Der seit letzten April amtierende Rechtsliberale hatte beim heimischen Klimagipfel als Tagungspräsident Delegierte aus Entwicklungsländern durch arrogantes Auftreten und die Konferenz insgesamt durch verblüffende Unkenntnis gegen sich aufgebracht. Rasmussen schlief bei der Abschlussdebatte minutenlang, redete wirr und musste aus dem Verkehr gezogen werden. Auch westliche Regierungen werfen ihm schwerwiegende strategische Fehler in der Vorbereitungsphase vor.
Nach dem Gipfel geriet der eigentlich als robust und bullig geltende Däne auch innenpolitisch immer heftiger in die Kritik. Er sagte im Januar eine Nachbereitung der Klimakonferenz mit 80 geladenen Botschaftern in letzter Minute ab, weil er wegen eines verstauchten Fußes auf seine Tochter aufpassen müsse. Und das, nachdem Rasmussens Namensvetter und Vorgänger Anders Fogh Rasmussen 2006 eine Gesprächsbitte von Botschaftern über die umstrittenen Mohammed-Karikaturen schroff abgewiesen hatte und das nach den gewaltsamen Protesten in islamischen Ländern bitter bereuen musste.
Der Nachfolger tritt derzeit mit beiden Beinen in jeden erreichbaren Fettnapf. Der Regierungschef sei ein bisschen ausgebrannt, verlautet auch aus ihm wohlgesonnenen Kreisen, deshalb hätten die Berater ihren Chef diese Woche kurzfristig in die Ferien nach Teneriffa geschickt. Was tut Rasmussen? Er nimmt alle drei schulpflichtigen Kinder mit, obwohl seine Regierung gerade für die Kampagne «Unsere Schule soll besser werden» gegen die in Dänemark ziemlich verbreitete Unsitte zu Felde zieht, Familienreisen außerhalb der Schulferien anzusetzen. Dass die Kanarischen Inseln diese Woche von selten erlebtem Dauerregen heimgesucht worden sind, fügt sich ins Bild des Unglücksraben vom Dienst.
In Kopenhagen schwimmen Rasmussen auch politisch die Felle davon. Bei schnell steigender Arbeitslosigkeit mit Massenentlassungen sogar an Krankenhäusern bewegen immer mehr Dänen andere Probleme als die betont harte Ausländerpolitik, mit der Rasmussens Koalition seit 2001 drei Wahlen hintereinander gewonnen hat. Überwiegend Kopfschütteln ernteten der Regierungschef und sein Kabinett denn auch mit ihrem monatelangen öffentlichen Ringen um ein Burka-Verbot in Dänemark. Als sich Rasmussen danach erschöpft nach Teneriffa verabschiedete, meinte die Zeitung «Politiken»: «Ein Regierungschef darf alles sein, aber nicht müde.»

