutschsprachigen Raum. Branchengrößen wie Neckermann, Thomas Cook oder TUI geben Geld für die wissenschaftliche Begleitung des Juister Vorstoßes. „Wir suchen Anregungen, um weitere Reiseziele auf Nachhaltigkeit trimmen zu können“, sagt Futouris-Geschäftsführerin Ines Carstensen. Der Branche sei klar, dass sie klimafreundlicher werden müsse – und sie dies nicht alleine, sondern nur gemeinsam mit den Touristen stemmen könne. „Wollen wir sie für ‚grünere’ Reisen gewinnen, müssen wir Nachhaltigkeit für sie erlebbar machen.“ Juist versuche das und sei für die Branche ein interessantes Testlabor.

Wie Juist Klimaneutralität erreichen kann, am besten vor 2030, untersucht der Klima- und Tourismusforscher Stefan Gössling von der Universität Lund (Schweden) im Auftrag von Futouris. Gössling ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Initiative, außerdem Hauptautor der neuen OECD-/UNEP-Studie zu den globalen Klimawirkungen der Tourismusindustrie. „Enormes Klimaschutzpotenzial“ sieht er in den An- und Abreisen der Juist-Besucher. Kämen die nicht wie bisher überwiegend per Pkw, sondern mit der Bahn, könnten die so verursachten Emissionen um 60 Prozent sinken. Der Forscher will auch untersuchen, wie sich ortsansässige Hoteliers zur besseren Gebäudedämmung animieren lassen und ob Urlauber bereit sind, mehr für klimafreundliche Unterkünfte zu zahlen.

Der Vorstoß der Nordseeinsel und dessen Unterstützung durch Branchenriesen findet Gössling gut. Er sei jedoch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum klimaverträglicheren Tourismus: „Solange die Tourismusindustrie nicht systematisch auf Nachhaltigkeit umschwenkt, werden ihre Emissionen steigen.“ Der weltweite Reiseboom fresse jeden Effizienzgewinn durch sparsamere Flugzeuge oder ähnliches auf. Ohne neue, nachhaltige Angebote könne die Branche sich nicht aus dieser Falle befreien. Touristikkonzernen empfiehlt der Forscher, mehr Reisen zu Zielen in der Nähe anzubieten. Auch sollten sie ihre Kunden besser über Klimafolgen ihrer Reisen aufklären. „Gut wären Reisekataloge mit vergleichbaren Angaben zu den CO2-Emissionen, die im Urlaub anfallen“, sagt er. Das böten bislang nur wenige Reiseunternehmen, etwa die des forums anders reisen.

Weitere Informationen auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© Bild: Pixelio/Steffi Pelz



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