Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Seite empfehlen

Einschätzung: Was ist von Kopenhagen zu erwarten? (05.12.2009)

Stephan Schunkert, Geschäftsführer der KlimAktiv gemeinnützige GmbH und Initiator der Kopenhagen-Initiative „Endlich handeln!“ wird bei den Weltklimaverhandlungen in Kopenhagen vor Ort sein. Der erfahrene Klimafachmann wird dabei nicht nur den Fortgang der Verhandlungen beobachten, sondern auch in einem Side-Event am 18. Dezember die auf www.endlich-handeln.de gesammelten Stimmen und Statements an die Politik übergeben.

Wir haben ihn dazu befragt, wie er die Erfolgsaussichten von Kopenhagen einschätzt und was in seinen Augen als Erfolg bzw. Misserfolg zu werten ist.

Herr Schunkert, kommende Woche beginnen in Kopenhagen die Weltklimaverhandlungen in Kopenhagen. Wie schätzen sie das ein: wird diese wichtige Konferenz für den weltweiten Klimaschutz ein Erfolg oder ein Flop?

Stephan Schunkert Bild: KlimAktivIn unserer Verantwortung für die zukünftigen Generationen können wir uns einen Flop auf keinen Fall leisten. Dies ist den Verantwortlichen bekannt. Definieren wir lieber den Begriff „Erfolg“:
Auf der vorletzten Weltklimakonferenz auf Bali 2007 wurde die Roadmap verabschiedet. Dieser Fahrplan schrieb eine Einigung auf ein verbindliches Völkerabkommen bis zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen in den kommenden zwei Wochen vor. Dieses Abkommen muss es nun ermöglichen, die Erderwärmung im Rahmen der 2° Grenze zu halten.

Im Vorfeld zur Konferenz konnte man sich nicht auf konkrete Emission- und Reduktionszahlen einigen. Das liegt unter anderem an der Situation in den USA, die als zweitgrößter CO2-Verursacher und als Industriestaat zwingend mit ins Boot müssen. US-Präsident Obama hat zwar eine Klimagesetzgebung auf den Weg gebracht, dieses Gesetz wurde bis heute nicht vom Senat verabschiedet. Und das bedeutet, dass die amerikanische Regierung sich (noch) nicht auf verbindliche Zahlen festlegen werden können. So ist der demokratische Prozess.

Wenn in Kopenhagen nun ein Abkommen zustande kommt, welches ohne konkrete Emissionszahlen die Völkergemeinschaft auf das 2° Ziel festlegt, wäre dies daher noch kein Misserfolg. Die konkreten Zahlen und vor allem die Lastenverteilung müssen dann jedoch umgehend nachgeliefert werden.

Also kann man Kopenhagen vergessen?

Nein, in Kopenhagen stehen verschiedene Handlungsfelder zur Einigung an: Da ist zum einen die Vereinbarung aller Staaten der Weltgemeinschaft, dass man alles dazu tun will, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Das ist enorm wichtig, weil sich alle seriösen Wissenschaftler einig sind, dass eine Temperaturerhöhung über die zwei Grad hinaus einen völlig veränderten Planeten nach sich ziehen würde. Der Klimawandel würde unbeherrschbar.

Daneben gilt es Vereinbarungen zu treffen, wie der Klimaschutz finanziert werden kann. Die Menschheit steht hier vor ungekannten Herausforderungen und insbesondere die Industriestaaten werden innerhalb weniger Jahrzehnte zu kohlenstofffreien Gesellschaften werden müssen. Dies alles kostet Geld, das wir aufbringen müssen, weil die Folgen uns noch viel teurer zu stehen kommen würden. Es liegen verschiedene Finanzierungsvorschläge auf dem Tisch und weitere können dazu kommen. Gerade für die Industriestaaten sind diese Kosten aber noch vielmehr Investitionen in die Technik von morgen.

Stichwort Finanzierung: Die armen Länder fordern Geld von den Industriestaaten. Brauchen die reichen Länder ihr Geld nicht selbst?

Schon, aber so geht das nicht. Wenn wir uns die wirtschaftliche Entwicklung der Industriestaaten seit Beginn der Industrialisierung ansehen, dann sind die reichen Länder wesentlich auch dadurch reich geworden, dass sie durch den Einsatz von Öl, Gas und Kohle CO2 freigesetzt haben, ohne sich um die Folgen kümmern zu müssen. Heute wissen wir, dass dies nicht ohne Konsequenzen für uns und nachfolgende Generationen war.

Ganz davon abgesehen, dass die armen Länder die heute erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen gar nicht schultern können, sind die reichen Länder doppelt in der Pflicht: sie müssen den CO2-Ausstoß pro Kopf drastisch reduzieren und sie müssen den armen Ländern ein klimaverträgliches Wachstum ermöglichen. Letzten Endes auch aus Eigennutz. Denn die armen Länder spüren den Klimawandel früher und heftiger. Dies enthält großen sozialen Sprengstoff und wenn sich erst einmal Flüchtlingsströme in Gang setzen, weil den Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird, sind die Folgen unabsehbar.

Sie reden von einem CO2-Ausstoß pro Kopf. Was ist damit gemeint und welche Bedeutung hat diese Größe?

Der CO2-Ausstoß pro Kopf ist eine maßgebliche Vergleichsgröße in Kopenhagen und darüber hinaus.

Zum einen können wir so deutlich machen, wie unterschiedlich die Länder am CO2-Ausstoß beteiligt sind und wir können unsere Ziele für die Zukunft beziffern. Zum heutigen Stand: Deutschland hat einen CO2-Ausstoß pro Kopf von ungefähr elf Tonnen, China von gut zwei Tonnen oder Indien mit unter einer Tonne, aber mit steigender Tendenz. Wie dringend die USA handeln müssen, zeigt sich auch hier: die Amerikaner haben im Moment einen CO2-Ausstoß pro Kopf von sagenhaften zwanzig Tonnen.

Wenn es um den zukünftigen Handlungsbedarf geht, so haben viele Wissenschaftler - unter anderem auch der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung - ein weltweites GEsamtbudget von 750 Mrd Tonnen CO2 berechnet, um mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das 2° Ziel noch einzuhalten. 750 Mrd. Tonnen, die unser Globus bis 2050 maximal noch verträgt.

Dies lässt sich nun leicht auf einen CO2-Ausstoß pro Kopf umrechnen. Grob gesagt hat damit jeder Mensch auf der Erde noch ein Budget von ca. 100 t CO2 für die nächsten 40 Jahre übrig. Wenn wir aber so weiter machen wie gehabt, hätten beispielsweise wir Deutschen unser Budget schon in knapp 10 Jahren verspielt!

Werfen wir noch einen Blick auf den Staat mit dem größten Weltbevölkerungsanteil: China. Sie haben gerade erläutert, das China einen Pro-Kopf-Ausstoß von gut vier Tonnen hat. Da können sich die Chinesen doch eigentlich zurücklehnen, oder?

Nein. China ist der größte CO2 Emittent der Welt. Außerdem will und braucht China Wachstum. Wenn dieses Wachstum mit Hilfe fossiler Energieträger erfolgt, wird deren Ausstoß ansteigen, was dem Klima aus bekannten Gründen natürlich überhaupt nicht zuträglich wäre. Insofern haben alle ein Interesse daran, dass ein Schwellenland wie China wachsen kann und den Umbau zu einer CO2-armen Gesellschaft gleichzeitig schafft.

Da tut sich auch sehr viel. Gerade China ist ein Land großer Gegensätze: einesteils stehen dort Kohlekraftwerke, deren CO2-Emission jenseits von Gut und Böse ist. Und der Energiebedarf dieses riesigen Landes wächst. Gleichzeitig ist China aber auch der größte Solarproduzent der Welt und der Aufbau von Windenergieanlagen macht ständig Fortschritte.

Das bedeutet: ohne China und Indien oder beispielsweise Brasilien werden wir Menschen unser Ziel nicht erreichen. Alle Länder müssen ein gemeinsames Ziel anstreben. Und dabei ist es im Interesse aller Staaten, dass alle nicht nur die notwendige Verpflichtung eingehen, sondern dass dieses gemeinsame Ziel auch erreicht wird.

Herr Schunkert, wir bedanken uns für das Gespräch.


Quelle: KlimAktiv

Dieser Beitrag ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung freigegeben.


Aktuelle Markdaten und Börsenkurse

Climate Change News by Climate Ark

29.07.2010

MCS-Zertifizierung könnte britischen Photovoltaikmarktes begrenzen

Forscher: Seit 1990 steigt die Temperatur in der Arktis rasant an

05.10.10: Ressourceneffizienz - Motor für ein Grünes Wachstum

Atomindustrie dringt auf «15 Jahre plus X»

DIW Berlin: Grundsätzlich viel Spielraum für Brennelementesteuer

Kohlendioxid-Recycling: Klimakiller oder Kassenknüller?

28.07.2010

Für Stromleitung aus der Wüste: Blaupause mit 800 kV steht in China

Karlsruher Stadtmobil-Kunden können Plug-in Hybrid Prototypen mieten

Unterwasserfahrzeug forscht unter dem Treibeis der Arktis

Offshore wind heads for record year

Baden-Württemberg: 80 Prozent mehr Schiffs-Gütertransport möglich

19.08.10 : Emissionshandel und Klimaschutz in den USA

Röttgen will Windenergie verstärkt fördern

21.10.10: Launch Event für CDP Deutschland Bericht

27.07.2010

Neuer Online-Rechner: Photovoltaik-Anlagen an Wohngebäuden

Bund kappt Ökosteuer-Rabatte für energieintensive Industrie

Brasilianische Ureinwohner besetzen Wasserkraftwerk

Elektroauto Chevrolet Volt kommt zum Premiumpreis

Die Nutzung der Windenergie auf dem Meer kennt nur Gewinner

Stadtwerke Flensburg verkauft Ökostrom über mobilcom-debitel

Bundesnetzagentur: Über drei Gigawatt mehr Solaranlagen im ersten Halbjahr

KfW-Klimaschutzbeauftragter koordiniert Erstellung von Weltklimabericht

Viele Fragen offen für Deutschlands grüne Zukunft

26.07.2010

transpower will bessere Prognose für Wasserkraft und Photovoltaik

Hacker-Attacke legt ECX-Website vorübergehend lahm

Musterkommunen-Wettbewerb: 72 Bewerber erhalten ihren CO2-Rechner

Kleine solarthermische Kraftwerke mit Mehrfachnutzen für heiße Länder

EUA-News KW 29/2010

Wuppertal-Institut: CCS als Brückentechnologie für deutsche Kohlekraftwerke unnötig

Ab 26. Juli: Dritte Bayerische Klimawoche startet mit über 700 Aktionen

Flughafen Stuttgart will CO2-Emissionen um 20 Prozent reduzieren

23.07.2010

Wüstenstrom-Konsortium verzichtet auf Namen Desertec

Verband: Bald über Elektroauto-Prämie entscheiden

Fachagentur veröffentlicht umfassende Marktübersicht zu Hackschnitzel-Heizungen

WWF: Verschiebung des US Klima- und Energiegesetzes herber Rückschlag

Klima- und umweltfreundlich reisen: WWF sieht noch wenige Veranstalter auf gutem Weg

US-Senat vertagt umfassendes Klima- und Energiegesetz